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Dienstag, 30 Januar 2018 00:01

Rollenspiele

geschrieben von
Gitte Reppin, Volker Muthmann, Gaia Vogel, Marius Ahrendt Gitte Reppin, Volker Muthmann, Gaia Vogel, Marius Ahrendt © Photo: Birgit Hupfeld

Männer
Männer und Macht

Macht
Macht und Frauen 

Männer
Männer und Frauen

Männer und Macht und Frauen und eine Rose

Wie aktuell Lessings bürgerliches Trauerspiel Emilia Galotti ist, konnte das Premierenpublikum im Deutschen Theater erleben.

Der Regisseur Maik Priebe besetzte konsequent alle Männerrollen mit Frauen und vice versa und sorgte damit immer wieder für Irritationen im Publikum und neue Perspektiven auf die verschiedenen Rollen. Verlief zu Lessings Zeit das Machtgefälle zwischen Adel und Bürgertum, so sorgte dieser Kunstgriff dafür, die Geschlechterrollen in den Blick zu nehmen, das Stück damit zu aktualisieren und es in der Gegenwart ankommen zu lassen. Viele der Mediendebatten der letzten Zeit um männlichen Machtmissbrauch wie #Aufschrei und #Metoo spiegelten sich in dieser Neuinszenierung und fanden ihren Widerhall.

Marius Ahrendt als Emilia Galotti übernahm zu Beginn sichtbar die Rolle und zog sie gleichsam mit einem Fähnchen von Kleid an. Diese Szene war als Videoprojektion auf dem großen betonähnlichen Monolithen zu sehen, in dessen Inneren sie sich abspielte. Dieser erinnerte durch seine durchlöcherte Oberflächenstruktur, die sich je nach Drehrichtung wandelnden Ansichten und die Transformationen im Inneren an die Bruder-Klaus-Kapelle des Architekten Peter Zumthor, der auch mit einem Bau im Göttinger Kunstquartier präsent sein wird. Das reduzierte Bühnenbild von Susanne Maier-Staufen und die Nichtfarbigkeit der Kostüme überwiegend in grau und beige trugen dazu bei, den Blick auf die wenigen roten Akzente zu lenken: das schon erwähnte himbeerfarbene Kleid, die Rosenblütenblätter auf dem Boden und das Blut Emilias an den Händen ihres Vaters Odoardo. In dieser Rolle war Gaby Dey souverän und sehr überzeugend präsent.

Volker Muthmann spielte die Rolle der Mutter Claudia Galotti seltsam farblos, nicht verhuscht aber auch nicht wirklich in das Geschehen eingreifend - eine gute Besetzung. Gaia Vogel als Graf Appiani und damit Bräutigam Emilias setzte prägnante Akzente, auch wenn sie/er schnell dem Ränkespiel des Kammerherrn Marinelli – sehr wandlungsfähig und geradezu teuflisch intrigant Gitte Reppin – bei einem inszenierten Überfall zum Opfer fiel. Das Kalkül ging auf und führte Emilia direkt in die Arme des sie begehrenden Prinzen von Guastalla - Rebecca Klingenberg. Diese changierte zwischen ironischer Brechung der Rollenspiele und ernsthafter Auseinandersetzung; für das Publikum nicht immer einfach zu deuten. Roman Majewski als Gräfin Orsina und Geliebte des Prinzen hatte nicht nur (moderate) High Heels zu bewältigen, sondern befand sich in einer Schlüsselszene auch in einer dialogischen Endlosschleife mit Marinelli in emotionalen Variationen: Grandios!

Zum Schluss öffnete sich der Monolith und alle Beteiligten saßen wie in einem Wartezimmer an der Wand. Einzig Emilia war ausgeschlossen und stand sich allein überlassen am Rand. War sie zuvor vor allem Objekt der Handlungen der anderen gewesen: Vater, Bräutigam und der begehrende Prinz hatten über sie verfügt ohne sie je zu beteiligen, nahm sie nun das Heft des Handelns in die Hand und forderte ihren Vater zur Entscheidung: Oder um es mit den letzten Worten der sterbenden Emilia zu sagen: Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert.

Weitere Informationen

  • Kategorie: Deutsches Theater
  • Untertitel: Emilia Galotti
Letzte Änderung am Montag, 12 Februar 2018 13:53

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