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Sonntag, 10 September 2017 18:25

Die Gretchenfrage

geschrieben von
Katharina Brehl überzeugt als Margarethe Katharina Brehl überzeugt als Margarethe © Photo: Dorothea Heise

Nach 60 Jahren erneut: "Urfaust" im Jungen Theater in der Inszenierung von Nico Dietrich

Auf der Bühne des Jungen Theaters sieht man vor allem Plastikkanister, nebeneinander, gestapelt. Im Hintergrund liegen Mülltüten. Ein großer Plastikvorhang dient als Bühnenelement zum Szenenwechsel. Und hier soll der Faust spielen? Dieses bedeutendste, meistzitierte Werk der deutschen Literatur – gespielt in einem Haufen Müll? Was soll das?

Dieser Frage geht Intendant Nico Dietrich mit seinem „Urfaust“ auf den Grund. Mit dem Bühnenbild lässt er Susanne Ruppert ein eher apokalyptisches Bild zeichnen. Wie passt das zum „Faust“? Das ist sicher eine der Gretchenfragen.

Vor 60 Jahren feierte das Junge Theater in einer Eisdiele in Göttingen seine erste Premiere mit dem Urfaust. (Damals als Mephisto: Horst Wattenberg) Was ist der Kern des Stückes 60 Jahre später? Die nächste Gretchenfrage.

Goethes „Urfaust“ ist der Sturm- und Drangzeit zuzuordnen. Das nimmt auch Dietrich auf. Er entwickelt ein dystopisches Drama daraus. Die Menschen leben auf den Resten der Zivilisation, nämlich zwischen den Müllbergen. Und sie suchen sich einen Weg aus der an sich ausweglosen Situation. Da kommt dem gelehrten Doktor Faustus der Mephisto gerade recht: mit ihm kann er vor allem sich selber retten. Also stürmen und drängen beide los, dass es eine Wonne ist. Vor allem Peter Christoph Grünberg kann als Mephisto überzeugen: mit immenser Spielfreude reißt er seinen Kollegen Karsten Zinser als Faust einfach mit. Der stolpert mehr oder weniger der Margarethe in die Arme, sieht und nutzt seine Chance und reißt das Gretchen ins Verderben.

Katharina Brehl als Gretchen ist die Entdeckung des Abends: in der Vorsaison noch als Gast auf der Bühne des Jungen Theaters (u.a. „Tschernobyl“, „Bezahlt wird nicht“) glänzt sie hier mit einer großen Rolle. Und macht daraus eine ganz große Rolle. Man nimmt ihr das fromme Mädchen ab, das seinem Verehrer die eigentliche „Gretchenfrage“ stellt: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Und genauso überzeugt sie als die verliebte junge Frau. Und ganz besonders überzeugte Brehl am Ende des Stückes, als sie dem Wahnsinn verfallen ist. Ganz großes Theater von der jungen Schauspielerin!
Zumal sich mit Gretchens Ende das düstere Bild vom Anfang bestätigt: alles geht zu Grunde, es gibt keine Sieger, nur Verlierer.

Zum Gelingen dieses Abends tragen auch Franziska Lather (Brandner, Marthe, Lieschen), Agnes Giese (Wagner, Siebel, Böser Geist), Ole Pampuch (Student, Frosch, Valentin) und Jan Reinartz (Erdgeist) bei.

Am Ende entwickelt sich Goethes Drama durchaus einem unterhaltsamen Bühnenstück – sehr angemessen zum 60. Geburtstag des Theaters. Schließlich war es in der Geschichte des Hauses keineswegs immer klar, dass es diesen Geburtstag überhaupt erleben kann.

Die nächsten Vorstellungen im Jungen Theater sind am 12., 22. und 30. September, jeweils um 20 Uhr.

Den kompletten Spielplan des Jungen Theaters finden Sie hier online im Kulturbüro Göttingen.

Letzte Änderung am Sonntag, 10 September 2017 18:31

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