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Mittwoch, 12 August 2015 08:57

Lachende Sterne mit rostigen Brunnen und der zähmende Wind im Weizenfeld

geschrieben von
August Zirner und Kai Struwe August Zirner und Kai Struwe Bildquelle: https://www.facebook.com/zirnerstruwederkleineprinz

Der Kleine Prinz im Alten Rathaus: Ein Klassiker wird neu komponiert und bleibt vertraut

Ein bisschen Wüstencharakter kann man am Abend des 09.August 2015 dem Inneren des Alten Rathauses schon zubilligen. Das passt gut, denn in eine Wüste sollen die Großen, die auch einmal Kinder waren und den Saal bis auf den letzten Sitzplatz füllen, musikalisch-leserisch entführt werden. Honigfarben soll sie sein, die Wüste, und strahlend. „ Es macht die Wüste schön“, sagte der kleine Prinz, „dass sie irgendwo einen Brunnen birgt.“

August Zirner und Kai Struwe auf der Bühne mit Querflöte, Kontrabass und ehrlich-vertrauter Geschichtenerzählerstimme, sowie Karl-Heinz Käs hinter den Kulissen am Bildmaterial, bringen ein komponiertes Buch zu Gehör und vors Auge. Ohne Bilder funktioniert „Der kleine Prinz“ einfach nicht. Aber mit Musik funktioniert er gut.

Nicht zum ersten mal arbeiten Zirner und Struwe zusammen, die mit zwei so gegensätzlichen Instrumenten das berühmteste Werk Antoine de Saint-Exupérys auf einer zusäzlichen Ebene ausmalen. Zusammen haben sie diese märchen-sphärische Musik komponiert, zusammen ergänzen sie sich in diesem Dialog zwischen den beiden Instrumenten, jeder den anderen begleitend, mit wenigen Themen, die sich sacht ans geschriebene Wort anlehnen. Dazu August Zirners minimal-szenische Lesung, bei der er zwischen dem erzählenden Piloten und dem passionierten Flötisten wechselt. Der abgestürzte Pilot, der sich wieder an die Wirkung der Erwachsenen auf ihn als Kind erinnert und dabei nun selbst der Erwachsene ist, der nicht versteht, was ihm nicht erklärt wird. Und mittendrin ist auch der kleine Prinz selbst zu hören: immer wenn er lacht, lassen Struwe und Zirner die Chimes – eine Art Röhrenglockenspiel – erklingen. „Es wird sein, als hätte ich dir statt der Sterne eine Menge kleiner Schellen geschenkt, die lachen können...“

Dieser kleine Prinz, der nicht nur einen Fuchs, sondern einen ganzen Planeten gezähmt hat. Mit dieser Erzählung, die auch im Oeuvre de Saint-Exupérys eine Ausnahme darstellt, hat er den Laternenanzünder über Banker und Staatsoberhäupter gestellt, die Schönheit über die reine Nützlichkeit, soziale Beziehungen jedweder Art über den objektiv ermessbaren Wert der Dinge, und Kindern den klareren Blick im Vergleich mit „den Großen“ zugestanden. Antoine de Saint-Exupéry selbst war zum Zeitpunkt als der Prinz entstand bereits einige Jahre kriegserfahren. Und wahrscheinlich auch kriegsmüde; lediglich die Liebe zur Fliegerei und die dortigen entsprechenden Möglichkeiten ließen ihn immer wieder zur Luftwaffe zurückkehren. Man kann nun in der Einführung der Lesung einen Bezug zur aktuellen Flüchtlingswelle herstellen, und damit Menschlichkeit predigen, und Freundschaft, über die Grenzen des Gewohnten hinaus. Doch ich vermute, in diesen Dimensionen wird der entwaffnende weizenblonde Asteroidenbewohner eindimensional und wortkarg. Vielleicht halten die Künstler die Darbietung deshalb auch so schnörkellos; schwierig genug, mit allem, was in dieses kleine Kerlchen hineingedeutet wird, nicht pathetisch zu werden. So bleibt der Prinz in dieser Konzertlesung größtenteils ungebunden an Wichtigkeiten der Erwachsenen, in seiner kleinen Welt mit einer eitlen Rose und 43 Sonnenaufgängen an einem Tag. „Bevor die Affenbrotbäume groß werden, fangen sie ja erst damit an, klein zu sein.“

Für alle, die nicht genug von diesem einen Abend hatten und nicht selbst lesen, sondern vorgelesen bekommen wollen, gibt es das Werk auch auf CD zu kaufen. Oder, wem der Sinn nach etwas anderem steht, der kann weitere Kultursommerereignisse besuchen, wie „Once in a blue moon – eine musikalische Mondreise“ mit Christiane Eiben, Markus Gahlen, Sandie Wollasch und Matthias Hautsch am 16. August oder dem Kabarettprogramm „Der Abstandhalter“ von und mit Erwin Grosche am 22. August oder der kabarettistischen Musik in „Volumen 8“ von und mit Pigor und Eichhorn oder die Göttinger Theater-Tage am 05.&06. September im Deutschen Theater.

Letzte Änderung am Mittwoch, 30 März 2016 11:45

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