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Dienstag, 12 Dezember 2017 21:56

Grenzenlose Solidarität

geschrieben von
Grenzenlose Solidarität Photo: Kindler

Ebow und Sookee im Literarischen Zentrum

Nachdem Sookee bereits im November zu Gast in der Göttinger musa war, stattete sie am 10. Dezember mit ihrer Rapkollegin Ebow dem Literarischen Zentrum einen Besuch ab. Im Gespräch mit Charlotte Milsch, die eigentlich am Literarischen Salon in Hannover tätig ist, wurde an diesem Abend der Raum für Diskussion und Austausch geboten. Die musikalische Seite kam jedoch auch nicht zu kurz. Ebow und Sookee rappten beide jeweils drei Songs, deren Texte im Rahmen der Podiumsdiskussion besprochen wurden, wodurch eine gelungene Mischung aus Gespräch und Musik geschaffen wurde.

Beide Rapperinnen konnten bereits zu Beginn aus den Vollen schöpfen. Zum Thema der Stellung der Frau in der Musikindustrie wussten beide kluge Kritik anzubringen. Wie so viele andere Bereiche dieser Welt ist auch die Rapszene stark männlich geprägt. Frauen gelten hier oft als Kuriosität und haben damit zu kämpfen, belächelt, nicht ernst genommen und unterrepräsentiert zu werden. Diese Verhältnisse befinden sich jedoch im stetigen Wandel, was nicht zuletzt durch die zunehmende Präsenz emanzipatorischer Rapperinnen begünstigt wird. Viel Unterstützung erfahren Sookee und Ebow durch die Musikindustrie jedoch nicht. Ihre Musik rührt nicht von einem durchdachten Kalkül auf maximalen Profit her, sondern von dem Drang, gesellschaftskritischen Inhalten eine Stimme zu geben, um damit für mehr Bewusstheit über die Verfasstheit der Welt, in der wir alle leben, zu sorgen. Hierbei setzen sich beide keine Grenzen durch etwaigen Konkurrenzdruck, sondern streben die Ausübung von Offenheit und Solidarität an.

Die Rolle der Frau ist hierbei nur einer unter vielen Punkten, nach denen die mediale Landschaft versucht, Rapperinnen wie Sookee und Ebow in Schubladen zu stecken. Letztere wird auf Grund ihrer türkischen Abstammung ebenso häufig wie auf ihr Geschlecht auf ihre orientalische Herkunft reduziert. Für Ebow und Sookee ist es jedoch wichtig, sich von solchen Kategorisierungen zu lösen und den Fokus vielmehr auf die Musik selbst zu lenken. Hier zeigt sich dann auch die Größe der beiden Rapperinnen. Nachdem in der zunächst geführten Podiumsdiskussion ein paar grundlegende Ansichten ausgebreitet wurden, konnten die zwei ihre Positionen durch einige Songs noch untermauern. Sookee macht hierbei den Anfang und begeisterte das Publikum mit Songs wie Hüpfburg und Queere Tiere, in denen Kinder, die in rechten Strukturen aufwachsen und die geschlechtliche Vielfalt im Tierreich thematisiert werden. Textlich konnte Ebow das nur schwer überbieten, jedoch faszinierte sie am Mikro gleichermaßen durch ihre technische Versiertheit, die mit einigem Recht zum besten, was es in der hießigen Raplandschaft gibt, gezählt werden kann. Dunkle, treibende Beats trafen auf lyrische Wortspielereien, eingängige Hooks und wurden durch die klugen Texte, sowie ihren lockeren, und dennoch präzisen Flow, gekrönt. Besonders ihr Song Punani Power stand hierbei für Empowerment und Zusammenhalt.

Das zahlreiche, jedoch überwiegend junge Publikum, war durch die Bank weg begeistert. Etwas mehr Intergenerationalität wäre jedoch laut Sookee wünschenswert. Die angesprochenen Probleme betreffen schließlich nicht nur eine Generation, sondern alle. In diesem Sinne wurden dann auch einige letzte Worte gefunden. Sookee und Ebow wünschen sich mehr Solidarität im Rap und in der Gesellschaft allgemein. Sie betonten die Wichtigkeit von kritischem Austausch und Reflexion und warnten davor, sich von sozialen Filterblasen die Wahrnehmung der Welt diktieren zu lassen. Offenheit und gegenseitiger Support stehen bei beiden an oberster Stelle. In emanzipatorischer Eigenarbeit, fernab von Kommerzialisierung, leisten Menschen wie Ebow und Sookee damit einen wichtigen Beitrag für eine offene, demokratische Gesellschaft. Was die Vorstellung einer solchen Gesellschaft anbelangt, gibt es zumindest bei Sookee gravierende Abweichungen von der Demokratie merkelscher Prägung. In ihrem Song Queere Tiere spitzt sie die Frage nach der Akzeptanz von Homosexualität zu, indem sie ein Zitat aus einem Fernsehauftritt der Bundeskanzlerin verwendet. Diese kann dazu nicht mehr sagen, als dass sie sich damit schwertut. Von solchen Ausflüchten kann bei Sookee und Ebow nicht die Rede sein. Ihr Schaffen ist durchzogen von dem Gedanken, alle Lebensrealitäten zu respektieren und niemanden auf Grund welcher Kriterien auch immer auszugrenzen.

In Göttingen sind die beiden mit dieser Haltung jederzeit herzlich willkommen, was aus den zahlreichen vergangenen Auftritten in den verschiedenen Locations der Stadt ersichtlich wird.

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