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Sonntag, 27 Oktober 2013 18:01

Ein Glücksfall für die Schöpfung

Haydns "Schöpfung" mit der Göttinger Stadtkantorei

Was macht man als Betreiber der Seite und Mitsänger in der Stadtkantorei, wenn die vorgesehene Rezensentin kurzfristig erkrankt ist? Man schreibt selber und erläutert den Umstand. Was ich hiermit getan habe. Den Chor erlaube ich mir jedoch, nicht qualitativ zu beurteilen. Das geht als Mitsänger schlecht.

Die Schöpfung von Joseph Haydn wurde schon lange nicht mehr in Göttingen aufgeführt. Dementsprechend war die Johanniskirche sehr gut gefüllt bei dem Konzert der Göttinger Stadtkantorei am Sonntag unter der Leitung von Bernd Eberhardt. Am Samstag vorher gab es eine gekürzte Fassung in einem Kinderkonzert: der bekannte KIKA-Moderator Juri Tetzlaff führte durch die Schöpfungsgeschichte.

Beide Veranstaltungen waren ein Glücksfall:
Im Kinderkonzert stellte Tetzlaff gekonnt einzelne Instrumente vor und verwickelte Solisten, Dirigent und Instrumentalisten sowie sein Publikum in amüsante und erläuternde Dialoge. Die Konzeptidee, ein Kinderkonzert vor der eigentlichen Aufführung vorzuschalten ist voll und ganz aufgegangen. Das Beispiel darf gerne Schule machen! Und zwar auch dann, wenn das Werk möglicherweise durch seine Lautmalerei nicht so kindgerecht erscheint. Das konnte man der Oper "Siroe, Re di Persia" auch nicht untestellen - und dennoch war die Familienfassung mit Juri Tetzlaff ein großartiger Erfolg bei den diesjährigen Internationalen Händelfestspielen.

Aber auch das "richtige" Konzert am Sonntag war ein großes Konzerterlebnis. Das lag zum einen am bestens aufgelegten Dirigenten Bernd Eberhardt, der die Solisten, die Orchestermusiker und die Chorsänger temperamentvoll mitriss und Haydns Musik spritzig umsetzte. Zum anderen lag es an den ausgewählten Gesangssolisten. Besonders hervorzuheben ist die Sopranistin Lavinia Dames. Wahrlich ein Glücksfall für den Abend! Mit diesem Konzert gab die junge Göttingerin ihr Debüt bei einem großen Oratorium. Sie gestaltete die Partie des Engels Gabriels und später die der Eva vielseitig: mal kraftvoll, mal lyrisch, immer lupenrein in der Intonation und perfekt in der Technik, vor allem in den rasanten Koloraturen. Ihr zur Seite stand Johannes Schwendinger, zunächst als Engel Raphael mit einem profunden, tiefen Bass. "Der hat bestimmt ein Kontrafagott verschluckt", merkte Tetzlaff beim Kinderkonzert an, nachdem Schwendinger sein tiefes "D" zum besten gab. Im dritten Teil mutierte Schwendinger dann zum Adam. Und damit wurde er zum lyrischen Bariton. Adam und Eva waren bei der Geschichte natürlich das Paar des Abends. Auch wenn Jörn Lindemann als Engel Uriel zum Schluss noch ein paar warnende Worte mit auf den Weg gab, endet Haydns Schöpfung vor dem Sündenfall und damit mit einem Happy End.
Im Schlusschor gesellte sich noch Barbara Schäfer (Alt) zu den Solisten. "Vier Takte Vollgas" (Barbara Schäfer zu Juri Tetzlaff) durfte sie geben, komplettierte damit das Solistenquartett und war den übrigen Solisten ein ebenbürtige Partnerin.

Ein Glücksfall war auch das Orchester: die Mitglieder der NDR-Radiophilharmonie Hannover waren mehr als ein zuverlässiger Partner: aufmerksam setzten die Musikerinnen und Musiker die Zeichen Eberhardts um. Insbesondere konnten der Konzertmeister Oliver Kipp und seine Frau Katharina Troe am ersten Pult im Cello Akzente setzen. Die Holzbläser hatten mit dem Kontrafagott ihren heimlichen Star. Aber auch die anderen Musiker haben ihren Part zuverlässig gemeistert. Eine klanglich schöne Variante war die Wahl des Continuo-Instrumentes mit dem Hammerklavier.

Wenn nach zwei Stunden Aufführungsdauer kurz vor dem Schluss das Publikum schmunzelnd den Solisten lauscht und auch die Orchestermusiker sicht- und hörbar großes Vergnügen am musikalischen Geschehen haben, wurde ganz offenbar Einiges richtig gut gemacht.

Dienstag, 01 Oktober 2013 14:55

"Die Schöpfung" mit der Göttinger Stadtkantorei

Joseph Haydn, „Die Schöpfung“, Oratorium für Soli, Chor und Orchester am Sonntag, 27. Oktober, 19 Uhr in der St. Johanniskirche

„Schon sind drei Tage seit dem glücklichen Abende verflossen, und noch klingt es in meinen Ohren, in meinem Herzen, und noch engt die Fülle der Empfindungen bei der Erinnerung die Brust in mir“, schrieb der Rezensent der Uraufführung von Haydns „Schöpfung“ im „Neuen teutschen Merkur“. Die Bewunderung für dieses Oratorium ist bis heute ungebrochen und gilt insbesondere Haydns Begabung, die Naturphänomene in der Schöpfung in stimmungsvolle Tonmalerei umzusetzen.

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