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Sonntag, 10 Mai 2015 20:55

Herausragende Aufführung

geschrieben von
Rudolf Mauersberger (1889-1971) Rudolf Mauersberger (1889-1971)

Dresdner Requiem mit der Jacobikantorei

Atmosphärisch dicht – so lässt sich am besten die Aufführung von Rudolf Mauersbergers Dresdner Requiem am Samstagabend in der St. Jacobikirche beschreiben. Enthusiastischere Beschreibungen, die für die ausgezeichnete Aufführungsqualität bei einem anderen Stück sicher leicht aus der Feder geflossen wären, verbieten sich bei diesem Aufführungsanlass und diesem Stück. Überhaupt - der Anlass:  Der 70. Jahrestag des Kriegsendes. Dieses wurde von Mauersberger, damals Kreuzkantor  in Dresden, ebenso wie die vorangegangene Zerstörung der Stadt direkt miterlebt. Seine Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“, die bereits am 4. August 1945 in den Ruinen der Kreuzkirche uraufgeführt wurde, wurde auch im Göttinger Konzert dem Requiem vorangestellt – wie es der Dresdner Aufführungstradition entspricht. Stefan Kordes hatte die Kantorei St. Jacobi als Hauptchor und den Kammerchor, der den Part des Fernchores und den Altarchor übernommen hatte, bestens vorbereitet. Die räumlich weite Entfernung der drei Gruppen und der Instrumentalisten, neben Mathias Herbst, Orgel, und Miriam Puls, Célesta,  auch Mitglieder – insbesondere Blechbläser - des Göttinger Symphonie Orchesters, führte an keiner Stelle der Aufführung zu rhythmischen Unstimmigkeiten. Hier ist auch Arne zur Nieden zu nennen, der die Leitung des Fernchores auf der Orgelempore übernommen hatte und für Präzision und harmonisches Einfügen ins Gesamtgeschehen stand.

Für die Zuhörenden entwickelte sich auf diese Weise ein Klangerlebnis, das eindrücklich die Texte kommentierte und in Zusammenhang brachte, so wie es vom Komponisten durch die Textauswahl aus Bibeltexten und Gesangbuchliedern und durch die Rollenzuordnung vorgesehen war: Der  Hauptchor stand insbesondere für den Bezug zur Jetztzeit und zur Zerstörung Dresdens, vielfach formuliert durch eine Auswahl von alttestamentlichen Texten aus dem Buch Hiob und den Klageliedern. Dazu versinnbildlichte der Fernchor die Abgeschiedenen und spiegelte die Aussagen des Hauptchores. Der kleine Altarchor, dem auch solistische Aufgaben übertragen waren, übernahm vorwiegend die Evangelientexte. Wie Mauersberger es vorgesehen hatte, stand dieser Chor in Kurrendetracht zentral um einen kleinen Tischaltar mit Kreuz und Kerze. Hierdurch wurde das Requiem auch liturgisch verortet und entwickelte eine tiefe Aussagekraft, die von allen Mitwirkenden getragen wurde. Zwei Choralstrophen waren für den Gemeindegesang vorgesehen und mit Noten im Programmheft notiert, so dass in diesem Mittun alle Anwesenden – Chöre, Instrumentalisten und Zuhörer zu einer musikalischen Gemeinschaft zusammengeführt wurden.

Stefan Kordes ist zu danken, dass er den Anlass wahrgenommen und mit dieser Göttinger Erstaufführung ein Zeichen gesetzt hat. Zudem hat er durch die überaus geschickte Inszenierung  dafür gesorgt, dass dieses Requiem in einem liturgischen Rahmen stattfand und es konsequenterweise auch keinen Applaus gab – aber umso mehr eindrückliche Erinnerungen aller Anwesenden an eine herausragende Aufführung. Selten erlebt man Aufführungen, in denen Stück, Aufführungspraxis und Anlass so perfekt korrespondieren.

Letzte Änderung am Montag, 11 Mai 2015 06:50

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