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Montag, 23 November 2015 15:25

Entzückend!

geschrieben von
Ronny Thalmeyer und Felicitas Madl Ronny Thalmeyer und Felicitas Madl © Photo: Frank Stefan Kimmel

"Bleib doch zum Frühstück" im Deutschen Theater

Die Premiere des Stücks „Bleib doch zum Frühstück“, eine Komödie von Gene Stone und Ray Cooney unter Regie von Florian Eppinger, bot dem Publikum im Deutschen Theater wunderbar kurzweilige Abendunterhaltung im entspannten Rahmen des DT-X Kellers.

Als die junge, hochschwangere Türkin Leila aus ihrer WG fliegt, zieht sie kurzerhand bei Endvierziger Hans-Georg eine Etage tiefer ein und bringt sein geordnetes Leben gehörig durcheinander. Zwei Welten prallen aufeinander, der Kulturschock ist vorprogrammiert. Dabei werden natürlich alle Klischees bedient: Gefestigter aber verschrobener Beamter mit penibel geplantem Tagesablauf und tadellosen Manieren trifft auf unverschämte Türkin mit losem Mundwerk, akutem Geldmangel, eher unstetem Lebensstil und gänzlich fehlendem Sinn für Privatsphäre. „Türkenschlampe“ triff auf „notgeilen Rentnerwichser“, um es mit Leilas Worten zu sagen. Er ist korrekt, pünktlich und wirklich ein bisschen steif, sie sieht dem Leben ganz entspannt entgegen. Nur eben Spießer kann sie nicht ausstehen, „Vati, Mutti, Schatzi, Hundi, Audi – alles Scheiße“. „Entzückend“, kann Georg da nur immer wieder feststellen. Und als dann in der Nacht auch noch die Wehen einsetzen, geht das Chaos erst richtig los...

Trotz der humoristischen Grundnote, gibt es auch immer wieder ernste Zwischentöne. Denn letztendlich geht es auch hier um die großen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was ist Heimat? Was mache ich mit der Zeit, die mir gegeben ist? „Bleib doch zum Frühstück“ ist eine Komödie über die Zufälle des Lebens und die Kunst über den eigenen Schatten zu springen. Liebenswert und zum Schreien komisch. Selbst die Schauspieler können sich das Lachen manchmal nicht verkneifen.

Leider weist das Stück trotzdem ein paar kleinere Schwachpunkte auf. Einige Passagen haben durchaus ihre Längen und mancher Szene hätte es wohl gutgetan, wenn sie nicht ganz so gründlich ausgekostet worden wäre. Der dramatische Aufbau gleicht zudem einem Wellengang, mehrere Male hat der Zuschauer das Gefühl, den Höhepunkt des Stücks erreicht zu haben, obwohl das Spektakel noch lange nicht vorbei ist.

Dafür entschädigen jedoch die Schauspieler. Felicitas Madl (Leila Hamit), Ronny Thalmeyer (Hans-Georg Ralcke) und Frederik Schmid (als Nachbar Jimmy) bieten eine hervorragende Leistung. Besonders Ronny Thalmeyer als Hans-Georg spielt sich in die Herzen der Zuschauer. Mit großartiger Leichtigkeit verkörpert er, wie die korrekt funktionierende Beamtenmaschine zu einem lebensfrohen Mann aufblüht. Und nach einem etwas holprig wirkenden Start wachsen die Schauspieler auf der Bühne genau wie ihre Figuren zu einem richtigen Team zusammen und nähern sich auf wunderbar skurrile Weise einander an. Das Duo Madl-Thalmeyer entfaltet so ein großartiges Zusammenspiel, bei dem die bissigen Kommentare und trockenen Sticheleien nur so über die Bühne fliegen. Das Paar versprüht dabei unglaublich viel Spaß am Spiel, Charme und Sympathie. Und auch Frederik Schmid mimt in der Nebenrolle des Nachbarn den arroganten, selbstgefälligen Schnösel sehr überzeugend.

Insgesamt also wunderbare Unterhaltung: Teils bis ins Absurde gesteigerter Humor, manchmal mit ernstem Unterton, aber auch einfach urkomisch. Das Publikum war begeistert, der heitere Abend bleibt also in guter Erinnerung. „Entzückend“, würde Hans-Georg sagen.

Letzte Änderung am Freitag, 11 Dezember 2015 15:14

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