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Freitag, 01 August 2014 19:45

Kabarett als Form einer Kritik

geschrieben von

Mit Django Asül im Deutschen Theater begann am gestrigen Abend der Göttinger Kultursommer.

Dort stellte er einem mehrheitlichen Ü-40er Publikum sein neues Programm Paradigma vor. Paradigma komme aus dem Griechischen und meine die Sicht auf die Welt. Diese Sicht auf die Welt präsentiert er dem Göttinger Publikum mit bayrischem, mal deutsch-türkischem Slang und  gekonnter, teils trockener Ironie. So erklärt er dem Publikum, wie harmonisch doch das Verhältnis der amerikanischen und deutschen Regierung sei und sich letztlich nur die Medien seit dem NSA-Skandal darum bemüht hätten, dieses Verhältnis als nicht harmonisch darzustellen.

Weitere Themen des Abends waren die deutsche Innenpolitik, das „mondäne“ Städtchen Göttingen und das Problem, vom einen Tag auf den anderen Deutscher zu werden, wie Django Asül es selbst erleben musste. Mit gekonnten Pointen und Zuspitzungen macht er deutlich, dass die derzeitigen politischen Skandale, vom Berliner Flughafen bis zu Seehofers Strategie im bayrischen Landtagswahlkampf tatsächlich nur Sache der jeweiligen Sichtweise, des Paradigmas sind. Und die Django-Asül-Sichtweise zeigt in Form eines Kabarettabends mit großer Sensibilität die Skurrilitäten  des politischen und medialen Alltags auf. Dass es beim politischen Kabarett nicht nur darum geht, dem Publikum ein Fließband von Witzen und Lachern, sondern auch durch teils derbe Polemik die politischen Sachverhalte zu präsentieren, zeigt Django Asül humorvoll wie eindrücklich. Nicht umsonst empfiehlt er SchülerInnen und Studierenden selbstsicher seine Autogrammstunde im Anschluss wahrzunehmen, da mit einem Django Asül Autogramm mindestens eine Woche Schulfrei drin sein müsse.

Schon während des ersten Teils und nach der Pause wurde schnell deutlich, dass nicht alle Teile des Göttinger Publikums den Humor oder das Wissen eines Django Asüls teilen. Es wurde gen Ende des ersten Teils zusehends ruhiger im Saal und ein lautes Lachen war nur noch selten zu hören. Während der Pause bekundeten einige Besuchende in „belauschten“ Gesprächen ihr Unverständnis für die Witze und bemängelten, dass man die ganzen Anspielungen gar nicht verstehen könne und dass das ja gar nicht so witzig sei... Was auch immer das Publikum von einem Kabarettabend erwartet, Django Asül zeigte mit seinem politischen und gesellschaftskritischem Programm, dass Kabarett zwar mit der Konkurrenz von der Verblödungsmaschinerie Comedy und ihren Lichtgestalten wie Cindy aus Marzahn und Mario Barth  zu kämpfen hat; doch ist Kabarett und erst recht politisches als Form einer Kritik, die sich direkt auf einen Diskurs bezieht – beispielsweise der der deutschen Innenpolitik – nicht voraussetzungslos und schon gar nicht als pure Unterhaltung ein Selbstzweck des Witzemachens.

Letzte Änderung am Mittwoch, 30 März 2016 14:57

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