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Freitag, 25 November 2016 10:53

Eine Männerfreundschaft unter erschwerten Bedingungen

geschrieben von
Ronny Thalmeyer, Gerd Zinck, Klaus Biella Ronny Thalmeyer, Gerd Zinck, Klaus Biella © Photo: Thomas Müller

Indien - Eine Tragikomödie von Josef Hader und Alfred Dorfer: Premiere im Deutschen Theater

Fellner hat beim Schnapseln verloren. Nach einer weiteren Testrunde durch die Niedersächsische Fremdenverkehrslandschaft sonnt sich sein Kollege Bösel im Kartenglück. Duschköpfe und rutschige Läufer sind bereits geprüft, auch das kulinarische Repertoire in ländlichen Herbergen und Hotels. Trival Pursit, das ist nicht so sein Ding und dann auch noch raten, mit wie vielen Zähnen sich so ein männlicher Buckelwal an Plankton verbeißt. An der Lieferzeit für das bestellte Schnitzel hatte Bösel schon lange genug herum gekaut und erst recht an all dem, was Fellner so alles an angelesenem Wissen hortet, um ihn in ein Gespräch zu verwickeln.

Bis sich Ronny Thalmeyer und Gerd Zinck auf ein freundschaftliches Kurt und Heinzi verständigen, kommt im DT-Keller so einiges auf den Tisch, was ihnen die beiden österreichischen Kabarettisten Josef Hader und Alfred Dörfler mit der Tragikomödie „Indien“ angerichtet haben. Fellner bemüht sich fortwährend um Gesprächsstoff. Auch über das Wetter könnte er stundenlang und höchst akkurat palavern, während sein Gegenüber sein Unbehagen mit Bier und Hochprozentigem herunter spült

In den beiden Reisenden hat sich eine Menge Frust und Zorn abgelagert, über das Leben im Alltäglichen und im Besonderen. Fellner überspielt das auch gerne ironisch und bringt damit seinen Tischnachbarn um so mehr auf die Palme. Der lässt jetzt endlich mal Dampf ab mit sexistischen Sprüchen über seine Frau und sein müdes Eheleben. Damit macht er in Benjamin Hilles Inszenierung zunächst wenig Sympathiepunkte, aber darin liegt auch der dieses tragikomischen Duells. Dass auch hinter der Fassade des vermeintlichen Stammtischgrantlers so ein verzagter Dünnhäuer lauert, der halt lieber pöbelt statt nett zu palavern und sich keiner von beiden gern verletzlich zeigt. Wann immer ihnen Klaus Biella als Wirt an Schnitzel und Bier, Fernet, Fanta und Schmalzbroten serviert. Es braucht seine Zeit, bis es zwischen den beiden ein bisschen vertrauter funkt, ganz leise natürlich und auch ganz vorsichtig. Freundschaftliche Vertrautheit ist ja doch ein sehr heikles Gebiet, das Ronny Thalmeyer und Gerd Zinck manchmal auch sehr forsch angehen, wenn sie sich weitere komödiantische Bälle um diese Männerfreundschaft unter erschwerten Bedingungen zuspielen.

Bei Fellner und Bösel schleicht sich nun auch endlich wieder Spaß am Leben ein, einfach aus dem Trott auszubrechen und mal kindisch über die Stränge zu schlagen. Nur leider unter erschwerten Bedingungen. Was soll man auch sonst tun mit einer Krebsdiagnose als sich für einen wilden Tanz in das Betttuch wickeln, endlich mal Klavier spielen und von den Erdbeeren naschen, die Bösels Frau immer brav einfriert. Vielleicht noch ein bisschen lästern, dass einem viele Zumutungen jetzt erspart bleiben und den Freund vom Weinen abhalten. Berührend sind diese Szenen, wenn dann noch das medizinische Zubehör durch die Gegen fliegt und Reisepläne geschmiedet werden. Die beiden wissen, was sie an ihrer Männerfreundschaft haben und das Publikum auch.

Die Premiere war am 20.11.2016, Weitere Vorstellungen am 29.11., 4.12., 6.12. und 11.12.2016. Weitere Termine folgen.

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