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Dienstag, 06 Dezember 2016 21:52

Engagierte Anteilnahme

geschrieben von
Franziska Lather, Peter Christoph Scholz, Karsten Zinser Franziska Lather, Peter Christoph Scholz, Karsten Zinser Dorothea Heise

Ziemlich beste Freunde - Der Filmerfolg auf der JT Bühne

Bei einer Talkshow lässt sich wunderbar mäkeln, lästern und diskutieren. Auch über einen Filmerfolg wie „Ziemlich beste Freunde“. Zum Beispiel über eine ziemlich rührselige Geschichte, weil sich der gelähmte Philippe und sein großmauliger Pfleger Driss gegen alle Vorurteile und Befindlichkeiten verständigen. Dass es dabei zu einem erfrischenden Culture Clash mit einem wohlhabenden Zeitgenossen und einem farbigen Underdog kommt, passt ähnlich wie das erfreuliche happy end in jede Klischee Schublade. Aber können neun Millionen Kinobesucher irren oder etwa die 45 Theater, die den Filmerfolg jetzt in der Bühnenfassung von Gunnar Dreßler auf den Spielplan setzen?

Am Jungen Theater wird zunächst mit möglichen Vorbehalten gespielt. Regisseur Axel Richter mochte den ebenso berührenden wie turbulenten Plot offenbar nicht unkommentiert auf die Bühne übertragen. Also rahmte er seine Inszenierung mit einem Talk Show Szenario und lässt das Schauspielteam Statements im Stil von Talk Gästen abgeben. Über einen Film, der mit viel Humor einen Traum erzählt, den wir alle träumen, über ein Disney Sozialmärchen und über die völlig harmlose Erzählweise für die Freundschaft zwischen einem Krüppel und einem Schwarzen. Doch dann torpedieren Linda Elsner, Agnes Giese, Franziska Lather, Jan Reinartz, Peter Christoph Scholz und Karsten Zinser die gesamte Wertungsliste. Die Inszenierung lässt sie einfach einsteigen in diesen launigen Schlagabtausch, den sich die Figuren liefern.

Einen Rest von Vorbehalt dass es sich hier um einen Theaterabend handelt und nicht etwa um ein realitätstaugliches Szenario, müssen die Regieanweisungen signalisieren, die zu jeder Szene mitgeliefert werden. Doch die vermögen kaum die berührende Wirkung zu schmälern, die sich an diesem Theaterabend immer wieder einstellt. Und das nicht nur in den Begegnungen zwischen Philippe und Driss, der stets wachsamen Assistentin Magalie und den wechselnden Zaungästen in dieser großbürgerlichen Pflegestation. Die Schauspieler wechseln immer wieder die Rollen und variieren so auch in den Nahaufnahme ihrer Figuren. Spannend zu beobachten ist das besonders bei diesem scheinbar unerschütterlichen Driss, der zum Beispiel bei Karsten Zinser vorwiegend frech und forsch erscheint und bei Linda Elsner therapeutisch praktisch. Bei Peter Christoph Scholz wird er zum einfühlsamen Sparringspartner, der diesem scheinbar abgeklärten Pflegefall so liebevoll wie ehrlich und pointiert zusetzt.

So ein Joint schafft genau die Atmosphäre, um ein paar Wahrheiten zuzulassen. Es ist eben schwer möglich, sich eine Kugel zu geben, wenn man bis zum Hals gelähmt ist. Und dann beschränkt sich der Sex auf die verbliebenen erogenen Zonen, auch wenn es jetzt die Ohrläppchen sind. Auch das Gefühlsleben will noch lange nicht verkümmern, selbst wenn es sich zurzeit noch auf eine Brieffreundschaft beschränkt. Auch Agnes Giese, Franziska Lather, Linda Elsner jonglieren zwischen diesen Momenten, in denen eine gleichbleibend miese Situation nur noch verbale Konter zulässt, mit Spott und Wut und Ironie. Aber gerade in diesen Szenen mit Peter Christoph Scholz und Jan Reinartz erübrigt sich die Debatte um Sozialmärchen und Kitschpanorama endgültig, weil hier zwei Schauspieler engagiert Anteil nehmen an der Geschichte um zwei scheinbar beste Freunde und dabei so berührend zwischen Tragik und Komik balancieren.

In der Talkshow Kulisse mit dem blauen Glitzervorhang geht dann auch mehr als eine Revue nach Filmmotiven über die Bühne, auch wenn die Szenen bis zum Schluss mit Regieanweisungen aufgerufen werden. Zum Finale ist dann allerdings noch ein abwägendes Statement fällig, sei es nun ironisch pointiert oder einfach selbstbewusst gemeint, weil sich eben nicht nur die Kinobesucher für „ziemlich beste Freunde“ begeistern, sondern auch die Theatermacher und mit ihnen das Publikum.

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