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Dienstag, 22 November 2016 16:46

Bewegende Interpretation des Chores

geschrieben von
Andreas Scheibner, die Jenaer Philharmonie, die Kantorei St. Jacobi und Stefan Kordes Andreas Scheibner, die Jenaer Philharmonie, die Kantorei St. Jacobi und Stefan Kordes © Lippmann

Konzert zum Ewigkeitssonntag mit der Kantorei St. Jacobi, dem Bariton Andreas Scheibner, der Jenauer Philharmonie unter der Leitung von Stefan Kordes

Beim Konzert zum Ewigkeitssonntag am 20.11.16 war die St. Jacobi Kirche gut besucht. Und zurecht, denn mit seiner Zusammenstellung der Werke regte der Leiter der St. Jacobi Kantorei und Dirigent des Abends Stefan Kordes die Zuhörer zum Nachdenken, Vergleichen und Phantasieren an. Im Mittelpunkt des Programms standen Werke von Max Reger, die sich thematisch mit dem Tod oder dem Alter beschäftigen. Dabei waren die Stücke zu drei verschiedenen außermusikalischen Werken geschrieben: Arnold Böcklins Gemälde „Die Toteninsel“, Friedrich Hebbels Gedicht „Requiem“, sowie Böcklins Gemälde „Der geigende Eremit“ beziehungsweise Eichendorffs Gedicht „Der Einsiedler“.

Den beeindruckenden Beginn bildete „Die Toteninsel“ op.128/3 für Orchester. In diesem etwa 8minütigen Stück aus den „Vier Tondichtungen nach A. Böcklin“ gibt Reger unter anderem mit einer Dynamik vom pianissimo zum forte und zurück die Sogwirkung des Gemäldes wieder. Lang gehaltene Akkorde erinnern an den Klang einer Orgel. Im folgenden Stück „Der Einsiedler“ op. 144a für Bariton, fünfstimmigen Chor und Orchester , übernahm Andreas Scheibner das Solo. Scheibner konnte mit seinem vollen, warmen Bariton überzeugen.

Die Vertonung nach Böcklins Gemälde „Die Toteninsel“ für Großes Orchester an diesem Abend stammte von Sergei Rachmaninow. (Von Reger hätte es in seinem Zyklus ebenfalls eine Vertonung gegeben.) Rachmaninows Komposition wirkte düster, mystisch, geheimnisvoll, melancholisch und vor allem sehr dramatisch. Das Werk lässt Bilder vor dem inneren Auge entstehen und im Vergleich dazu wirkt Regers Komposition beinahe blass.

Nach der Pause ging es weiter mit Peter Cornelius' Vertonung des Hebbel-Requiem. Es ist für Chor A capella geschrieben. Die Jacobikantorei hat die durch den Text und die Komposition intendierte Einteilung durch eine differenzierte Gestaltung gut herausgearbeitet. Es beginnt zunächst einstimmig, entwickelt sich von dort zu tonaler Mehrstimmigkeit. Die Wiederholung der Zeilen „Seele, vergiß sie nicht,...“ dient hier als Einteilung des Stückes und Trennung der verschiedenen Teile und wurde stets sehr ruhig aber eindringlich gesungen. Der zweite Teil ist bewegter und es erklingen Dissonanzen. Die Zeile „und er jagt sie mit Ungestüm“ wirkt regelrecht bedrohlich und bildet den dynamischen Höhepunkt des Stückes. Der dritte und letzte Abschnitt ist wieder ruhig und mit einer letzten Aufforderung des lyrischen Ichs an sich selbst: „Seele, vergiß nicht die Toten!“ endet das Stück ruhig und harmonisch. Eine bewegende Interpretation des Chores.

Im „Der geigende Eremit“ op. 128/1 von Max Reger nach Arnold Böcklins gleichnamigem Gemälde, konnte die Jenaer Philharmonie ihr Können beweisen. Im Gemälde wie im Stück steht der Sologeiger im Vordergrund, während das Streichorchester mit Dämpfer spielt und so klanglich einen Kontrast bildet. Wie im Bild die Engel dem Eremiten, so lauschte das Publikum berührt der Melodie des Violinsolisten. Dabei ist die Musik lyrisch, melancholisch und auch tröstend.

Das Requiem op. 144b von Max Reger war das letzte Stück des Abends – und auch eines der letzten Kompositionen des Komponisten, dessen 100. Todesjahr in diesem Jahr gewürdigt wird. Das Requiem stellte einen hohen Anspruch an die Musiker im Chor, den Solisten und dem Orchester. Regers Komposition aus dem Jahr 1912 ist im Vergleich zum früher komponierten Werk von Cornelius (zwischen 1863 und 1872) facettenreicher und scheint mit der Harmonik seiner Zeit voraus zu sein. Die Kantorei setzte die extreme Dynamik und die plötzlichen Wechsel der Stimmung sehr gut um, so entstand ein fulminantes Finale.

Am Ende hielt Stefan Kordes nach dem Schlussakkord dem Ewigkeitssonntag angemessen die Spannung in der Kirche stehen, bis sich das Konzertpublikum umso ausgiebiger zu applaudieren.

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