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Mittwoch, 07 September 2016 08:57

Boeing Boeing und viel heiße Luft am ThOP

geschrieben von
Erkan Akcali als „Bernard",  Laura Apel als „Jacqueline“ und Jens Tödter als „Robert“ Erkan Akcali als „Bernard", Laura Apel als „Jacqueline“ und Jens Tödter als „Robert“ © Photo: Dirk Opitz

Noch gilt auch auf dem Campus die Sommerzeit. Ideale Bedingungen für das Thop, das in der vorlesungsfreien Zeit mit einer Sommerkomödie unterhält. Die Zutaten muten Personal bedingt luftig locker an. Außerdem wird reichlich getrickst, getürkt und improvisiert und es herrscht auch kein Mangel an überraschenden Wendungen.

„Boeing Boeing“ versteht sich als klare Ansage für die Komödie von Marc Camoletti, die einen möchte-gern Don Juan zwischen drei Frauen rotieren lässt, ohne dass es dabei zu Kollisionen. Die Damen sind allesamt Flugbegleiterinnen bei verschiedenen Airlines, so dass sich An- und Abwesenheit der jeweiligen Verlobten perfekt vorausberechnen lassen. Alles nur eine Frage des Timings stellt auch Bernards Freund Robert fest, als er das Beziehungsroulette bei einem Besuch in Paris erlebt und seine Bedenken bald über Bord schubst. Anders als Berthe, die Haushälterin dieses umtriebigen Charmebolzens, die sich um die Feinabstimmung bei den Kurzaufenthalten von Janet, Judith und Jacqueline kümmert und jetzt auf der ThOP-Bühne mal wieder verräterische Spuren beseitigen muss.

Das Timing Problem darf natürlich auf Dauer nicht ausbleiben, damit der Komödienmotor in der Inszenierung von Thomas Rühling auch auf Hochtouren kommt. Janet ist spät dran, Judith angeblich nur für zwei Stunden präsent und Jaqueline weicht ebenfalls von den Flugplanversprechungen ab. Nur gut, dass Bernards Appartement über ausreichend Zimmer- und Badfluchten verfügt, Berthe und Robert verräterische Zeugnisse rechtzeitig wieder verschwinden lassen und die Gefühlslagen der drei stop- and-go Kandidatinnen mit jeder Landung anders schwanken. Natürlich erwartet der Zuschauer, dass sie sich irgendwann einfach über den Weg laufen müssen und Erkan Akaci mit dieser Philosophie von der amourösen Leichtigkeit des Seins eine Bauchlandung macht. Zumindest ein Problem kann ihm Jens Tödter als verwandlungsfähiger ländlicher Biedermann abnehmen, indem er sich in Judith verliebt und Theresa Kraus auf seine Seite lockt. Auch Johanna Osterlohs Janet macht es dem rotierenden Auswegsucher leicht. Als Heiratskandidat kommt eh nur ein dollarschwerer Versorger in Frage und der meldet sich dann auch rechtzeitig für das Aufgebot. Das könnte jetzt Ende gut alles gut für Laura Apels Jacqueline bedeuten. Aber auch in diesem Fall trügt der Schein nachhaltig, so lange ausreichend liebesbedürftiges Flugpersonal in Orly landet.

In den 60er Jahren, als Camolettis Komödie mit Tony Curtis und Jerry Lewis auch zum Filmerfolg wurde, mag diese Form von Beziehungskarussell noch einen gewissen Charme versprüht haben. Doch was sich jetzt auf der ThOP Bühne an Klischees über das weibliche Flugpersonal ausbreiten darf, inklusive persönlichem und modischem Dresscode, ist ziemlich chauvinistisches Geplänkel und eher ein Fall für die Mottenkiste als für einen Theaterabend.

Die Darstellerinnen haben jede Menge Spaß daran, den vermeintlichen Traumprinzen mit Sehnsuchtsblicken zu verfolgen und bei den Heiratsplänen immer mal wieder nachzuhaken. Sie dürfen auch alles sein, was das Rollenklischee ihnen erlaubt, naiv oder zickig und auch mal ein bisschen planlos. Wäre da nicht Alina Halverscheid, die als Haushälterin Berthe dieses Aufgebot an dümmlichen Zuschreibungen immer wieder ironisch erdet, bliebe es bei einem Aufgebot an oberflächlichen Plattitüden, mit denen die Komödie dann auch auf die Ziellinie zusteuert. Die Herren der Schöpfung sichten bereits die nächste Kandidatinnenrunde und gern auch die mit exotischem Flair. Und das ist auch nicht besonders witzig.

Letzte Änderung am Mittwoch, 07 September 2016 09:00

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