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Dienstag, 16 Februar 2016 12:39

Beängstigende Aktualität

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Über 200 Mitwirkende bei Brittens "War Requiem" in der Göttinger Jacobikirche Über 200 Mitwirkende bei Brittens "War Requiem" in der Göttinger Jacobikirche © Photo: Wortmann

Aufführungen des "War Requiem" mit der Kantorei St. Jacobi

Das War Requiem von Benjamin Britten gehört zu den eindrücklichsten Oratorien des 20. Jahrhunderts. Das hängt nicht nur mit der Kraft der Musik zusammen, sondern auch mit der Geschichte der Entstehung und mit der Auswahl der Texte. Das Werk entstand zur Einweihung der neuen Kathedrale von Coventry, nachdem deutsche Bombenangriffe die St. Michaels-Kathedrale und die Stadt zerstört hatten. Es entstand ein großes musikalisches Mahnmal wider den Krieg. Als Textgrundlage diente zum einen für den Chor, Knabenchor und Solosopran der lateinische Requiem-Text. Daneben singen zwei Solisten Gedicht von Wilfried Owen, die die Schrecken des 1. Weltkrieges beschreiben und Verzweiflung, Ohnmacht, Angst und Hoffnungslosigkeit ausdrücken.

Stefan Kordes hat dieses monumentale Werk bereits im Jahr 2005 zur Aufführung gebracht. In diesem Jahr erinnert die Jacobikantorei an das Kriegsende des zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren. Die Ausstellung in der Kirche mit Bildern der alten Kathedrale, den Zerstörungen und dem Neubau zeigten auch optisch die Zusammenhänge auf. Die Botschaft des War Requiems ist greifbar – und die Aktualität in der momentanen Lage in der Welt beängstigend.

Die Konzerte waren nicht nur musikalisch beeindruckend. Auch das Aufgebot von über 200 Mitwirkenden war gewaltig. Wobei sich dadurch gewaltige Distanzen zwischen der Kantorei und ihrem Dirigenten ergaben. Diese Distanz machte sich auch akustisch bemerkbar. Der großbesetzte Chor konnte seinen Klang nicht immer voll entfalten, zu viel spielte sich vor den Sängerinnen und Sängern ab. Das war insofern schade, weil man im Publikum deutlich spüren konnte, mit welcher Intensität und Aufmerksamkeit die Choristen ihren Part gestalteten. Die Jacobikantorei war bestens vorbereitet, es waren lediglich einige Intonationstrübungen bei den Frauenstimmen zu verzeichnen.

Das auf zahlreichen Positionen aufgestockte Göttinger Symphonie Orchester war gut aufgelegt. Die Musikerinnen und Musiker glänzten in allen Stimmgruppen und folgten bereitwillig der Interpretation von Stefan Kordes. Dem Dirigenten war anzumerken, dass er eng vertraut mit der Partitur war. So konnte Kordes den Kontakt mit einzelnen Mitwirkenden suchen – und auch finden. Auf diese Weise konnte Stefan Kordes im Laufe des Konzertes immer wieder neue Impulse setzen.

Der Göttinger Knabenchor unter der Leitung von Michael Krause sang von der Empore aus, er wurde von Antonius Adamske an der Orgel begleitet. Bei dieser Platzierung in der Kirche muss betont werden, dass der Kontakt zum Hauptdirigenten hervorragend funktioniert hat. Musikalisch konnten die jungen Sänger mit ihren schlichten, sphärischen Klängen sowie lupenreiner Intonation der Knabenstimmen Glanzlichter setzen.

Die Sopranpartie hat Anna Dennis übernommen. Es ist bemerkenswert, wie Dennis sowohl lyrische Passagen innig gestalten als auch an anderen Stellen ohne jede Schwierigkeit sich gegenüber dem vollen Orchester behaupten konnte.

Clemens Löschmann (Tenor) und Andreas Scheibner (Bariton) waren es vorbehalten, die Lyrik von Wilfred Owen vorzutragen. Das gelang auch deshalb so gut, weil das 12köpfige Kammerorchester mit GSO-Musikern stets auf die beiden Solisten eingegangen ist. Ein wenig schade war nur, dass das Kammerorchester noch vor dem Symphonieorchester platziert war. Das erhöhte noch einmal die gewaltige Distanz zum Dirigenten. Aber das Publikum blickte den ganzen Abend auf diese Musiker, die große Teile des Requiems nicht zu spielen hatten.

Am Ende lässt Britten alle Ebenen ineinander fließen. Während die Solisten „Let us sleep now“ singen, beschließt der Chor den Abend mit „Requiescant in pace. Amen.“ (Sie mögen ruhen in Frieden. Amen.)

Die große Glocke von St. Jacobi bildete den würdigen Abschluss eines denkwürdigen Konzertes. Ein großer Dank gilt Stefan Kordes und der Jacobikantorei, dass dieses monumentale, aber äußerst emotionale Werk nach 2005 jetzt wieder zur Aufführung gebracht worden ist.

Diesen Dank äußerte auch das Publikum mit seinem lang anhaltenden Applaus.

Die nächsten Termine in der Jacobikirche und mit der Kantorei St. Jacobi finden Sie hier auf den Seiten des Kulturbüros und auf der Homepage der Kantorei www.jacobikantorei.de
Letzte Änderung am Dienstag, 01 März 2016 17:44

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