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Freitag, 16 Februar 2018 21:30

Figurentheatertage

Das „Faust“-Spektakel mit dem Hohenloher Figurentheater

Sagenhaft magisch, heiter und dramatisch

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Das Hohenloher Figurentheater mit „Faust“ Das Hohenloher Figurentheater mit „Faust“ © Photo: Hohenloher Figurentheater

Auch Teufelsgestalten entpuppen sich manchmal als ziemlich schräge Vögel, selbst wenn sie in der Studierstube des Doktor Faust nicht so recht zum Zuge kommen. Von Fausts Diener Hans Wurst werden die kleinen Poltergeister aus der Unterwelt fröhlich verspottet. Der würde auch anders als sein Herr niemals seine Seele verkaufen und trickst sie immer mal wieder aus.

Auf der Bühne des Hohenloher Figurentheaters, das anlässlich der Göttinger Figurentheatertage im GDA Wohnstift gastierte, geht es ein bisschen anders zu als in Goethes berühmter „Faust“ Tragödie. Mit ihren Stabfiguren tauchen Johanna und Harald Sperlich vor allem tief  ein in den Sagenstoff und die vielen Motive, die sich darum ranken. Grundlage ihrer Aufführung ist die erste dramatische Fassung der Geschichte um den Magier und Schwarzkünstler Johann Georg Faust, der im 15. Jahrhundert die Fantasie seiner Zeitgenossen bereits belebte. Doch selbst mit Christopher Marlowes Schauspiel verknüpfen die beiden Puppenspieler noch weitere dramatische Gestalten und machen zum Auftakt einen spektakulären Ausflug in finstere Regionen.

Ein wahrer Poltergeist und schön zum Fürchten ist  dieser Höllenfürst Pluto mit seiner dicken Wampe, wie er jetzt seinen gelangweilten Fährmann Charon  besänftigt.  Der möchte endlich malwieder eine starke Seele in die Hölle rudern. Auch Mephistopheles giert es nach einem kraftvoll renitenten Gegenüber. Da kommt ihm der maßlose Macht- und Erkenntnisdrang dieses Dr. Faustus natürlich sehr entgegen, wie er da in Wittenberg über magische Formeln grübelt und sich liebend gern verführen lässt, um das Leben endlich mal in vollen Zügen zu genießen, auch wenn sein Seelenheil dabei auf der Strecke bleibt.

In ihrer Inszenierung erden die beiden Stabpuppenspieler die Faustische Odyssee mit all den Stationen, wo neben Erkenntnissen vor allem Ruhm, Macht und Genuss locken mit den Auftritten des vorwitzigen Dieners. Der hat die kleinen teuflischen Gesellen, die auch ihn ganz einfach mal an den Hof des Herzogs von Parma segeln lassen besser im Griff, als sein gelehrter Herr und macht sich seinen eigenen launigen Reim auf eine Welt der Abenteuer, wo einem  auch mal hochnäsige Herzöge  und ihre huldvollen Gefährtinnen begegnen. Und so findet der schelmische Überlebenskünstler auch wieder zurück in eine alltäglich profane Welt und ihre Eigentümlichkeiten, während sich ein rastloser Faust trotz diabolischer Verjüngungskur zunehmend erschöpft und sogar seine letzte Chance auf eine himmlische Ruhe verspielt. Ihn erwartet ein höllisches Finale in der Unterwelt und das höllische Gelächter Plutos und seiner finsteren Gesellen. Ihre schaurigen Grimassen sind ein Schauspiel für sich, wie sie Figurenschnitzer in den hölzeren Köpfen verewigt hat. Wunderbar ausdrucksstark ist auch sein Faust mit der hohen Stirn und den tiefen Falten, der nach der diabolischen Verjüngungskur den Anblick eines scheinbar smarten, leichtlebigen Flaneurs bietet. Der stets umtriebige Hans Wurst mit seiner langen Nase hat den Schalk nicht nur im Nacken, sondern auch im Blick und Mephistopheles punktet natürlich bereits wunderbar mit seinem teuflischen Grinsen und den langen spitzen Ohren während seine zerzausten höllischen Gehilfen auf einen schön fiesen Einsatz lauern.

Natürlich ist auch ein bisschen Bühnenmagie im Spiel bei diesem Figurentheaterabenteuer um den sagenhaften Faust. Mit Blitz und Donner und atmosphärischen Lichteffekten werden die Bühnenprospekte belebt. Die Studierstube mit den vielen Folianten, der herzögliche Park in Parma mit himmelblauem Panoramablick und Blumenrabatten, eine nächtliche Stadtkulisse und Plutos Reich mit diesem illustren Felsenlabyrinth. In diesen Bildern und mit den ausdrucksstarken Figuren lässt sich wunderbar über den sagenhaften Faust und seine Geschichte sinnieren, auch über den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse – und wer ihn am Ende gewinnt. Plutos dicker Bau wackelt zwar mächtig stolz über den neuen Seelengewinn, aber Hans Wurst ist ihm dabei von der Schippe gehüpft und zwinkert ihm weiterhin schelmisch zu.

Letzte Änderung am Montag, 19 Februar 2018 08:47

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