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Anzeige der Artikel nach Schlagwörtern: Clemens Löschmann

Uraufführung des Auftragswerks der Göttinger Stadtkantorei zum Reformationsjubiläum am 26. November in der Johanniskirche

Mittwoch, 01 November 2017 21:43

Was für ein Abenteuer

Stefan Kordes, Judith Kara, Clemens Löschmann, das GSO und die Kantorei St. Jacobi begeistern in der szenischen Aufführung des Oratoriums „Jan Hus“. - Mit Bildergalerie!

Montag, 22 Mai 2017 14:10

Beweglicher, großer Klang

„Luther in Worms“ von Ludwig Meinardus in der Göttinger Johanniskirche

Montag, 12 Dezember 2016 16:45

Ja, ist denn schon Weihnachten?

"Weihnachtsoratorium" und "Magnificat" in der Johanniskirche mit der Göttinger Stadtkantorei, dem Göttinger Kammerchor und dem Göttinger Barockorchester

Dienstag, 16 Februar 2016 12:39

Beängstigende Aktualität

Aufführungen des "War Requiem" mit der Kantorei St. Jacobi

Dienstag, 24 März 2015 19:16

Karfreitagszauber

‚Johannes in Johannis’ -  Stadtkantorei und Göttinger Barockorchester mit J.S. Bach

Zum Klären des eigenen Standpunktes ist der Blick von außen oft eine hilfreiche Sache.

Im Anschluss an die Aufführung der Bach’schen Johannespassion durch Stadtkantorei, Göttinger Barockorchester und Solisten unter der Leitung Bernd Eberhardts erging es mir so. Es fiel mir schwer, diese unzweifelhaft gelungene Darbietung in St. Johannis auf einen Nenner zu bringen. Im Gespräch mit einer Nichtkonzerthörerin konnte meine Antwort auf die Frage ‚Hat es sich gelohnt, die Aufführung zu besuchen?’ jedoch nur „Ja!“ lauten.

Kurz nach 18 Uhr hebt der imposante Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ an, rechtzeitig zum Tatort-Beginn haben wir - das Publikum füllt beinahe die gesamte Kirche - die Passion des Jesus von Nazareth hinter uns gebracht. Bach vertont die Worte des Evangeliums nach Johannes, ergänzt um Choralstrophen sowie freie Dichtung.

Die Bemerkung zur Konzertdauer soll natürlich kein Spott, sondern Hinweis auf die Lesart des Kantors Eberhardt sein. Die durchweg raschen, doch nicht überhetzten, Tempi passen gut zum „Fließen“ der Evangelistenerzählung - vorgetragen vom großartigen Tenor Clemens C. Löschmann. Choräle und Chorsätzen sowie die Arien unterbrechen dieses Fließen nicht; sie bieten nur kurze Einhalte im dramatischen Verlauf der Geschichte

Und doch hinterlässt der Abend in diesem Punkte bei mir einen Eindruck, den ich nicht besser fassen kann als: Leichte Unruhe, ohne dabei hastig zu sein. Traumhaft gelungene, innige, zutiefst ruhige einzelne Momente fügen sich zu einem großen Bogen, dem nur die allerallerletzte Spannung fehlt.

Die Stadtkantorei steuert gekonnt das Ihre bei. Der Eingangschor so mächtig, wie die Einwürfe in den Massenszenen punktgenau. (Beinahe zumindest: das „Wohin“ in Nummer 24, so schwer es ist, hätte besser sein können…) Der Damen“überschuß“ hat keinerlei Auswirkung auf die Stimmbalance. Textverständlichkeit wie die Lautstärkeverteilung  Orchester/Chor sind stets gut!

Über den Basso Continuo (B.c.) fällt ein zwiespältiges Urteil: Fagott, Orgelpositiv bewähren sich mit Glanz; der Gruppe insgesamt, trotz zweier Celli (bzw. Gambe) und Kontrabass, gelingt es leider nicht, dem Gesamtklang die nötige Schwere zu unterlegen. Akustik oder Instrumente sind nicht schuld, dies ist an Einzelstellen zu hören, wenn nämlich einmal dieses ‚Gewicht’ plötzlich da ist. Ein Lob den Geigen, die viel pausieren müssen, doch, falls gefordert, überzeugen können: Endlich einmal hört man das „Der Held aus Juda siegt mit Macht“ rhythmisch scharf und präzise.

Den Tenor haben wir schon gelobt, zumal er die Arien ebenfalls übernimmt, doch zum Detail: Die Rezitative im Zusammenwirken mit dem aufmerksamen B.c. sind derart lebendig gestaltet, als ob die Geschichte  j e t z t  gerade passiert. Selbst die auf Effekt interpretierten Stellen – z.B. „weinete bitterlich“ - wirken nicht überzeichnet, so gelungen sind sie ins Sonstige gewebt. (Ganz zum Ende hin muss Herr Löschmann seinem stimmlichen Einsatz vielleicht ein wenig Tribut zollen.)

Die Damen – Franziska Kimme (Alt), Olivia Stahn (Sopran) - haben deutlich weniger Gelegenheit zum Glänzen- und taten es auch nicht. „Es ist vollbracht“ als der(?) dramatische Tief- und Ruhepunkt gelingt Franziska Kimme in den Rahmenteilen sehr gut, dem ‚Held aus Juda’ jedoch fehlen Glanz und Größe.

Ebenso so schwankend der große Moment bei Olivia Stahn - der ersten starken Arie folgt gegen Passionsende das verteufelt schwierige „Zerfließe, mein Herze“ und dortselbst findet sich berückend Gelungenes, neben intonatorischen Schwierigkeiten beim Zusammenspiel mit den großartigen Holzbläsern.

Bleiben die Bässe: Konstantin Heintel singt Arien und Pilatusworte derart überzeugend, dass ich es dabei belassen will. Zuletzt zum Dreh- und Angelpunkt dieser alten Geschichte, den Worten Jesu. Sie trägt Jonathan de la Paz Zaens mit warmen, sattem Klang vor; doch ohne die Parodie von Erhabenheit, wie es ab und an gesungen wird. Wir hören ihn hoffentlich bald wieder.

Vielleicht ist es ein sehr großes Lob dieser Aufführung, wenn die Vielzahl gelungener Momente nicht nur zum stummen Bewundern (ver)führt, sondern die Deutung als Ganzes dazu auffordert, sich mit den Details dieser zwei Stunden Musik zu beschäftigen?

Zum Abschluss – vor dem reichlichen Applaus - Glockengeläut und Stille. So ganz entkleidet aller liturgischen Funktion ist das Musik-Kunstwerk also noch nicht. Gott sei Dank.

Sonntag, 06 April 2014 10:23

Die Seele einer Aufführung

Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach in der Jacobikirche

Dienstag, 25 März 2014 10:34

Bestens aufgelegte Stadtkantorei

Rossinis Stabat mater in der Johanniskirche

Der Schmerz der Mutter um den Gekreuzigten steht im Mittelpunkt der Katholischen Sequenz „Stabat mater“. Ein Text, mit dem viele Protestanten eher fremdeln. Bernd Eberhardt hat ihn in der Passionszeit in die Göttinger Johanniskirche geholt und wählte die Vertonung von Gioacchino Rossini aus. Hier nun versieht der Opernkomponist mit südländischer Sinnlichkeit den so innigen Text mit Arien, Fugen und Belcanto, dass es bisweilen nicht nur für evangelische Ohren befremdlich wirkt.

Aber diese Musik! Ein Feuerwerk, an dem man sich nur freuen kann. Vor allem dann, wenn es so kongenial wiedergegeben wird, wie mit den Solisten Christine Wolff, Gabriele-Betty Klein, Clemens Löschmann, Jürgen Orelly, der Göttinger Stadtkantorei und dem Göttinger Symphonie Orchester.

Das GSO wirkte nach dem anspruchsvollen und probenintensiven Programm vom Freitag (siehe hier) überhaupt nicht müde sondern folgte dem inspirierenden, frischen Dirigat von Bernd Eberhardt konzentriert und begeisternd. Das war auch schon in der „Großen“ g-Moll-Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. Auch wenn solch eine Musik eher nicht in den Kirchenraum gehörte, passt Mozarts Musik gut zum Rossini. Den Abend eröffnet hat die Stadtkantorei mit dem 22. Psalm von Felix Mendelssohn Bartholdy „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Schon hier war deutlich zu hören, dass der Chor sehr gut auf das Programm vorbereitet war: Aufmerksam und intonationssicher folgten sie Bernd Eberhardt und konnten so auch kleinste Details vom Dirigenten übernehmen. Clemens Löschmann übernahm den Solopart in dieser a cappella-Vertonung. Man kann sich keinen besseren Tenor für diesen Part wünschen!

Im „Stabat mater“ nach der Pause waren dann Chor, Solisten und Orchester vereint. Rossini hat jedem seine besondere Rolle zugewiesen. Insbesondere begeisterte Christine Wolff in ihrer Arie „Inflammatus et accensus“. Aber auch der flexible Mezzosopran Gabriele Betty-Kleins, der strahlende Tenor von Clemens Löschmann und der warme Bass von Jürgen Orelly wussten zu begeistern.

Die Göttinger Stadtkantorei war an diesem Abend allerbestens aufgelegt. Vielleicht war sie noch nie so gut wie hier: akkurat in den Tempi und Absprachen (Staccato-Singen im Chor – parallel zum Staccato des Orchesters!), ein wunderbarer Klang (besonders schön: die Bässe!), und vor allem eine perfekte Intonation: nach längeren Passagen ohne Orchesterbegleitung landete der Chor exakt in dem richtigen Akkord – das hört man selten.

Entsprechend fiel der Jubel nach dem Konzert aus. Die „Bravi“ kamen vollkommen zurecht!

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