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Montag, 23 Oktober 2017 08:13

Literaturherbst: Denkanstösse für die Kultur

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Die Diskussionsrunde im Deutschen Theater Die Diskussionsrunde im Deutschen Theater © Bild: Göttinger Literaturherbst

Michael Naumann, Elke Schmitter und Regula Venske: Die neue Welt(un)Ordnung - Diskussion im Deutschen Theater

Am Sonntag wurde das Deutsche Theater Schauplatz einer Diskussion zum Thema „Die neue Welt(un)Ordnung“. Diese wurde im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes organisiert und hatte als Podiumsmitglieder Deutschlands ersten Kulturstaatsminister und Vorstand der Berliner Barenboim-Said-Akademie Michael Naumann, die SPIEGEL-Kulturchefin Elke Schmitter sowie Regula Venske, Vorstand der deutschen Sektion der PEN. In der knapp zweistündigen von Stephan Lohr moderierten Gesprächsrunde wurde über die Unübersichtlichkeit des Weltgeschehens sowie den Umgang der Künste mit ihr gesprochen.
So fest wie die Backsteinmauer, die als Hintergrund für die Diskussion diente, scheint die aktuelle politische Lage wohl nicht zu sein. In Anbetracht von Ereignissen wie der Flüchtlingskrise scheint es einen starken Trend zu einem Gefühl der Unordnung zu geben. Wo diese bereits begann, diente auch gleich als Einstiegsfrage für die Gesprächsrunde. Und bereits hier gingen die Meinungen sehr weit auseinander. Denn während Elke Schmitter die Wende um 1989 und die Ausbreitung der Informationstechnologie als besonderen Schlüsselmoment betrachtete, sah Regula Venske diesen sehr viel eher in den Essays von Montaigne und Shakespeares Rezeption mit dem berühmten Zitat in Hamlet: „Die Welt gerät aus den Fugen“.

Einig sind sich die Redner jedoch in der Rezeption von Nachrichten durch die Leserinnen und Leser. Denn während man früher eine Zeitung von vorne bis hinten las und die Aufnahme von Nachrichten somit für den Tag beendet war, geschieht dies heute nun auch unwillkürlich durch die fortschreitende Technologie. Auch kann nun jeder Teil dieser Maschinerie werden und gerade im Zuge der fake news und die daraus resultierende Verdrossenheit der Leser sieht Schmitter darin ihre Gefährlichkeit.

Michael Naumann bestand dann anschließend auf eine Definition des Begriffes „Ordnung“, woraufhin Stephan Lohr erklärte, dass er darin eine Einklagbarkeit von Normen sieht. Naumann nannte dann Beispiele aus seinem Umfeld, in denen er Unordnung wahrnimmt. So erzählte er von dem Bau seiner Musikakademie, die Studierende aus dem Nahen Osten zusammenführen soll, die jedoch mit starken bürokratischen Hürden verbunden war. Mit der Institution erhoffe er sich jedoch, dass unter diesen jungen Menschen Netzwerke entstehen, auf deren Basis sie neue Impulse in ihren Heimatländern vermitteln können. Schließlich machte Venske auf die Arbeit ihrer Organisation aufmerksam, die unter anderem ein Briefprojekt unterhält, in dem Postkarten an diejenigen Journalisten geschrieben werden können, die aufgrund ihrer Berichtserstattungen im Ausland Haftstrafen verbüßen müssen.

Auffallend war die angenehme Diskussionskultur, in der ein Punkt des Vorredners oder der Vorrednerin aufgegriffen und erweitert wurde. So viel Eintracht ist natürlich schön, aber im Zuge einer Diskussion wären vielleicht stärker kontrastierende Meinungen wünschenswert gewesen. Allerdings waren die Geschichten von konkreten Kulturinstitutionen und ihrem Umgang mit dieser „Welt(un)ordnung“ definitiv ein großer Gewinn an diesem Vormittag. Dass aus dieser Diskussion eine Lösung für die gefühlte Unordnung entspringt, war zwar ohnehin nicht zu erwarten, dennoch bot sie aber gute Denkanstöße.

Letzte Änderung am Donnerstag, 26 Oktober 2017 08:32

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