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Montag, 14 Dezember 2015 10:09

So tönt’s aus den Kehlen, so rauscht’s aus den Harfen der himmlischen Sänger

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Der Kammerchor St. Jacobi und die Jenaer Philharmonie unter Stefan Kordes Der Kammerchor St. Jacobi und die Jenaer Philharmonie unter Stefan Kordes © Photo: Wortmann

Joseph Eybler Weihnachtsoratorium in der Göttinger St. Jacobikirche

Wenn das Weihnachtsoratorium auf dem Programm steht, sind die Kirchen immer gut gefüllt. Das war in der Jacobikirche am Dritten Advent ebenfalls der Fall – obwohl der Komponist nicht Johann Sebastian Bach sondern Joseph Eybler hieß. Die Neugierde auf das Werk des Mozart-Zeitgenossen hatte zahlreiche Konzertbesucher in die Kirche gelockt. Und sie brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen.

Kantor Stefan Kordes hatte für seinen Kammerchor St. Jacobi noch zwei Werke zusätzlich auf den Programmzettel gepackt: die Choralkantate „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie die Weihnachtsouvertüre mit demselben Titel von Otto Nicolai. Es gibt nur selten Gelegenheiten, diese für Chor und großes Orchester komponierten Stücke aufzuführen.

Die Jenaer Philharmonie war in großer Stärke besetzt, da konnte sich der Klang besonders prachtvoll entfalten. Die gut 40 Sängerinnen und Sänger des Kammerchores hatten keine Mühe, sich klanglich durchzusetzen. Nur die Textverständlichkeit blieb manchmal auf der Strecke. Der Choral ist aber ja durchaus bekannt, dazu gab es noch das umfangreiche Programmheft.

Sowohl das Werk des noch jungen Mendelssohn als auch die Weihnachtsouvertüre versetzten das Publikum in adventlich-weihnachtliche Stimmung, um nach der Pause die Göttinger Erstaufführung des 1794 entstandenen Weihnachtsoratoriums „Die Hirten bei der Krippe zu Bethlehem“ zu hören.

Der Textdichter dieses fast opernhaften Oratoriums ist leider nicht überliefert. Hier spielen eine große Naturverbundenheit („Herauf, o Sonne, säume nicht, beflügle deinen Lauf“) und innige Gefühle („Sie nahen, wie tränet ihr Blick!“) die Hauptrollen. Zu hören ist auch dieser schöne Satz: „So tönt’s aus den Kehlen, so rauscht’s aus den Harfen der himmlischen Sänger.“ Wie passend!

Musikalisch ist die Nähe zu Mozart unverkennbar. Das trifft insbesondere auf die Arie „Er ist’s, Gott selbst in Fleisches Hülle“ zu. Die Sopranistin Anna Nesyba war hier die „Königin der Engel“ und setzte wahrlich Höhepunkte – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Auf der Opernbühne hätte sie definitiv Szenenapplaus bekommen.

Ihr zur Seite standen Barbara Bräckelmann mit ihrer schön timbrierten Altstimme, Manuel König mit seinem schlanken, mitunter etwas zurückhaltenden Tenor und Konstantin Heintel mit seiner warmen, kraftvollen Bassstimme.

Die Jenaer Philharmonie war mehr als nur ein musikalischer Partner. Sie folgten dem differenzierten Dirigat von Stefan Kordes zu jeder Zeit, nahmen sich zurück, wenn es nötig war, und konnten mehr als einmal eigene Akzente setzen. Das gilt vor allem für die erste Flöte, die am Ende zurecht ihren Sonderapplaus bekam. Das Orchester wurde ergänzt durch Arne zur Nieden an der Großen Orgel (Otto Nicolai) und an der Continuo-Orgel (Joseph Eybler).

Der Kammerchor St. Jacobi hatte im Oratorium nur vereinzelt Chorsätze zugewiesen bekommen. Diese gestaltete der Chor akkurat und ausgewogen in den einzelnen Stimmen. Auch war die Textverständlichkeit deutlich besser. Das lag aber auch am Orchester, das in diesen Fällen deutlich zurückhaltender erklang.

Das Weihnachtsoratorium von Joseph Leopold Eybler (1765-1846) wurde zur Zeit seiner Entstehung hoch gelobt. Das Werk war dann aber lange Zeit eher vergessen. Erst jüngst fand es - wie in dieser Aufführung zu hören war - zu Recht wieder Einzug in die Programme der Kirchenmusik. Ein großer Dank gilt Stefan Kordes, der dieses Juwel der Wiener Klassik für Göttingen entdeckte und zur Aufführung brachte.

Letzte Änderung am Montag, 14 Dezember 2015 10:23