Willkommen!
Um alle Funktionen zu nutzen, loggen Sie sich bitte ein.
Passwort vergessen?
Registrieren Sie sich hier neu

Warnung

JUser: :_load: Fehler beim Laden des Benutzers mit der ID: 960

Montag, 07 Juli 2014 13:01

Mit Pauken und Trompeten

geschrieben von
Die Kantorei St. Jacobi Die Kantorei St. Jacobi Quelle: Jacobikantorei

Klanggewaltige Psalmen und Tänze in St. Jacobi

Am Sonntagabend präsentierten die Kantorei St. Jacobi und das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) unter der Leitung von Stefan Kordes Werke von Komponisten, die alle eins gemeinsam hatten: Einen abenteuerlichen, sehr bewegten Lebensweg. Das zweistündige Programm spiegelte einige Lebensstationen der Künstler effektvoll wieder und bot im Zusammenspiel von Chor und Instrumentalisten (vielfältig besetzt mit Orgel, Celesta, Klavier, Altsaxophon, Harfen und reichhaltigem Schlagwerk) den Zuhörern der knapp halbvollen Jacobikirche einen klanggewaltigen Abend.

Zwei Psalmvertonungen von Alexander Zemlinsky rahmten das Konzert: Psalm 13 (Herr, wie lange willst du mein vergessen), geschrieben 1935 – zwei Jahre zuvor war Zemlinsky aus Furcht vor nationalsozialistischer Verfolgung nach Österreich geflüchtet, auch von hier wurde er später vertrieben. Text und Vertonung des Psalms bringen seine Verzweiflung greifbar zum Vorschein, die effektvolle, spannungsgeladene Komposition erinnert an Filmmusik, es scheint als hätte Zemlinsky mit der strahlenden Bombastik gegen seine Angst ankomponiert.

Der zum Abschluss des Konzerts erklingende Psalm 23 (Der Herr ist mein Hirte) von 1910 beginnt hingegen schlanker, steigert sich dann aber ebenso phänomenal, bevor die „grüne Aue“ als leichte Sommerwiese, klein instrumentiert mit Streicher-Pizzicati, Harfenklängen, Triangel und weiterem klingenden Schlagwerk, überraschend heiter und unspektakulär ausklingt. Diesen Psalm hatte Zemlinsky in einer Zeit erfolgreicher Etablierung als Dirigent erarbeitet.

Leider agierte das Orchester in diesen Werken meistens zu laut für den Chor, dessen Einsätze man als Zuhörer manchmal kaum mitbekam. Obwohl der Chor vor allem die Abschlusskonsonanten extrem artikulierte, war daher auch vom Text Zemlinskys wenig zu verstehen.

Letzteres war allerdings zu verschmerzen, da Zemlinsky seine Empfindungen ja mehr oder weniger auskomponiert hat. So bestrahlten bei beiden Psalmen nach effektvollen Generalpausen gesetzte, gleichzeitige Einsätze von Chor und Orgel den Kirchenraum mit Hoffnung und Zuversicht. Der Emotionalität solcher mitreißend aufgeführter Stellen konnte man sich nicht entziehen.

Angesichts so viel vertonten Gefühls kann man sich kaum vorstellen, dass Zemlinsky eine lebenslange Freundschaft mit Arnold Schönberg verband und beide auf Sergej Rachmaninoff als „letzten Romantiker“ herab sahen. Dessen Vorliebe für schwelgerische Themen, vor allem aus seinen Klavierkonzerten bekannt, brachte das GSO in den Sinfonischen Tänzen von 1940 zu Gehör – dem letzten vollendeten Werk des Komponisten, geschrieben im Exil in den USA. Rachmaninoff bezeichnete diese dreisätzige Komposition, in der er mehrere Stationen seines Lebens und Schaffens verarbeitet, als sein bestes Werk. Den ersten Satz durchzieht ein mitreißendes Thema aus absteigenden Dreiklängen – vielen vermutlich aus der Fernsehserie Quarks & Co bekannt – welches in einer langen, solistischen Passage von den Holzbläsern variiert wird. Sind die schwelgerischen Themen im ersten Satz noch lang und als solche gut mitzuverfolgen, sperren sich dieselben des zweiten und dritten Satzes der Eingängigkeit und gehen in keine eindeutige Richtung mehr. Hier war auch die Kirchenakustik von großem Nachteil: Durch abrupte Wechsel in der Lautstärke gingen vielfach eingebauten Solostellen verschiedener Instrumentalisten im Nachhall unter – schade um die Details.

Die romantische Stimmungsmalerei endete in gewaltigem musikalischem Donner. Nach der Pause ging es mit sonnigem Mendelssohn weiter: Psalm 95 („Kommt, lasst uns anbeten“), komponiert 1838, ist ein Chorwerk ohne reinen Chorsatz – zwei Soprane (Charlotte Diekmann und Anna Gann) und ein Tenor (Andreas Fischer) sangen im stetigen Wechsel mit der Kantorei. Die Sing- und Spielfreude war groß, besonders im zweiten Satz, übrigens passend zum Text („Kommet herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken und jauchzen dem Hort unsers Heils“).

In der Mitte der zweiten Konzerthälfte spielte das GSO die Polowetzer Tänze von Alexander Borodin – ein wunderbar schwingendes, kontrastreiches Stück voller Orientalismen, in welchem die Instrumentalisten akrobatisch von einer Emotion in die andere sprangen. Viele der rhythmisch anspruchsvollen Stellen dürften vor der nächsten Aufführung allerdings nochmal geübt werden.

Letzte Änderung am Mittwoch, 30 März 2016 15:09

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.