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Freitag, 20 Oktober 2017 05:20

Von Zetteln und Lebenskünstlern

geschrieben von
Götz Lautenbach, Rolando Villazón und Joachim Dicks in der Basilika St. Cyriakus Duderstadt Götz Lautenbach, Rolando Villazón und Joachim Dicks in der Basilika St. Cyriakus Duderstadt © Photo: Hmida

Rolando Villazón zu Gast beim Göttinger Literaturherbst in Duderstadt

Als ich am vergangenen Mittwoch den Bus nach Duderstadt zu der Lesung „Lebenskünstler“ von Rolando Villazón bestieg, ahnte ich noch gar nicht, dass ich in irgendeiner Weise Teil einer sehr lustigen Aktion werden würde. Gerade kramte ich meine Ausgabe von dem Roman aus dem Rucksack hervor, da fragte ein Herr mich und eine weitere Mitfahrerin, ob wir ihm während der Fahrt beim Falten von Briefen helfen könnten. Peu à peu halfen wir also beim Falten der orangen, pinken sowie blauen Zettel. Es stellte sich danach heraus, dass dieser Herr vom Beruf Friseur ist und gerne seine Dienste in Duderstadt anbieten möchte.

Szenenwechsel. Eine Kirche mutet schon recht dramatisch an als Szenerie für die im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes organisierte Buchvorstellung. Von den drei schwarzen Sesseln vor dem Altar der Basilika St. Cyriakus nahm der mexikanische Tenor und Schriftsteller Rolando Villazón mittig seinen Platz ein. Links von ihm setzte sich Götz Lautenbach, der an diesem Abend Textstellen aus dem Werk vortrug, sowie auf der rechten Seite Joachim Dicks vom NDR, der durch den Abend führte.

Ein besonderer Fokus von „Lebenskünstler“ liegt auf dem Spiel und dieses beginnt bereits mit der Figur des Palindromus (Tomas ‚la Salsa‘ Mot). Dabei verläuft die Geschichte alles andere als linear, sondern in mehreren Kreisen, die sich schlussendlich zu einem großen zusammenfügen. Dieser Aspekt setzte sich aber auch bereits im Schreibprozess von Villazón fest. So schreibt er seine Ideen auf unterschiedlichen Zetteln nieder und puzzelt sie dann anschließend zusammen. Einmal, so der Autor, habe er einmal Notizen in einem Flugzeug liegen gelassen, was für ihn besonders ärgerlich war.

Beleuchtet werden in dem Roman aber auch die Schattenseiten der zwischenmenschlichen Interaktion. Sein Werk soll dabei aber nicht als Gesellschaftskritik verstanden werden, sondern lediglich als bloße Beobachtung. Aus diesem Grund liegt der Fokus von dem Roman genau auf diesem Verhalten und nicht auf Sprache oder Nationalität der Figuren. Dies einzufangen, gelang dann Götz Lautenbach beim Vorlesen von Textstellen. Dabei vermochte er es, den unterschiedlichen Figuren des Romans nicht nur eine entsprechende Stimme zu geben, sondern auch einen markanten Gestus. Gerade durch die akustischen Gegebenheiten der Kirche kam dieses Zusammenspiel besonders effektvoll zum Tragen.

Villazón zeigte an dem Abend stets einen ausgeprägten Sinn für Humor. Auf die Frage, ob er das Singen oder das Schreiben bevorzuge, antwortete er amüsiert: „Beides!“ Joachim Dicks fragte anschließend nach der Musikalität in dem Roman und hakte nach, ob Palindrome in musikalischer Form auch in der Struktur von „Lebenskünstler“ anzutreffen seien. Der Tenor fing daraufhin an zu lachen und meinte augenzwinkernd, dass das genau das sei, was er beabsichtigt habe. Die Diskussionen bestritt er auf Deutsch, wobei ihm so manches Wort aber dann doch entfiel, was dann in ein regelrechtes interaktives Spiel mit dem Publikum resultierte, das ihm entsprechende Worte zurief. „Wie war das Wort noch gleich für science?“ „Wissenschaft!“

Schließlich hatte der Herr aus dem Bus, dem ich zuvor noch beim Falten half, die Gelegenheit ins Mikrophon zu sprechen und machte dort nochmal auf die Briefe und sein Angebot in Duderstadt aufmerksam. Auch erwähnte er, wie sehr ihn Villazón dazu inspiriert hatte, woraufhin dieser begeistert anfing zu applaudieren. Am Ende kam es, dass der uns sogar eine Mitfahrgelegenheit nach Göttingen organisierte. Die Lesung sorgte dabei noch während der Autofahrt für angeregte Gespräche über den Stellenwert von Kultur. An dieser Stelle also ganz herzliche Grüße an Jan und Veronika!

Letzte Änderung am Freitag, 20 Oktober 2017 06:18

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