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Montag, 23 November 2015 13:09

Verdi Requiem: Vertiefung der Gefühle und Stimmungen

geschrieben von
Verdi Requiem: Vertiefung der Gefühle und Stimmungen © Photo: Daniel Fuchs

Giuseppe Verdis Messa da Requiem in der St. Johanniskirche

Am Wochenende führten die Göttinger Stadtkantorei und das Göttinger Symphonie Orchester zusammen mit Tänzerinnen von Göttinger Schulen und des TanzZentrums Göttingen die Messa da Requiem von Guiseppe Verdi in der Johanniskirche auf.

Die Bühne der Tänzerinnen stand direkt vor dem Chor, dem Orchester und den Solisten und wurde vor Beginn mit kritischen Blicken betrachtet: Wie sehr wird der Fokus hierauf liegen, wird die Musik zu sehr in den Hintergrund geraten?

Schon nach den ersten Minuten war allerdings klar: es wird ein wunderbares Zusammenspiel. Die Tänzerinnen bildeten mit ihrer weiß-beigen Kleidung einen Kontrast zu Chor, Orchester und Solisten (unter der Leitung von Bernd Eberhardt) in schwarz. Mit trauernden, tröstenden Gesten und Bewegungen zu den sanften Anfangsklängen des Requiems führten sie gemeinsam in die Totenmesse ein.

Niemand stach heraus und stand durchgehend im Fokus. Der Blick und das Gehör konnten von einem Element der Aufführung zum Anderen wandern; sie schienen sich gegenseitig zu unterstützen. Es wirkte wie ein rundes Ganzes.

Die Göttinger Stadtkantorei beeindruckte durch einen vollen und harmonischen Gesamtklang. Zwei Stellen des Werkes seien beispielhaft hervorgehoben: das kraftvolle und mächtige Dies irae, das bis zum Schluss immer wieder aufgegriffen wurde, und die sehr bewegte und leicht wirkende acapella-Stelle zu Beginn des Libera me. Bernd Eberhardt gestaltete den Klang im Chor und Orchester sehr differenziert - von den feinen leisen Stellen, über die tragend bedrohlichen bis zu den lauten und mächtigen Stellen des Requiems.

Das Göttinger Symphonie Orchester folgte der Interpretation Eberhardts auch in den kleinen Details und trug so wesentlich zum Gelingen des Abends bei. Vor allem die Blechbläser beeindruckten durch ihr sehr exaktes und in der Dynamik variables Spiel, besonders im Dies irae, beim Tuba mirum auch mit den Ferntrompeten von der Orgelempore.

Mit Christine Wolff (Sopran), Anna Bineta Diouf (Mezzosopran), Johannes An (Tenor) und Jürgen Orelly (Bass) wirkten außerdem vier wunderbare Solisten mit. Christine Wolff überzeugte mit ihrem weichen und leichten Klang. Besonders ihr Solo im Libera me war beeindruckend: von Sprechgesang bis in die hohen Oktaven saßen die Töne perfekt und der gesprochene Schlussvers sorgte für Gänsehaut.
Anna Bineta Diouf glänzte mit ihrer warmen und vollen Stimme. Und im Duett ergänzten sich Wolff und Diouf sehr harmonisch. Das gilt auch für die Passagen, in denen die Solisten als Terzett oder Quartett sangen: hier passten sie ihre Klangfarbe einander an und verschmolzen so zu einer Einheit.

Nun braucht die Musik an sich nicht unbedingt den Tanz. Sie funktioniert auch ohne ihn. Allerdings sorgten die jungen Tänzerinnen (unter der Choreographin Ulrike Grell und der Unterstützung von Finja Knaak und Jan Hartling) für eine Vertiefung der Gefühle und Stimmungen, welche die Totenmesse nur umso beeindruckender machte. Das Ensemble, das aus erfahrenen und unerfahrenen Tänzerinnen bestand, wechselte zwischen kleinen Gruppen, Solo und Duett-Teilen, so dass die Darstellungen stets lebendig und abwechslungsreich blieben. Dies unterstützte auch die Lichtregie von Peter-Paul König.

So ganz schloss sich der Kreis jedoch nicht, das aber lag an Verdis Komposition. Die Erlösung und die ewige Ruhe, wie man sie im Requiem erbittet und erbetet, scheint noch nicht gewährt zu sein. Als Zuhörer befindet man sich am Ende weiterhin auf der Suche, als der Chor ein letztes „Libera me“ singt und die ganze Kirche für gefühlt mehrere Minuten in ein tiefes, fast andächtiges, aber doch erwartendes Schweigen hüllt. Erst langsam erwacht das Publikum aus dem Bann des Werkes, kehrt mit den Gedanken in die Welt der Lebenden zurück und spendet den erlösenden Applaus.

Letzte Änderung am Freitag, 11 Dezember 2015 12:24

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