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Mittwoch, 09 September 2015 18:14

Curry rettet die Schwermütigen

geschrieben von
Jaap Achterberg war zu Gast im Deutschen Theater Jaap Achterberg war zu Gast im Deutschen Theater © Ona Pinkus

Jaap Achterberg erzählt Uwe Timms Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“

Auch der Erzähler ist hin und weg. Gerade hat er sich daran erinnert, wie sich auf seiner Zunge ein paradiesischer Garten öffnete. Damals in Hamburg, am Imbissstand von Lena Brücker, als sie ihm seine erste Currywurst servierte.

Dass das Currypulver auch heilsame Wirkung hat, wird sie ihm später noch erklären und dass der Streit um die Entdeckung der Currywurst eindeutig in Hamburg entschieden wurde und nicht etwa in Berlin, wo man angeblich erstmals Wurstscheiben mit Tomatensauce und Currypulver veredelt hat. Lena wohnt längst im Altersheim, als sie ihn schließlich neugierig auf die wahre Geschichte macht. Doch erstmal lässt sie sich ihre Erinnerungen mit reichlich Sahnetorte versüßen.

Die Miene der alten Dame scheint sich in Joop Achterbergs Gesicht zu spiegeln, wie sie jetzt ihren Besucher ein bisschen auf die Schippe nimmt. Der Schauspieler kontert mit geduldigem Minenspiel. Also erst mal ein Stück Schwarzwälder Kirsch, gefolgt von Sacher- und Herrentorte, bis Uwe Timms Novelle einen Zeitsprung macht, zurück in die letzten Tage des 2. Weltkrieges, mitten hinein in eine Liebesgeschichte.

Schon wenn Joop Achterberg die Begegnung Lenas mit dem jungen Soldaten Hermann schildert, wie sie die Lauschangriffe des Blockwartes abwehrte und ihrem Liebhaber das Kriegsende einfach verschweigt, gesellen sich die Bilder einer Wohnküche hinzu, in der eine Frau ihr Glück für ein paar Tage einfach genießt. Es sind Bilder von berührender Nähe, die schon in der Stimme des Schauspielers anklingen. Liebevoll lauscht er in den Text hinein und scherzt auch gern mit Lenas trockenem Humor und ihrem Gespür für praktische Lösungen. Wie sie ihren Ehemann kurzerhand vor die Tür setzt, der es sich nach den Jahren der Kriegsgefangenschaft vor allem mit Bier und Pantoffeln bequem machen möchte. Und wie beherzt sie trotz miserabler Versorgungslage die Idee mit dem Imbissstand verfolgt und  sich mit den abenteuerlichsten Seilschaften auf dem Schwarzmarkt vertraut macht. Uwe Timms Novelle nimmt wunderbar überraschende und kuriose Wendungen, wenn Pelzmäntel und Whiskyreserven, diverse Meter Holz, Tomatensauce, Gewürzdosen und Würste ohne Darm den Besitzer wechseln, bis endlich die entscheidenden Zutaten in der Pfanne köcheln.

Man möchte Joop Achterberg gern noch viel länger zuhören und mit diesem wunderbaren Erzähler am liebsten gleich noch einmal in die Figuren und ihre Geschichten eintauchen und dabei dieses ideelle Curryaroma genießen.

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