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Sonntag, 11 Februar 2018 13:45

Drei Sterne und 14 Fugen für einen gelungenen Abend

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Martin Hruschka an der Ott-Orgel in der Göttinger Christuskirche Martin Hruschka an der Ott-Orgel in der Göttinger Christuskirche © Photo: privat

Was passiert, wenn ein hervorragender Musiker auf einem Instrument, dass er sich extra dafür ausgesucht hat, ein Konzert mit dem intellektuell-kompositorischen Höhepunkt der Musikgeschichte gibt? Diese vielversprechende Kombination bot sich am Samstag, den 10. Februar 2017 ab 17 Uhr in der gut besuchten Göttinger Christuskirche auf dem Egelsberg. Der Berliner Organist Martin Hruschka spielte auf der 2016 renovierten und vervollständigten Ott-Orgel die "Kunst der Fuge" von Johann Sebastian Bach.

Der "Star des Abends" war in diesem Konzert zweifellos das Werk selbst: 14 Fugen und vier Kanons als Studie über die Möglichkeiten der Fugenkomposition vom größten Komponisten, der sich jemals dieser Gattung angenommen hat. Man kommt schon beim Lesen des ausführlichen Programmheftes, das alle Themen in Notenbeispielen aufzeigt und dem Hörer durch kurze analytische Hinweise das Verständnis der Musik erleichtert, ja teilweise erst ermöglicht, ins Staunen über die komplizierte Konstruktion der einzelnen Fugen. Und Bach wäre nicht Bach, wenn diese Musik nicht auch noch wunderbar klingen würde und den Hörer mal ruhig und nachdenklich, mal festlich französisch, mal virtuos tänzerisch und immer wieder chromatisch und dicht mitten in die unverwechselbare Bachsche Klangwelt mitnehmen würde. Die gespielte Orgelfassung des nicht dezidiert einem Instrument zugeschriebenen Werks stammt von Helmut Walcha, die fragmentarisch gebliebene letzte Fuge wurde durch den ungarischen Komponisten und Musikwissenschaftler Zoltán Gönez sehr überzeugend vervollständigt.

Ein weiterer Star des Abends war der Organist Martin Hruschka. Man kann derart konstruierte Musik auch konstruiert spielen. Hruschka dagegen schaffte es diese verkopfte Komposition zum Leben zu erwecken, ohne dabei jedoch das Gespür für die Struktur zu verlieren. Sowohl das Schwelgen in Klängen, als auch das Verfolgen der Themen war dem Zuhörer möglich.

Dies ermöglichte aber maßgeblich auch der heimliche Star des Abends: Die Ott-Orgel der Christuskirche. 2016 wurde das bis dahin als einmanualiger Torso erhaltene Instrument durch die Fa. Orgelbau Bosch im Sinne des einstmals berühmten und geschätzten Göttinger Orgelbauers Paul Ott als dreimanualige Orgel mit 28 Registern fertiggestellt. Dies ist alles andere als selbstverständlich, da zur Zeit Otts Instrumente unpopulär sind und allen Orten durch neue Orgeln ersetzt werden - in der Marktkirche Clausthal rüstet man sich gerade zu solch einem fragwürdigen Unterfangen. Die Christuskirchenorgel beweist, welch hohe Qualität das Werk Otts aufweist und wie bezaubernd die unmodernen Klänge aus der Epoche des Neobarock sein können. Hier steht eine der spannendsten und schönsten Orgeln Göttingens (der Rezensent scheut sich noch diesen Superlativ seiner Dienstorgel in der Geismarer Martinskirche abzusprechen). Und gerade bei einem Werk wie der "Kunst der Fuge" zeigen sich alle Stärken: Ein transparenter Klang, der die polyphone Musik hörbar werden lässt, viele klangschöne und charakteristische Register und Registerkombinationen, die während der 18 Stücke niemals Eintönigkeit aufkommen lassen, ein präsentes Piano und ein kräftiges aber nicht schreiendes Forte - kurzum, die Orgel ist ein Genuss!

Wer war nun der wahre Star des Abends? Den gab es nicht, denn, um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen, ein exzellenter Musiker, eine hervorragende Orgel und eine atemberaubende Komposition sind die drei Elemente, die kongenial ein überaus gelungenes Konzert ermöglichen.

Und genau so passierte es am Samstag Abend in der Göttinger Christuskirche. Bitte unbedingt fortsetzen!

Weitere Informationen

  • Kategorie: Christuskirche
  • Untertitel: Orgelkonzert mit Martin Hruschka
Letzte Änderung am Sonntag, 18 Februar 2018 16:05

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