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Samstag, 03 September 2016 13:02

Surround-Klang in der Jacobikirche

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Stefan Kordes dirigiert das bestens aufgelegte Göttinger Symphonie Orchester Stefan Kordes dirigiert das bestens aufgelegte Göttinger Symphonie Orchester Photos: © Wortmann

Ben van Oosten an der Orgel und das Göttinger Symphonie Orchester unter Stefan Kordes begeisterten im Festkonzert zum 50. Geburtstag der Orgel in St. Jacobi

Die große Orgel der Jacobikirche wurde vom Orgelbauer Paul Ott vor 50 Jahren erbaut und eingeweiht. Sie ist von Anfang an so geplant gewesen, dass auf ihr die romantische Orgelmusik besonders gut klingt. Daran hat sich auch durch die diversen Umbauten und Erweiterungen nichts geändert.

So lag es nahe, das Festkonzert zum 50. Geburtstags dieser Königin der Instrumente große französische Orgelromantik erklingen zu lassen. Und dann darf der „Vater der Orgelsymphonien“ Charles-Marie Widor nicht fehlen. Aus seiner 3. Ogelsymphonie e-Moll erklang das grandiose Finale. Kantor Stefan Kordes konnte nicht selbst am Spieltisch sitzen konnte, er hatte sich für die musikalische Leitung des Abends entschieden und dirigierte das bestens aufgelegte Göttinger Symphonie Orchester.

Als Organisten hatte er sich den bestmöglichen ausgewählt: Ben van Oosten hat sich eingehend mit der symphonischen französischen Orgelmusik beschäftigt. Von ihm liegt eine Monographie über Charles-Marie Widor vor – und natürlich auch diverse CD-Einspielungen des Holländers.

Dieses Finale zeigte sofort, welche großartigen Klangmöglichkeiten diese Orgel in Göttingen bietet. Van Oosten bot gleich alles auf, um dem starken Orchestertutti entsprechenden Klang entgegenzusetzen. Beeindruckend – und gewaltig. Zugleich ergab sich ein "Dolby-Surround-Klang" in der Jacobikirche: Orgel und Orchester waren (naturgemäß) weit voneinander platziert, die Musik kam also von allen Seiten. Das ergab einen aufregenden Raumklang.

Trotz dieses fulminanten Einstiegs kamen die Höhepunkte erst nach der Pause. Vorher spielte das Orchester noch die vierte Symphonie von Johannes Brahms. Wenn man in die Gesichter der Musiker während des Spielens geschaut hat, konnte man förmlich sehen, mit wieviel Freude und Emotion musiziert worden ist. Und hören konnte man das natürlich auch. Kordes ließ dem Orchester viele Freiheiten und führte sicher durch die Partitur. Hin und wieder wäre eine etwas differenzierte Dynamik wünschenswert gewesen. In der mitunter schwierigen Kirchenakustik ist dies aber kein ganz leichtes Unterfangen.

kordes vanoostenDer 1972 in den Niederlanden geborene Organist und Hochschullehrer Hayo Boerema widmete Ben van Oosten die Petite Suite pour Grand Orgue. Für viele Konzertbesucher war das der heimliche Höhepunkt des Abends. Denn hier zeigte van Oosten seine großartige Qualitäten. Die Musik Boeremas hatte vielfältige Facetten in sich, die van Oosten in Klänge und Klangfarben verwandelte. Es ist faszinierend, wie an einer Orgel über mehrere Minuten ein immer stärker werdendes Crescendo entwickelt werden kann.

Ebenso faszinierend war aber auch die Perfektion, wie in der abschließenden Symphonie für Orgel und Orchester Nr. 1 von Felix Alexandre Guilmant (1837-1911) die Orgel und das Orchester zusammenwirkten. Da ist zum einen die Präzision, die bei der großen Entfernung der beiden Klangkörper keineswegs selbstverständlich ist. Zum anderen aber sind es die dynamischen Feinheiten und die Klangfarben, die van Oosten und das Orchester sich gegenseitig abgenommen hatten.

Das Publikum in der sehr gut besuchten Jacobikirche bedankte sich mit anhaltendem Beifall. Das Konzert fand im Rahmen der 23. Internationalen Orgeltage St. Jacobi statt. Alle Termine dieser Konzertreihe finden Sie hier online im Kulturbüro Göttingen, weitere Informationen auf www.jacobikantorei.de
CDs mit Ben van Oosten können Sie hier bestellen.

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