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Dienstag, 05 Oktober 2010 14:54

'Die Räuber' am Jungen Theater

geschrieben von Tina Fibiger

Schiller: Die RäumberDie Rückwand diese Konzernetage ist durchlöchert. Es gibt also noch eine Außenwelt, die Schillers gegnerische Fraktionen in ihrer Familienfestung beschäftigt, auch wenn dabei nicht die Rede von den böhmischen Wäldern sein wird und einem Aufgebot von Räubern und Rebellen. Zunächst ist auf der Bühne des Jungen Theaters auch erstmal ein Befund über die vorangegangenen Grabenkämpfe fällig, die der alte Moor seinen Söhnen zumutete. Gegen den smarten Karl kann der biedere Firmenverwalter Franz noch immer nicht punkten. Und nie hat ihn auch nur ein Signal väterlicher Zuneigung erreicht, während der Bruder locker mal eben ein paar Millionen Betriebskapital in den Sand setzt und trotzdem alle emotionalen Zuwendungen bekommt, auch die von Amalie. Sie nimmt Franz nur abschätzig und widerwillig zur Kenntnis, ständig genervt von seinen krampfhaften Bemühungen um Zärtlichkeit und Geborgenheit, weist Henrike Richters diese Signale demonstrativ von sich.



Pascal Goffin entdeckt in diesem Franz Moor, der endlich einen Hebel gefunden hat, diesen Überflieger Karl und seine Entourage aus dem Wettbewerb zu kicken, viel von einem ungeliebten, unbehausten Kind,
Wie ein immer nur ein geduldeter Zeitgenosse, kaserniert in einem emotionalen Vakuum, dessen Gebärdensprache Symptome von Hospitalismus aufweist, die irgendwann in einen zerstörerischen Zorn ausarten und in eine selbstmörderische Verzweiflung. Regisseur Andreas Döring liest die Zeichen im brüderlichen Ranking anders als sie von vielen Räuber-Inszenierungen vertraut sind. Wo daheim der böse Intrigant sitzt, der seinem aufgeklärten eloquenten Bruder von der Restfamilie entfremdet. Dirk Böthers Karl ist hier nicht der Favorit für Sympathiepunkte, der einen politischen Crashkurs für die Unterdrückten anführt sondern ein ziemlicher Großkotz. Dazu noch ein leichtfertiger Spekulant, der auch kapitale Verluste mit einem Schulterzucken abschreibt. Jan Reinartz väterliche Grandezza wird das schon noch verschmerzen. Und auch die juristischen Folgen, die das Firmenbetrugsmanöver nach sich zieht, nachdem Franz daraus ein öffentlichkeitswirksames Medienspektakel macht und nun auch die Konzernetage regiert.

Aus dem Abzocker wird ein Underdog, der sich mit seinem Gefährten Spiegelberg in einem Schacht zwischen den geldwerten Etagen verschanzt, wo nun Dirk Böther und Thomas Hof ihre terroristischen Visionen durchspielen während ihnen neben den Vorräten auch die mentalen Reserven ausgehen. Über ihnen vollzieht sich der entscheidende Showdown mit der Entmündigung des Firmenpatriarchen an der Seite eines häuslichen Geistes, den Agnes Giese mit der resignierenden Anpassung an die Verhältnisse schildert.

Es ist einzig das Diktat der Ökonomie, dass die Figuren umtreibt und ihre psychische Deformation beschleunigt, sie zu Terroristen werden lässt, zu Menschenschindern- und Verächtern. Und diese Zuschreibung
gilt am Ende auch für beide Brüder, unabhängig von den Motiven, an denen sich ihr Duell entzündete. Als Kraftakt erweist sich dabei allerdings Schillers dramatische Diktion. Die Sprache eines Gesellschaftsanalytikers mit diesem leidenschaftlichen Pathos, die in Andreas Dörings Inszenierung manchmal sehr sperrig und unzugänglich anmutet. Nicht jede Metapher lässt sich einfach so entschlüsseln und die Sprache der Bilder kann eben auch nicht immer die tieferen Bedeutungsebenen des Textes erfassen.

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