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Sonntag, 06 April 2014 10:23

Die Seele einer Aufführung

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Die Jacobikantorei und der Göttinger Knabenchor Die Jacobikantorei und der Göttinger Knabenchor Photo: © Wortmann

Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach in der Jacobikirche

Wenn es eine Seele einer Aufführung gibt, dann war es in der Aufführung der Matthäuspassion in der Jacobikirche der Tenor Clemens Löschmann. Er sang nicht nur die Rolle des Evangelisten sowie zusätzlich die Tenorarien, sondern er gestaltete die Partie mit bis zum Schluss nicht nachlassender Intensität, so dass es bisweilen Gänsehaut verursachte. Besser kann das nicht gesungen und gestaltet werden!

Die Jacobikantorei war von Kantor Stefan Kordes gut vorbereitet – und zwar für viele schon seit einigen Jahren, denn die Matthäuspassion stand in den letzten Jahren wiederholt auf dem Konzertplan der Kantorei. So beherrschten erfreulich viele Sängerinnen und Sänger die Chorpartien beider Chöre und konnten über weite Strecken dem Dirigat von Stefan Kordes mit viel Blickkontakt folgen. Das Ergebnis war eine konzentrierte und nuancenreiche Wiedergabe.

Bei der Interpretation der Chöre und Choräle wählte Kordes flotte Tempi, bei den Chorälen hätte man sich zum Teil vielleicht noch etwas differenziertere Dynamik gewünscht. Insgesamt konnte die Jacobikantorei sehr überzeugen: der Chor hielt Intonation, Konzentration und Intensität bis zum Schlusschor aufrecht, obwohl er häufig lange Passagen (auch während der Arien) stehen musste. Bisweilen konnte man als Zuhörer mit den Sängerinnen und Sängern mitleiden…
Im ersten Teil sang noch der Göttinger Knabenchor den Choral „O Lamm Gottes unschuldig“, den Bach so kongenial noch über den Doppelchor komponiert hat, sowie den Choral im Schlusschor des ersten Teils. Im zweiten Teil blieben im Kirchenschiff einige weitere Plätze frei – offenbar machten auch viele Angehörige der Knaben Feierabend. Schade.

Zu den Gesangssolisten:

Henryk Böhm war mit seinem warmen Timbre eine ideale Besetzung für die Jesus-Worte. Der junge Bassist Samuel Hasselhorn hatte die Bass-Arien sowie die verschiedenen kleineren Rollen (Soliloquenten) übernommen und wusste immer wieder zu überzeugen: er entwickelt sich sehr gut, man kann sich auf zukünftige Konzerte mit ihm freuen. Stefan Görgner gastierte als Altus in der Jacobikirche. Seine bis in die hohen Lagen kräftige Stimme könnte noch etwas mehr Wärme vertragen. Die Sopranistin Stephanie Henke gestaltete ihre Arie „Aus liebe will mein Heiland sterben“ herzergreifend schön. Nur schade, dass sie vor allem in den übrigen Nummern relativ viel Vibrato einsetzte. Das passte nicht so recht zur historischen Aufführungspraxis und den übrigen, sehr schlanken Stimmen. Vor allen anderen (siehe oben) muss man jedoch Clemens Löschmann nennen. Wenn es nicht so unpassend gewesen wäre, hätte man ihm zwischendurch durchaus Szenenapplaus geben können.

Das Orchester:

Als Orchester für Barockmusik wählt Stefan Kordes das Barockorchester Antico Bremen. Sie haben sich als zumeist zuverlässige Begleiter erwiesen - aber auch nicht mehr. Hervorzuheben sind die beiden Violin-Solistinnen Annika Schmidt und Regine Freitag. Nicht immer reagierten die Instrumentalisten sofort auf die Zeichen von Stefan Kordes. Und leider war die Oboe da caccia im ersten Orchester nicht immer so sauber, wie man sich das von professionellen Spezialisten wünscht. Insgesamt hätte man sich von dem Orchester mehr Empathie gewünscht. Insbesondere die Continuo-Gruppe ist nicht besonders auf die Interpretation von Clemens Löschmann eingegangen.

Stefan Kordes, Clemens Löschmann, die übrigen Solisten und natürlich der Chor sorgten aber für eine sehr bewegende Aufführung (am Samstag) in der nicht ganz ausverkauften Jacobikirche.

Der nächste kirchenmusikalische Termin in der Jacobikirche ist am Karfreitag, den 18. April um 15 Uhr in der „Andacht zur Todesstunde Jesu“. Dann singt der Kammerchor St. Jacobi von Heinrich Schütz „Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“ sowie die Motette „Das ist je gewißlich wahr“.

Letzte Änderung am Montag, 26 Juni 2017 14:07

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