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Händel-Festspiele

In dieser Koproduktion mit den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik macht ein weiteres Element im Bühnenbild von Bettina Munzer hellhörig für die offensichtlichen Gefechte und die Trugschlüsse, in die sie ebenfalls immer wieder münden. Das sind die Stellwände mit den drei Fenstern, von denen nur eines auf eine großzügig veredelte Freifläche deutet während sich in den anderen beiden immer wieder die Lauscher spiegeln, die über mögliche Spielzüge rätseln bei denen wie so oft der Schein trügt, bis das Innenleben die Tarnhülle sprengt.

Zu den Klängen der Ouvertüre mit der Accademia La Chimera unter der Leitung von Fabrizio Ventura kündigen sich die Hotelgäste mit sichtbarem und verborgenem Gepäck an. Im Gefolge von Roms siegreichen Thronerben Ottone (Marie Seidler) und seiner Braut Teofane (Mariamiell Lamagat) sondiert Gismonda (Valentina Stadler) mit ihrem Sohn Aldelberto (Nicholas Tamagna) bereits ihre Umsturzpläne. Dabei wird ihr Matilda (Anna Starushkevych) im Gegensatz zu Emireno (Jerome Knox) auch vorübergehend Schützenhilfe leisten. Annamaria Fitzi hat aus dem Libretto eine zweieinhalbstündige Fassung verdichtet und Ottone als musikalisches Kammerspiel inszeniert, das sich dem Innenleben der Figuren widmet und wie sehr ihnen dieses Kräftemessen um Macht- und Herrschaftsansprüche zusetzt. 

Der jugendliche Held, der sich in Sehnsuchtsgefühlen sonnt, erscheint wie ein naiver homo politicus, der auf die etablierten Verhältnisse vertraut, bis aus Liebesseufzern Klageseufzer werden. Dass die intriganten Manöver und Verstellungsspiele um die römische Regentschaft nicht ohne Folgen bleiben, muss auch eine rach- und herrschsüchtige Gismonda erfahren, die ihren Alberto für dieses Kräftemessen instrumentalisiert und sich dann als verzweifelte Mutter erlebt. Ebenso instrumentalisieren lässt sich eine verliebte Mathilda, die enttäuscht die Seiten wechselt und dabei verraten wird. Allmählich bröckelt auch das Bild des Traumprinzen, das sich eine zuversichtliche Teofano macht. Wo die taktischen Manöver und hilflose Reaktionen ihr ständig verräterische Motive signalisieren, wird Emireno als verloren geglaubter Bruder auch zum Rettungsanker, bevor es zum immer noch ersehnten Happy end kommt. 

Immer wieder suchen die Figuren Halt an diesem einen Stuhl, dessen Samt rote Lehne hinter der Verhandlungstafel die entscheidende Position symbolisiert, die niemand einzunehmen vermag. Auf dem langen Tisch lassen sich wiederum demonstrative Auftritte zelebrieren während die Tischtücher Fluchtwege und Schutzräume tarnen, die auch den Lauschern hinter den Fenstern verborgen bleiben. In dieser Kammerspielkulisse, wo ein Sessel zum nächtlichen Refugium werden kann und eine Nische zum konspirativen Treffpunkt, findet der dramatische Aufruhr in den ständig wechselnden Emotionen sinnlich Halt, wenn in den Arien Liebe und Wut, Hass und Gier, Angst, Erschöpfung und Verzweiflung als übermächtig erlebt werden und sich wie in einem nächtlichen Alptraum nicht mehr verweigern lassen. 

Es sind berührende Nahaufnahmen von Seelenlandschaften in ihrer Verletzlichkeit, in die sich Anna Magdalena Fitzi mit ihrem Nachwuchsensemble vertieft und wie sie dann auch in den musikalischen Farben Händels zum Ausdruck kommen. Mit den drei Mezzosopranistinnen Marie Seider, Valentina Stadler und Anna Starushkevych, Sopranistin Marieamielle Lamagat, Countertenor Nicholas Tamagna und Bassist Jerome Know wird Ottone auch zu einem Fest der Stimmen,  das die Accademia La Chimera in ihren wunderbar inspirierenden Orchesterfarben veredelt.

 Hören Sie auch den Podcast Händel on Air: Tina Fibiger im Gespräch mit Anna Magdalena Fitzi
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