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Donnerstag, 23 November 2017 20:38

Hermann Amlung gestorben

geschrieben von
Hermann Amlung an der Orgel der Corvinuskirche Hermann Amlung an der Orgel der Corvinuskirche © Amlung

Am 19. November 2017 ist der Kirchenmusiker Hermann Amlung im Alter von 83 Jahren gestorben.

Das Kulturbüro Göttingen veröffentlicht noch einmal das Interview mit dem langjährigen Leiter der Göttinger Stadtkantorei und der Corvinuskantorei anlässlich seines 80. Geburtstages im Jahr 2014.

Frage: Wo war Ihre erste Stelle? Was gab es dort für Möglichkeiten?

Hermann Amlung: Bereits als 16jähriger bin ich regelmäßig aus dem Westerwald nach Düsseldorf gependelt, um bei Gerhard Schwarz Orgelunterricht zu bekommen. Das waren in der Nachkriegszeit natürlich abenteuerliche Umstände, auch was die Fahrten anging.
Schwarz war Direktor der Landeskirchenmusikschule in Düsseldorf. Das bot für mich im Laufe der Jahre vielfältige Möglichkeiten. Ich durfte Schwarz nicht nur schon früh als Organist vertreten, sondern hatte Zugang zu Noten und Schallplatten, die mir ein breites Spektrum der Kirchenmusik öffneten. Die Musik war ja damals nicht so verfügbar wie heute über YouTube. Als ich selber Organist und Chorleiter der Friedenskirche in Düsseldorf wurde, stand mir nur ein relativ kleiner Chor zur Verfügung. Die großen Chorwerke konnte ich aber dennoch aufführen: die Studenten von Gerhard Schwarz waren musikalisch begabt und interessiert, Schwarz selber wollte jedoch mit ihnen keine großen Werke aufführen. Seinen Chor der Kirchenmusikschule durfte ich bei meinen Konzerten einsetzen.
Damit standen mir plötzlich ganz neue Möglichkeiten offen: Mendelssohns „Elias“ war damals (wie die gesamte romantische Chormusik) überhaupt nicht populär und wurde nicht aufgeführt. Ich konnte mich daran wagen und war somit der Zeit ein klein wenig voraus.

Frage: Dieser „Entdeckergeist“ zieht sich ja durch die ganze Biographie. Strawinskys „Psalmensinfonie“, die Oratorien von Edward Elgar, „Das Buch mit sieben Siegeln“ von Franz Schmidt oder Penderecki „Psalmen Davids“ waren tatsächlich Pioniertaten. Worauf ist das zurückzuführen?

Hermann Amlung: Nun, damit war ich in Deutschland nicht der Einzige. Offenbar lag es in der Luft, solche Werke aufzuführen. Nur – man wusste ja nicht viel voneinander.
Mit meinem Wechsel 1971 nach Göttingen stand mir mit der Göttinger Stadtkantorei ein großer, leistungsstarker Chor zur Verfügung. Hier konnte ich die eben genannten Werke überhaupt erst aufführen. Zum Teil wurden diese Stücke erstmals durch einen Kirchenchor aufgeführt.

Frage: Was sticht denn aus den Aufführungen besonders hervor, welche sind besonders in Erinnerung geblieben?

Hermann Amlung: Mir lagen vor allem A-Capella-Werke für großen Chor am Herzen. Das sind zum Beispiel das „Vater unser“ von Max Reger, der „Passionsbericht des Matthäus“ von Ernst Pepping, das „Große Morgen- und Abendlob“ von Sergej Rachmaninow, die Psalmen von Giacomo Meyerbeer oder Otto Nicolai und natürlich die Psalmvertonungen von Felix Mendelssohn Bartholdy. Aber vor allem die „Deutsche Motette“ von Richard Strauß. Diese Werke habe ich alle mit dem großen Chor der Göttinger Stadtkantorei aufgeführt.

Frage: Und was fehlt in dieser Sammlung? Was hätten Sie gerne noch aufgeführt?

Hermann Amlung: Da bleibe ich bei Richard Strauß – die 16stimmige Chormotette „Hymne“ hätte ich gerne aufgeführt.

Frage: Ihr Nachfolger in St. Johannis darf sich jetzt vor allem mit der Innenrenovierung der Kirche beschäftigen. Wie hatten Sie die Möglichkeiten in dieser Kirche empfunden?

Hermann Amlung: Als ich 1971 nach Göttingen kam, lag die letzte Renovierung aus dem Jahr 1966 erst wenige Jahre zurück. Es war also alles noch ganz neu. Wir hatten auf der Orgelempore ein großes Chorgerüst, das dauerhaft aufgebaut war. Es war akustisch ein großer Vorteil, alle Oratorien von oben zu singen. Und dadurch, dass der Altarraum bestuhlt werden konnte, passten auch mehr Zuhörer in die Kirche.
Die vielen Gastkonzerte wie heute (das OGM oder auch andere Chöre) gab es damals nicht. Lediglich die Händel-Festspiele waren immer wieder Gast in der Johanniskirche. Und diese Konzerte wurden unten im Altarraum aufgeführt. Das gab irgendwann auch den Anstoß, auch die Konzerte der Stadtkantorei von dort aufzuführen.
Die jetzt anstehende Innenrenovierung beobachte ich übrigens als Gemeindemitglied, denn nach wie vor sind meine Frau und ich Gemeindemitglieder von St. Johannis.

Frage: Was ist denn am 27. Januar in der Corvinuskirche zu hören?

Hermann Amlung: Im Mittelpunkt steht die Spatzenmesse von Wolfgang Amadeus Mozart. Außerdem gibt es die „Litaniae de venerabili altaris Sacramento“ von Mozart zu hören, die ich vor einigen Jahren schon einmal aufgeführt habe.
Und dann dürfen (siehe oben) zwei Psalmvertonungen von Felix Mendelssohn Bartholdy nicht fehlen.
Vielen Dank für das Gespräch.

Letzte Änderung am Freitag, 24 November 2017 08:20

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Henrich Freitag, 24 November 2017 16:49 gepostet von Henrich

    Hallo Jens,

    vielen Dank für diesen schönen Nachruf. Durch Hermann sind wir Beide sehr geprägt worden und, wenn man es genau nimmt, auch erst zusammengekommen.

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