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Montag, 04 August 2014 10:49

Wenn schon Diesseits, dann Göttingen!

geschrieben von
Wiebke Eymess und Friedolin Müller Wiebke Eymess und Friedolin Müller © Wortmann

„Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“ – das Lied gab es erst als Zugabe. „Gibt es in Göttingen einen Puff?“ fragt Friedolin, beantwortet die Frage aber gleich selber: „Natürlich einen Akademikerpuff, da kommen die Männer immer eine Viertelstunde zu spät.“ Das Lied handelt von einer „Bordsteinschwalbe“, erläutert Wiebke.

Wiebke und Friedolin sind auf der Bühne und im realen Leben ein Paar. Auf der Bühne frotzeln sie sich dermaßen gegenseitig an, dass einem beinahe das Lachen im Halse stecken bleibt. Und dennoch ist gerade dies ein gutes Stück der Qualität der beiden, die mit ihrem neuen Programm „Paradiesseits“ zu Gast im Alten Rathaus waren. Immer nehmen sie sich nur selber auf’s Korn, nie die anderen. Oder kaum. Denn schnell merkt jeder im gut gefüllten Saal: Gemeint ist eigentlich jeder. Die Sprüche, die Streitereien, die Allgemeinplätze – sie sind allgegenwärtig im Alltag. „Wenn wir eine Spülmaschine hätten, könnten wir uns wunderbar darüber streiten. Du bist der Mann, der immer das Geschirr falsch einräumt.“

„Paradiesseits“ – es geht immer um das Paradies, um Adam und Eva („Hatten die eigentlich einen Bauchnabel?“), und um das Diesseits. „Wenn schon Diesseits, dann Göttingen!“ Die Sehnsucht nach dem Leben im Paradies („Lass uns auf’s Land ziehen!“) zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm.

Gebettet sind die Themen in aberwitzige Dialoge und in Lieder. „Ich möchte einen reichen Mann haben. So wie den Typen, der so heißt wie das Buch.“ Erst Minuten später wird klar: sie mein Marc Zauberberg, den Gründer von Facebook – der natürlich Zuckerberg heißt.

Die Dialoge bleiben nicht an der Oberfläche. Noch nicht einmal, als es schlüpfrig wird („Lass uns mal eine Intimrasur versuchen.“) Und immer, wenn ein Punkt, ein Wechsel kommen muss, kommt ein Lied. Hier zeigen sich die weitern Qualitäten des Duos „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie“: musikalisch vielseitig begabt und bei den Texten immer den richtigen Ton treffend.

„Mann und Frau passen einfach nicht zusammen“, sagte einst Loriot. Dieses ideale Paar mit Wiebke Eymess und Friedolin Müller münzten es um und erkannten: „Gut und Mensch passen nicht zusammen“. Beiden ist der Gutmensch eher suspekt, das ist den ganzen Abend über zu spüren. Das wird ihrer kleinen Tochter sicher gut tun. Sie wurde immer wieder erwähnt – obwohl „das Konzept Kind längst überholt ist“.

Das Göttinger Publikum dankte mit langem Applaus und entließ die beiden erst nach einigen Zugaben.

Letzte Änderung am Mittwoch, 30 März 2016 14:56

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