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Samstag, 11 Juni 2016 10:26

Märchen über die Menschheit

geschrieben von
Märchen über die Menschheit © Photo: Martin Schneider/Junges Theater

König Artus und die Ritter der Tafelrunde - Der JT Jugendclub erforscht die mittelalterliche Sagenwelt

Auch die mittelalterliche Sagenwelt ist geprägt von mörderischen Konflikten und von der Sehnsucht nach einem Ort, wo Herrscherwut und Waffengewalt keine Macht mehr haben. In diesem Sinne fasziniert die märchenhafte Vision von der Tafelrunde und der Suche nach dem heiligen Gral noch immer. Es ist schon ein gewaltiges Abenteuer, auf das sich der Jugendclub des Jungen Theaters in diesem Jahr eingelassen hat, mit all den ritterlichen und diabolischen Gestalten und dem rätselhaften Zauberer Merlin. Schwer hat es der Traum vom friedlichen Miteinander zwischen all den mörderischen Verwicklungen um Liebe und Ehre, Ruhm und Ritterlichkeit. Er wird ständig torpediert und dabei sind keineswegs immer nur die Bösen am Werk.

Schon Axel Theunes Bühnenbild weist auf das ewige Duell zwischen Gut und Böse, das sich eben nicht einfach mit zwei gegnerischen Fronten erklären lässt. Die szenischen Fantasien und Lesarten über „König Artus und die Ritter der Tafelrunde“ werden zunächst von zwei gegenüberliegenden Bühnen erkundet und mit einer Konfliktzone im Saal. Doch schon bald pendeln auch die Spieler zwischen den Seiten. Nachdenklich, mutig und couragiert kann es überall zugehen oder eben teuflisch und hinterlistig.

Den Artusstoff mit all den mythischen Figuren theatralisch zu bändigen ist schon ein Abenteuer, erst recht dann, wenn sich gleich 27 Darstellerinnen und Darsteller in ihre Figuren auch vertiefen möchten. Der Jugendclub unter der Leitung von Agnes Giese stellt wieder mal das größte Team unter den JT -Clubs und so wurden einige Rollen mehrfach besetzt. Das macht die Begegnung mit mehreren Merlins, zwei Artusgestalten und einem teuflischen Trio umso spannender, weil sie sowohl ihrer jugendlichen Seite gezeigt werden als auch dann, wenn ihnen die Veränderungen von Alter und Erfahrung zugesetzt haben. Dann wird die Hölle mit anderen Mitteln heraufbeschworen während sich die königlichen Visionen einer Tafelrunde von aufgeklärten, diskussionsbreiten Zeitgenossen mehr und mehr erschöpfen.

Die Erzählerin, die zu Beginn der Aufführung von einem „Märchen über die Menschheit“ berichtet, gibt damit bereits das Leitmotiv vor, auf das sich die jungen Theatermacher mit der mittelalterlichen Sage ihren Reim machen möchten. Sie deutet auf eine universelle Geschichte vom Suchen und Finden, nicht Finden und Fragen. Gefragt wird nun nach den Motiven eines Artus, der sich der Herrscherrolle eigentlich nicht gewachsen fühlt und erst recht nicht den Folgen eines Treuebruchs, wenn ihn sein bester Freund Ritter Lancelot mit seiner Gattin Ginevra betrügt. Gefunden wird eine ritterliche Gefolgschaft in Eifersüchteleien und Konkurrenzkämpfe verstrickt und dass Gerüchte und Intrigen jede noch so friedensstiftende Vision vergiften. Gefunden wird auch Sagenwelt, in der immer Jemand liegt auf der Lauer liegt, wenn sich irgendwo eine verwundbare Stelle zeigt und die Gerüchteküche für neue Mordgelüste angeheizt werden kann. Da ist mit Magie im Stil von Merlin nicht mehr viel zu finden und zu befragen, wenn das diabolische Trio immer ganz beglückt dazwischenfunkt und ein ungestümer Parzival die Gralsgesellschaft auch erst mal unsanft aufmischt.

So vergeblich die Gralssuche verläuft, so vergeblich verhallt auch der Ruf nach Vertrauen, der immer wieder gefragt ist. Es steht nicht gut um den immer wieder herauf beschworenen Glauben an eine bessere Menschheit, der zwischen wilden Debatten, liebevollen Umarmungen und wütenden Schwertstreichen zum Erliegen kommt. Die leise Stimme, die am Ende erneut zum Miteinander reden auffordert, blickt zwar auf viele verstummte Gestalten. Dennoch geht die Geschichte natürlich weiter, die die jungen Theatermacher im Sinn haben und mit großer Leidenschaft erzählen. Auf alle Fälle die vom Suchen, Finden, nicht Finden und dem erneuten Fragen nach Visionen.

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