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Donnerstag, 12 Dezember 2013 15:34

Premiere DIE MÖWE im Deutschen Theater

Kurz vor Weihnachten, am Samstag, 21. Dezember 2013, um 19.45 Uhr feiert Intendant Mark Zurmühles Inszenierung von Anton Tschechows DIE MÖWE im Großen Haus Premiere.

Montag, 18 November 2013 00:00

The 45 Minute Show #3

Treffpunkt Café Schroeder

Für alle Fans von THE 45 MINUTE SHOW ein wichtiger Hinweis: Am Samstag, den 7. Dezember 2013 gibt es die Chance Teil von #3 THE 45 MINUTE SHOW zu werden. Für die Show im Café Schroeder versteigert das Deutsche Theater den Moderationspart von Karl Miller auf Ebay. Das Startangebot liegt bei 1 Euro. Bieter haben 10 Tage Zeit.

 

Am 23. November um 20 Uhr im DT-Keller

Nach Michael Herls WER KOCHT SCHIESST NICHT inszeniert Regisseurin Franziska von Knoblauch mit JÜRGEN VON NAZARETH nun mit viel Musik die zweite Herl-Komödie fürs Repertoire des DT Kellers.

Da liegt er nun, der Faulpelz. Ist schon weit über dreißig und noch immer lümmelt er im Hotel Mama rum. Mehrfach schon musste ihm sein Vater Josef (gottlob ein Tischlermeister) die Krippe vergrößern, denn der Kerl will und will nicht ausziehen. Tag und Nacht liegt er da herum und stiert in seinen Computer. Was soll nur werden mit dem Jungen? Immer wieder kriegen sich seine Eltern deswegen in die Haare, sie sind schier am Verzweifeln. Doch eines Tages klingelt ein Postbote und plötzlich tut sich Eigenartiges im Hause von Nazareth – schon nach kurzer Zeit ist nichts mehr, wie es vorher war.

Premiere am Samstag, 23. November 2013, um 20.00 Uhr im Keller, weitere Vorstellungen 23. November, 01. und 15. Dezember 2013

Inszenierung Franziska von Knoblauch Musik Bernd Schumann Kostüme Heidi Hampe / Christel Schellhas Dramaturgie Henrik Kuhlmann

Es spielen Nikolaus Kühn, Nadine Nollau, Andreas Schneider

Samstag, 16 November 2013 12:46

Wegschließen und zwar für immer

Kooperation zwischen dem Schlosstheater Celle und dem Deutschen Theater in Göttingen
Premiere am 21. November im Studio

Eine Gesellschaft muss sich daran messen lassen, wie sie mit ihren schwersten Straftätern umgeht.

Für den Dokumentartheaterabend WEGSCHLIESSEN UND ZWAR FÜR IMMER (UA) begleiteten die Autoren Nico Dietrich und Inken Kautter den in den Medien viel diskutierten Umzug der Sicherungsverwahrten aus Celle nach Rosdorf.

Die Sicherungsverwahrung ist das schwerste Urteil, das die deutsche Justiz verhängen kann. 2011 stellte der europäische Gerichtshof fest, dass die Praxis der Sicherungsverwahrung in deutschen Gefängnissen gegen die Menschenrechte verstößt und forderte zahlreiche Änderungen in Gesetzgebung und Praxis der Sicherungsverwahrung. Im Zuge dessen baute das Land Niedersachsen in der JVA Rosdorf bei Göttingen für 12 Millionen Euro eine neue Abteilung Sicherungsverwahrung mit 42 Apartments, in der seit Sommer 2013 alle niedersächsischen Sicherungsverwahrten untergebracht sind.

Dienstag, 12 November 2013 13:53

#2 The 45 Minute Show

Zweite Ausgabe in der Boutique Woggon

Am Samstag, 16. November 2013, pünktlich um 22.30 Uhr startet die zweite Ausgabe des neuen Late-Night-Events des DT: THE 45 MINUTE SHOW wird dieses Mal modisch inspiriert und lädt zur späteren Stunde in die Modeboutique Woggon.
 
THE 45 MINUTE SHOW von Karl Miller und Michael Meichßner
 
Der zweite interaktive, crossmediale Samstagabend-Event des Unterhaltungsduos Karl Miller & Michael Meichßner wird stilsicher. Auch der neue Spielort verspricht 45 Minuten mit frech-frivolen Spielchen, schrägen Einfällen, abgedrehten Plaudereien und ahnungslos ungeprobter Kunst – also laden Sie schon mal ihr Smartphone auf, denn das Filmen, Fotografieren und Texten während der Performance ist absolut erwünscht. Außerdem zeigen sich die Moderatoren diesmal besonders spendabel und überraschen einen Zuschauer: Seien Sie mutig und schicken Sie ein Foto von sich unter dem Stichwort »The 45 Minute Show« an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (Teilnahmebedingungen unter the45minuteshow.wordpress.com).

Konzept / Ausführung Michael Meichßner & Karl Miller

Karten für 14 / 9€ an der Theaterkasse, begrenzte Zuschauerzahl!

Dienstag, 12 November 2013 13:44

Premiere "Scrooge - Eine Weihnachtsgeschichte"

Premiere im Deutschen Theater: SCROOGE - EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE 8+ nach Charles Dickens, Theaterfassung von Neil Bartlett

Im November wird es vorweihnachtlich im DT: Am Samstag, 16. November 2013, um 18.00 Uhr feiert unser Familienstück zur Weihnachtszeit SCROOGE – EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE nach Charles Dickens in einer Inszenierung von Joachim von Burchard für ZuschauerInnen ab 8 Jahren im Großen Haus Premiere.

SCROOGE - EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE 8+ nach Charles Dickens, Theaterfassung von Neil Bartlett

Dem hartherzigen Ebenezer Scrooge sind Mitgefühl und Nächstenliebe fremd. Auch mit Weihnachten kann er nichts anfangen. Für den alten Geizkragen ist das Fest nichts weiter als eine einzige Verschwendung von Zeit und Geld. Da erscheint ihm eines Nachts der todtraurige Geist seines vor sieben Jahren verstorbenen Geschäftskollegen Jacob Marley. Marley will seinen ehemaligen Partner vor seinem schrecklichen Schicksal bewahren. Er kündigt Scrooge den Geist der vergangenen Weihnacht, den Geist der gegenwärtigen und den Geist der zukünftigen Weihnacht an. Sie sollen Scrooge helfen, ein besserer Mensch zu werden und einem einsamen Tod zu entgehen. Und tatsächlich: Aus dem miesmuffeligen und gemeinen Mann wird – auch durch das Wunder der Weihnacht – noch ein mitfühlender, freundlicher und geselliger Mensch. Doch bis es dazu kommt, muss er eine unheimliche Reise antreten und erschreckende Erfahrungen machen…

Charles Dickens Geschichte von Ebenezer Scrooge und seiner Wandlung, erstmalig veröffentlicht im Jahre 1843, gehört auch heute noch zu den schönsten und bewegendsten Weihnachtsgeschichten der Welt.

Premiere am Samstag, 16. November 2013, um 18.00 Uhr im Großen Haus, weitere Vorstellungen 17., 18., 19. bis 28. Dezember 2013

Bitte beachten Sie, dass es keine Januar-Vorstellungen des Familienstücks gibt. Die letzte Vorstellung ist bereits am 28. Dezember 2013.

Inszenierung Joachim von Burchard Musikalische Leitung Jan Exner Ausstattung Jeannine Simon Dramaturgie Nicola Bongard

Es spielen Vanessa Czapla, Gaby Dey, Jan Exner, Norman Grüß, Marie-Kristien Heger, Andreas Daniel Müller, Paul Wenning

Montag, 21 Oktober 2013 12:53

Spielplanänderungen am DT

Aus dispositorischen Gründen müssen die für Dienstag, 22. Oktober 2013, um 18 Uhr angekündigte Vorstellung von DIE VERWANDLUNG und die für Mittwoch, 23. Oktober 2013, um 9.30 Uhr angekündigte Vorstellung von DIE BREMER STADTMUSIKANTEN (EA) leider entfallen. Karten können an der Theaterkasse umgetauscht oder zurückgegeben werden (Tel. 0551 4969-11).

Feierstunde im Deutschen Theater

Die Elchpreis-Verleihung ist inzwischen längt zu einem der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse in Göttingen geworden. Und das, obwohl in der Regel fast zwei Stunden Reden zu ertragen sind. Diese sind allerdings der Hauptgrund des Kommens. Denn Reden zu der Verleihung eines Satirepreises - da werden selbst Ansprachen der Sparkasse zu kurzweiligen Momenten.

Der Maler, Illustrator und Schriftsteller Michael Sowa hat nun den Göttinger Elch erhalten. Mit der Elchbrosche am Revers gehört er nun zu den "Alt-Elchen", von denen viele den Weg ins Deutsche Theater gefunden haben. Auf der Rückreise hat Sowa, der mit seiner Familie angereist war, einen Geldsack mit 3.333,33 Euro sowie 99 Suppen Elch-Rahmsuppe im Gepäck. Und er wird wohl die vielen schönen Worte, die um ihn und führ ihn gefunden worden sind, im Ohr haben.

Es wird kultverdächtig im DT: Die Theater- und Opernregisseurin Michaela Dicu inszeniert den herrlich skurrilen Kosmos des Dr. Frank’N’Furter, der spätestens seit Jim Sharmans legendärer Verfilmung THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW zum Kult geworden ist, mit einer guten Portion Humor und phantastischen Bildern im Großen Haus. Songs wie Science Fiction, Time Warp oder Touch- a touch me bringen unter der musikalischen Leitung von Albrecht Ziepert (bekannt aus WEST SIDE STORY, KOPENHAGEN und HAIR) und mit Musikern aus den Bands Pentatones, Clueso u. a. die Große Bühne zum Flirren.

Montag, 30 September 2013 12:17

Premiere am DT: DAS VERSPRECHEN

Premiere DAS VERSPRECHEN (EA) nach dem Roman von Friedrich Dürrenmatt, Bühnenfassung von Antje Thoms im Deutschen Theater

Da die diesjährige Eröffnungspremiere von Johann Wolfgang von Goethes FAUST! DER TRAGÖDIE ERSTER UND ZWEITER TEIL nicht auf die roten Samtplätz des Großen Hauses, sondern in die Göttinger Lokhalle einlädt, freut sich das Deutsche Theater, dass die Regisseurin Antje Thoms, die zuletzt GEISTER IN PRINCETON und FLEISCH IST MEIN GEMÜSE im Großen Haus inszenierte, am Samstag, 05. Oktober 2013 mit DAS VERSPRECHEN (EA) nach dem Roman von Friedrich Dürrenmatt die Große Bühne zurück erobert.

In einer poetischen Inszenierung begleitet Regisseurin Antje Thoms Kriminalkommissars Matthäi bei der obsessiven Suche nach einem Kindermörder. Mit atmosphärischen Bildern im Stil des Film Noir bringt sie Dürrenmatts Roman, der als »Requiem auf den Kriminalroman« gilt, in einer eigenen Bühnenfassung auf die DT-Bühne.

Dienstag, 17 September 2013 07:24

Premieren am DT

Premieren: FAUST! DER TRAGÖDIE ERSTER UND ZWEITER TEIL, FAUSTiN AND OUT und DEMIAN 14+

Am letzten Wochenende im September startet das DT offiziell mit drei Premieren in die neue Spielzeit 2013/14. Passend zum Spielzeitmotto GLAUBE, LIEBE, FORTSCHRITT, GELD begibt sich Intendant Mark Zurmühle in FAUST! DER TRAGÖDIE ERSTER UND ZWEITER TEIL in der Göttinger Lokhalle an Fausts Seite auf eine Reise durch verschiedene Stationen der Menschheitsgeschichte. Swantje Möller dockt mit Elfride Jelineks Sekundärdrama zu Goethes Urfaust FAUSTiN AND OUT eben an diesen Stoff an und beleuchtet die Rolle der Gretchen-Figur(en) bei Goethe, aber auch solche, die täglich in den Medien auftauchen. Auch Joachim von Burchard, der Leiter des jungen schauspiels, beschäftigt sich mit einem Suchenden: In Herman Hesses DEMIAN 14+ wird der wohlbehütetet Emil Sinclair von dem seltsam alterslosen Max Demian auf dem nicht einfachen Weg zu einem selbstbestimmten Leben als Erwachsener begleitet.

Montag, 02 September 2013 01:17

Kunstvolle Stimmgewalt im Namen des Irrsinns

Eine musikalische Lesung mit Matthias Brandt, Rezitation und Jens Thomas, Klavier und Gesang

Blaues Licht auf schwarzem Hintergrund. Ein schwarzer Flügel. Ein Lesepult, ebenfalls schwarz. So simpel beginnt das Gastspiel von Matthias Brandt und Jens Thomas, das einen so effektvoll in seinen Bann zieht. „Psycho“, eine Lesung der etwas anderen Art lief am Sonnabend im Rahmen der Göttinger Theatertage, ehemals Innenhof-Theaterfestival, die mangels eines Innenhofes vorübergehend im Deutschen Theater untergekommen sind. Der Saal ist brechend voll; alle wollen kollektiv dem Roman von Robert Bloch lauschen, den Alfred Hitchcock mit seinem Film so bekannt gemacht hat. So hatten sicher die meisten verschiedenste Schwarzweißbilder im Kopf, als das Schauspiel begann. Da jedoch die Hauptfigur geistesgestört ist, bot sich den Darstellern eine breite Palette an Interpretationen, die diese auch bunt nutzten.

Schauspieler Matthias Brandt als Vorleser schreckt schnarchend aus einem Nickerchen auf – und mit ihm der ganze Saal -, das Norman Bates beim Lesen gehalten hat. Er schaltet die Leselampe ein, die bei weitem nicht so altmodisch ist wie die, die er gerade beschreibt. Ausufernd gestikulierend und ein Potpourri an Gesichtsausdrücken nutzend lässt er den Zuschauer immer wieder schwanken zwischen Zuhören und Hineingezogenwerden in die verstörende Handlung und den noch viel verstörenderen Geisteszustand seines Protagonisten. Mit diabolischem Blick springt er auf, um sich gleich wieder freundlich lächelnd hinzusetzen und über das Buch zu beugen. Nur um sofort wieder seine Stimme von salbungsvollem Säuseln zu einem kratzigen Geschrei aufzudrehen.

Das würde schon reichen, um Norman Bates quasi sicht- und hörbar zu machen, doch es gibt noch einen zweiten Star bei diesem Stück. Jens Thomas, Pianist und Sänger, mit einer Stimme, die ganz allein jegliche Aufmerksamkeit für einen ganzen Abend fesseln könnte. Ein menschlicher Synthesizer, der selbstvergessen der Erzählung folgt und diese untermalt. Er blickt nicht ins Publikum, scheint ganz bei sich und der Sache zu sein. Er bearbeitet den Flügel als Tasten-, Zupf-, Streich- und Percussioninstrument; mal spielt er so artig, unaufdringlich und leise, dass man ihn beinahe überhören mag; dann wieder kriecht er halb in das Instrument hinein, um direkt auf den Saiten zu spielen oder den Ton der Tasten zu variieren. Oder er singt, dass man seinen Ohren nicht traut. Ist da eine Apparatur am Mikrofon, die die Stimme verändert? Nein, da ist keine Technik im Spiel, er bringt selbst diese hohen klaren Töne hervor, dieses Knarren, Quietschen und Hauchen, womit er am Nervenkostüm des Zuhörers zerrt; aber auch diesen klaren starken Bariton, mit dem er einige seiner Lieder darbietet, darunter eine für diese ungewöhnlich aggressive Interpretation erstaunlich gefällige Darbietung des Heiderösleins von Goethe. Ob das ins Programm passt? Warum nicht, wir folgen den Spuren eines Verrückten...

Nun darf man nicht denken, jeder der beiden mache sein eigenes Programm. Zwar spinnt jeder einen eigenen Erzähl- oder Stimmungsstrang, der das Publikum auf eine Reise durch die vielfältige negative Gefühlswelt des Menschen mitnimmt. Aber alle beide reagieren sensibel auf den anderen, wechseln zwischen Haupt- und Nebendarsteller, gehen voran oder folgen nach. Hin und wieder kann man nicht umhin, zu lachen, aber anders kann man die menschlichen Abgründe, die in dem Stück stecken vielleicht nicht ertragen, wenn sie einem so unmittelbar aufgezeigt werden. Wobei dieser direkte Draht vielleicht in dem großen Saal nicht so gut funktioniert wie es in einem kleineren Raum der Fall wäre.

Nach trommelndem Applaus und einer Zugabe – noch einmal die Duschszene - entlässt das Publikum die beiden aus diesem kurzweiligen Abend.

 

Mittwoch, 04 Juli 2012 11:20

Luftgeist und Erdgeist

Meine Damen und Herrn, liebe Freunde und Förderer des
Deutschen Theaters, liebe Preisträgerinnen !

Es kann kein Zufall sein, dass in dieser Saison auch zwei Instrumente eine besondere Rolle spielen, die sich im ständigen Kontrast miteinander befinden. Schlagzeug und Violine in der Verbindung von Rhythmus und Melodie, die auch unseren beiden Preisträgerinnen sehr vertraut sind.

Es hätte durchaus passieren können, dass sie sich für ein Studium an einer Musikhochschule entscheiden. Zum Glück für uns als Zuschauer und natürlich auch für das DT-Team lockten dann doch mehr die Schauspielschulen in Hamburg und Hannover. Die Gestaltung und Interpretation von Texten und die Klangwelt der Wörter in ihren unendlich vielfarbigen Bedeutungen. Sonst würden wir Vanessa Czapla vielleicht erleben, wie sie mit Bass Drum und Hi Hat, umgeben von einer Batterie von Becken, ein rhythmisch pulsierendes Abenteuer anzettelt, bei dem die Beats bis unter die Herzhaut wollen. Da wo sie ja eigentlich auch hingehören. Und Marie-Kristin Heger würde uns vielleicht in einem dieser Bachschen Violinkonzerte vom Wesen der Töne erzählen und von einem dieser Sehnsuchtsorte in den unendlichen metaphysischen Regionen.

Stattdessen funkte bei Beiden das Theater dazwischen, dem sie auf ihre Weise auch mit diesem besonderen Wissen und der Erfahrung begegnen: Dass es dabei auch um musikalische Stimmungen und Farben geht, um Melodielinien und taktlose Verhältnisse, um den Mehrklang und die Dissonanz, den betörenden Lärm und die berauschende Stille: So machen sie uns für ihre Figuren hellhörig und nachdenklich, im Erforschen von Resonanzräumen, die nun auf der Bühne Gestalt annehmen Luftgeist und Erdgeist, war mein erster Gedanke, als wir in unserer Jury für die neuen Förderpreisträgerinnen stimmten. So wie sich eben ihre Talente auf der Bühne in unterschiedlicher Weise entfalten. Oder um im Bild zu bleiben, in unterschiedlichen Sphären: Ich möchte deshalb mit Ihnen Ausschau nach dem Erdgeist Vanessa Czapla zu halten und nach dem Luftgeist Marie-Kristin Heger: Und wo Sie überall unterwegs und umtriebig sind.


Der Bogen ist gespannt und die Pfeile fliegen, begleitet von einem wissenden Lächeln. Dass sie ihr Ziel erreichen werden und endlich das leidenschaftssehnsüchtige Herz treffen, damit es sich gegen eine systemische Gefangenschaft aufbäumt. Konzentration. Stille.

Der Körper spricht und mit ihm die Hände, die nun nach der imaginären Sehne greifen. Kein wahrnehmbares Wort fällt, kein Satz, keine Aufforderung, jetzt endlich das befreiende Signal anzunehmen. Und doch eröffnet sich nun ein Echoraum für die Gedankenwelt dieser Arikia, die den Mut zur Selbstbestimmtheit aufbringt. Hier rührt Vanessa Czapla nicht nur eine erstarrte Tischgesellschaft auf sondern auch das Publikum. Aufrührend und anrührend ist diese Schauspielerin in vielerlei Hinsicht: Wenn Sie einen Text zu einem lebendigen Organismus macht und sich selbst dabei als Resonanzkörper betrachtet, in dem die Töne angeschlagen werden, die eine Figur grundieren können, um sie bald auch zum Klingen zu bringen. Die Lippen formen nur den Zischlaut für den imaginären Pfeil Arikias, an den sich all die Erklärungen über die Figur anschließen, die nicht gesagt werden müssen: Weil sie bereits aus dieser bewegenden Skulptur einer Jägerin sprechen die, wie es in einem Gedicht heißt, nicht das Leben mit dem Tod verwechselt.

Es ist es immer auch eine musikalische Angelegenheit, wenn sie sagt, dass sie Figur zum Schwingen bringen möchte. Allerdings geht es dabei keineswegs so manierlich zu, wie auf einem Notenblatt oder dann auf einer Textseite, wo die Wörter eine sinnhaltige Partitur bilden. Sie müssen in der Annährung Stolperfallen aushalten, auch mal einen Salto oder eine gedankliche Gegenbewegung, in Schräglage geraten, rückwärts gesprochen oder komplett verdreht. Die Provokation ist mit dabei, der Versuch, warum nicht auch mal anders, selbst wenn's daneben geht. Weil hier die Wahrhaftigkeit auf dem Spiel steht. Und nur um die geht es. Auch mit diesem vorwitzigen, vielleicht sogar vorlauten Vorauspreschen: Im Sinne dieses, glaubt ja nicht, dass ihr so einfach davon kommt. Ihr seid schließlich gemeint. Euch soll der Pfeil treffen.

Sie müssen physisch Wellen schlagen sagt Vanessa Czapla über die Annäherung an ihre Figuren, die sich eben nicht nur verbal mitteilen sondern in ihrer ganzen physischen Ausdrücklichkeit: Wenn es um die gerade akute Sinnfrage geht, die Vision, die sie umtreibt, die Wut oder auch die Verzweiflung. In der Szenenfolge „Das Fest/ Das Begräbnis nahm sie sich als nichts ahnende Gefährtin in einer Familie der sexuellen Obsessionen und Verletzungen all der Anspannungssignale an, mit denen die Konventionen der Außenwelt befriedet werden mussten: Diesem dunklen Trommeln von dem das Herz schon wusste als der Verstand dafür noch nicht ansprechbar war.

Und dann kam in dieser Saison noch Emmi, mit der Vanessa Czapla so wunderbar anecken kann, auch weil sie nicht nur eine wachsame und nachdenkliche Frauengestalt zum Klingen bringt, sondern mit ihr eine couragierte Dünnhäuterin. Die weiß um das Absturzrisiko, wenn sie mit ihren emotionalen Turbulenzen auf einem Seil balanciert, weil es nicht nur um eine andauernde Bodenhaftung gehen kann. „Gut gegen Nordwind" ist eben nicht nur eine launige Liebesgeschichte über ein Paar, das für seine Internet Beziehung vergeblich nach einer realistischen Bodenhaftung sucht. Spätestens wenn es um die typisch männliche und weibliche Rollenmuster geht, die sich hier so liebevoll und ironisch, entfalten kommen die Meinungsbilder ins Trudeln. Natürlich kann Vanessa Czapla die Form der angeblich weiblichen Anpassungsbereitschaft dosieren, so als ob ihre Emmi jetzt vor lauter Sehnsucht in einem emanzipatorischen Backlash verfällt. Doch dann verschiebt sich das Bild ihrer Figur von neuem: Wenn sie nun eine solidarische Aufmunterung für die Zuschauerinnen im DT-Keller vornimmt. Sie klingt schon wieder anders. Und die anderen Stimmen, die jetzt gerade mal Ruhe geben, lauern mit Sicherheit schon auf den nächsten Einsatz, damit vielleicht einer dieser Pfeile trifft und die Verständigung mit einer Bühnenfigur so nahe geht, wie zuvor für Vanessa Czepla.

Eine beeindruckende Erscheinung ist diese Buhlschaft in Mark Zurmühles Inszenierung des „Jedermann" Aber die üblichen Verdächtigen, dass ihr einzig an einer gewinnbringenden Partnerschaft gelegen sei, zerstreut Marie-Kristin Heger, ohne ihre Figur nun auf ein anderes Motiv festzuschreiben. Die weiß die sicheren Verhältnisse zu schätzen, ebenso den attraktiven Zeitgenossen, den generösen Liebhaber und seine gesellschaftliche Position. Doch dafür muss sie ihr Gefühlsleben nicht demonstrativ offenbaren. Auch dann nicht wenn es um das Sterben, die Trauer und den Abschiedsschmerz geht. Ihre Haltung mag souverän und pragmatisch anmuten. Aber hier webt die Schauspielerin auch an dem schützender Mantel für das bewegte Innenleben ihrer Figur, nachdem gefragt werden muss. Sonst wäre diese Buhlschaft nur eine dieser begleitenden Melodien für die Partitur vom Leben und Sterben des reichen Mannes Wachsam und hellhörig ist die Gefangene am Hofe Agamemnons, die in der Orestie die Unfähigkeit zum Frieden erfahrbar macht Es ist ein zwiespältiger Akt von Kraft und Stärke, den Marie-Kristin Heger an ihrer Kassandra ebenfalls in Frage stellt: Mit der antiken Seherin und politischen Chronistin einer kriegerischen Untergangsgesellschaft, die sich im tödlichen Fanal längst erschöpft hat und ihre Müdigkeit noch einmal verbirgt: Für den letzten dramatischen Schlussakkord Es geht oft um das Verbergen und das Verborgene, wenn die Schauspielerin auf der Bühne das Portrait einer Figur entwirft. Sie geht ihren Geheimnissen auf den Grund und nimmt sie dennoch in Schutz.

Die Vertraulichkeit bleibt gewahrt, weil es immer auch um Schattierungen des Möglichen und Wahrscheinlichen geht. Der Schein trügt, in dem sich ihre Eleonore in Goethes „Torquato Tasso" bewegt. Weil sie nicht einfach nur vor dem leidenschaftlichen Affront des impulsiven Dichters zurückweicht, sondern auch dieses hedonistische Geplänkel reflektiert, dass ihr diese höfische Gesellschaft zumutet: Die Effekthascherei der kalkulierten Posen, hinter denen meist eine andre Absicht lauert, der sich diese Figur verweigert. Und das eben innerlich und nicht mit offensiven Gesten. Dem Kritiker, der in der Inszenierung über ihre schauspielerische Blässe mäkelte, möchte ich gern widersprechen. Weil sich hier die besondere Stärke dieser Eleonore wie ein Vexierbild zusammenbraut. In leisen Gesten und sehr fein temperiert. Weil es nicht darum gehen kann, die Figur auf den Punkt zu bringen sondern ihr einen Resonanzraum zu gewähren für ihre Geschichte, die auch eine Geschichte der widersprüchlichen Verweigerungen ist.

Die wird nicht vollständig erzählt, denn es gibt dieses Einverständnis der Schauspielerin mit ihrer Figur, das nie alles sagbar und erklärbar ist. Und dass es auf eine Verständigung ankommt über all diese  Fragwürdigkeiten im Handeln und Empfinden: Was wäre wenn und was könnte sein, was spricht dafür und was dagegen, auch für sie in dieser ständig schwankenden Wagschale Glaubt nicht alles was ihr seht auf Anhieb, mahnen ihre Figuren an, wenn sie ihren Eigenheiten folgen und dabei Defekte und Defizite behaupten müssen, denen sie so gern entgehen würden und lieber auf einen weiteren Umweg hoffen.

Denkt nach und in uns hinein, fordern sie und lasst dabei diese kategorischen Wertungen bei Seite. So wie Marie-Christin Heger ihnen ihre ganze Empathie widmet, wenn sie aus vielen kleinen Facetten ein Portrait entstehen lässt, das wie ein Vexierbild in Bewegung bleibt, ohne seine Bruchkanten und Schnittwunden zu verschleiern. Die können schon bald erneut aufbrechen und manchmal auch so radikal wie in dieser Zauberberg Variante, wo sie ihre ganze Courage in die Wagschale legt, um den widerspenstigen homo politicus als wütender Kläffer zu enttarnen.

Auf der DT Bühne sind sich Vanessa Czapla und Marie-Kristin Heger noch nie begegnet. Und noch ist auch keine Produktion in Sicht, in der die beiden Preisträgerinnen gemeinsam auftreten Bis dahin fasziniert erstmal der Gedanke eines gemeinsamen Resonanzraumes: Das könnte spannend werden, wenn der Luftgeist auf den Erdgeist trifft: Wenn ihr Schauspiel physisch Wellen schlägt und ebenso sehr in Gestalt eines zerbrechliches Bildes und seiner Geschichte berührt:

Und beide weiterhin erfahrbar machen, was die Tänzerin Pina Bausch Mit der Haut eines Fremden beschrieben hat, die nicht fremd ist sondern ein Teil von uns. In diesem Sinne versteht sich auch das poetische post scriptum von Walter Helmut Fritz: Als kleine Widmung für zwei Schauspielerinnen, die auf ihre Weise mit Mut und Neugier beflügeln. Mit ihrer besonderen Aufgeschlossenheit und mit diesem liebevollen Engagement für ihr Figuren.

Während sie den Apfel nimmt und horcht
versteht sie
zwei Körper als
zwei sich folgende Wellen
weiß sie
dass es nie genug Lippen geben wird
von den Verwandlungen zu sprechen

ahnt sie
dass Menschen immer wieder
das leben mit dem Tod
vertauschen werden

sucht sie
Antworten auf Fragen,
die noch niemand gestellt hat.

während sie den Apfel nimmt
und horcht.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.
Tina Fibiger, Göttingen, 1. 7. 2012

MittagsfrauEine ganze Nacht lang wartet der Junge auf seine Mutter. Sie hat ihn am Bahnhof zurückgelassen, ihn einfach so in die Einsamkeit verstoßen. Nach dem Prolog blendet Julia Francks Roman "Die Mittagsfrau" zurück. In die Anfänge eines kriegerischen Jahrhunderts und in die Geschichte einer Familie mit ihren zerstörerischen Zumutungen. Doch auch entlang der historischen Spur bleibt die Frage unbeantwortet, was diese Helene dazu bringen konnte, den 9jährigen Peter auszusetzen. Nichts wird diesen Prolog korrigieren, auf den Volker Hesse bei seiner Bühnenfassung des Romans immer wieder zu sprechen kommt. Seine eigene emotionale Berührbarkeit sei der Einstieg gewesen und weniger die historische Konstellation, sagt er. Das Wissen um Verlassenheitsängste und die Verlorenheit eines Kindes und auch die Begegnung mit einer Geschichte der Schmerzerfahrungen, die Menschen wie diese Helene gefühlsstumm werden lassen.

Bereits Ende Mai begannen am Deutschen Theater die Proben für "Die Mittagsfrau", die nach den Theaterferien für die Premiere am 9. Oktober wieder aufgenommen wurden.

dt-foerderpreis-2012Vanessa Czapla und Marie-Kristien Heger haben den mit 1.000 Euro dotierten Nachwuchsförderpreis im Deutschen Theater erhalten. In einer Feierstunde im Keller des Theaters überreichte der Vorsitzende des Fördervereins Harald Noack die Urkunden an die beiden Schauspielerinnen.

Tina Fiebiger als Mitglied der Jury und Intendant Mark Zurmühle hielten zwei Laudationes aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und würdigten die beiden Preisträgerinnen. Aus beiden Ansprachen wurde deutlich, dass die Kriterien für den Preis auf Vanessa Czapla und Marie-Kristien Heger voll und ganz zutreffen: Glaubwürdigkeit, Rollenpräsenz und Wandlungsfähigkeit.

Tina Fiebiger wies das anhand der verschiedenen Rollen nach, die die beiden in der vergangenen Spielzeit verkörpert hatten. Sie schloss mit der Vorfreude auf die Spielzeit, in der die beiden tatsächlich gemeinsam auf der Bühne stehen: der "Erdgeist" Vanessa Czapla und der "Luftgeist" Marie-Kristien Heger.

Mark Zurmühle zeichnete die Charaktere der beiden Preisträgerinnen nach und verglich sie mit den Anforderungen an die Schauspielkunst. Mit sehr persönlichen Worten lobte er beide Schauspielerinnen - und gab wegen ihrer besonderen Fähigkeiten offen eine Liebeserklärung an beide ab.

Das taten auch die beiden letztjährigen Preisträger, Marie-Thérèse Fontheim und Gerrit Neuhaus. Beide machten Vanessa Czapla und Marie-Kristien Heger Heiratsanträge auf offener Bühne.
"Trauzeugen" waren die zahlreichen Gäste im DT-Keller. Sie hatten vielfach Gelegenheit zu schmunzeln und sparten nicht mit ihrem Lohn für die Akteure im Theater - mit Applaus.

Die Laudatio von Tina Fibiger können Sie hier online nachlesen

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