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Freitag, 18 Oktober 2013 12:07

Gedanken zur Reise der Kantorei St. Jacobi nach Rom

geschrieben von

vom 6. bis zum 14. Oktober 2013

Anmutig gleiten die sanft-geschwungenen Hügel der Toskana am Fenster vorbei. Die Herbstsonne verbreitet einen Schimmer aus strahlendem Gold, dessen Schein an die reich geschmückte Kirche Santa Maria dell’Anima erinnert. Ein leichter Dunst liegt wie Weihrauch über den Feldern. Ein deutscher Bus bahnt sich seinen Weg durch den dichter werdenden Verkehr auf der Autobahn. Die Menschen an Bord sehen gedankenverloren aus dem Fenster. Nur wenige Stunden ist es her, seit sie mit dem Abendsegen von Gabriel Rheinberger einen musikalischen Schlusspunkt gesetzt haben - zu einem Gottesdienst in der deutschen katholischen Gemeinde und einer ereignisreichen Woche. 

Für den Gottesdienst auf dem Campo Santo Teutonico beispielsweise mussten die Sängerinnen und Sänger besonders früh aufstehen, schon um 6.30 Uhr begann die Probe. Der Einblick in eine fremde Welt und der Ausblick in ein von der strahlenden Morgensonne leuchtende Stadt von der Kuppel des Petersdoms waren der Lohn. Viel Organisationsarbeit war im Vorfeld nötig gewesen. Angelika Goldmann (Sopran) muss nächtelang an Kalkulationen und Listen mit Tipps und Besichtigungsvorschlägen gesessen haben.  Der dankbare Applaus, den sie am Ende dafür bekommen wird, ist fast so lang wie der begeisterte Beifall nach dem Konzert in der Kirche San Antonio dei portoghesi. Dem zufriedenen Lächeln von Kantor Stefan Kordes nach zu urteilen, war es ein gutes Konzert. Das mächtige „dell’infernal nemico“ aus Verdis Pater noster, das dort auf dem Programm stand, klingt jedenfalls noch Tage später als Ohrwurm nach, genau wie Fragmente aus der Hymne von Felix Mendelssohn oder aus den Motetten von Johannes Brahms.

Noch sind keine Berge in Sicht. In den Alpen soll der erste Schnee liegen. Kaum zu glauben nach den lauen Abenden auf den belebten Piazze, nach der plätschernde Barock-Frische der Villa d’Este in Tivoli, nach all den schweißtreibenden Besichtigungen der vielen Kirchen, Brunnen und Palazzi. Wie gut, dass es mit Christian Scholl einen Kunsthistoriker im Bass gibt, der mit seinen Chorkollegen in der ewigen Stadt Fachwissen und Begeisterung teilte. Fresken wurden ernsthaft, kühn oder mit Augenzwinkern ausgedeutet. Stets rankten anregende Gespräche am Weg zum nächsten Monument: über Gott und die Welt. Über konfessionelle Unterschiede. Über das wunderbare italienische Essen. Dann und wann auch über den neuesten Klatsch aus Göttingen.

Der letzte Rastplatz auf italienischem Boden. Hier und da kaufen Leute noch die letzten Souvenirs. Der Espresso schmeckt schon etwas wehmütig. Wann hatte diese Reise eigentlich begonnen? Am Sonntag, als der Busfahrer im Morgengrauen die müden, aufgekratzten, hoffnungsfrohen, reiselustigen Chormitglieder einsammelte? Oder doch schon kurz davor, am Tag der Generalprobe, als Pastor Storz uns einen Reisesegen spendete? Gesegnet war sie wirklich, diese Reise der Jacobi-Kantorei nach Rom. Bald werden wir das Programm der Reise noch einmal singen - am Reformationstag, ausgerechnet! Ob in der Musik noch immer etwas von der katholischen Üppigkeit mitschwingt, ein bisschen Weihrauch, ein bisschen römisch-heidnische Pracht? Es wird sich wohl nicht verhindern lassen.

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