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Sonntag, 26 Februar 2017 10:14

Bittersüße Untiefen

Die „Nachtbar“ im Deutschen Theater - eine Szenische Lesung mit Texten von Viola Köster

Schläft ein Clown… - So lautete der Titel der DT-Nachtbar am letzten Freitag im Monat Februar. Die winzige Bühne im „Bellevue“ des Deutschen Theaters ist liebevoll ausgestattet. Und aus dem Bühnenbett krabbelt nicht ein Clown. Dafür Bardo Boehlefeld und Frederik Schmid, dazu gesellt sich Katharina Uhland. Gemeinsam bilden Sie das Ensemble dieser Nachtbar. „Das Ensemble ist tot, es lebe das Ensemble“ lautet das Motto im Prolog.

Es folgen neun Szenen, alle aus der Feder von der Dramaturgin Viola Köster. Neun Szenen, die zum Teil eine hohe textliche Qualität haben. Und neun Szenen, in denen sich die drei Schauspieler wunderbar verwandeln und sichtlich Freude am Spiel haben. Neun Szenen, die vor allem eines gemeinsam haben: den bittersüßen Grundton.

Ob nun die schauspielenden Schauspieler, die immer weiter spielen müssen. Oder der Inhaber des syrischen Reisebüros, der keine Reisen nach Syrien verkaufen kann: er muss seinen Laden räumen, damit dort eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet wird. Oder die drei Betrachter von Tretbooten, die sich grundlegende Gedanken zum Fortschritt machen, bevor die Szene im Massaker endet. Oder der Gemüsehändler, der am Weltfrieden scheitert und am Ende keine Handgranaten mehr anbieten kann.
Allen Szenen ist gemeinsam, dass sie zunächst vordergründig komisch sind. Viola Köster versteht es in ihren Texten, den Bruch nicht ins Absurde zu vollziehen, sondern ins Hintergründige, Abgrundtiefe. Text und Schauspieler nehmen das Publikum mit.
Eine großartige Szene ist die zwischen den beiden Freunden, die sich in der Nacht unverhofft nahe gekommen sind. „Du hast auf mir draufgeschlafen!“ – „Würdest Du zu mir passen, hättest Du's gleich gemerkt.“ Als Zuschauer ist man hin- und hergerissen zwischen Lachen und Mit-leiden.

Die Quintessenz des Abends taucht unvermutet auf:

Es gibt keinen Halt
Es gibt keine Gewissheit
Es gibt nichts das bleibt
Es gibt Vergänglichkeit Punkt

Und nur deshalb können wir den Abend trotz der Untiefen genießen, trotz Zimtwuppis und schwäbischen Zimt-Zipferl. Oder auch wegen. Am Ende bleibt nur die Erkenntnis für dieses wunderbare Format „Nachtbar“, in dem sich Theater und Publikum so nahe kommen:

Es gibt eine Gewissheit Doppelpunkt
Da ist ein Zusammenhalt zwischen Dir und mir

Uraufführung „Die Nutznießer – »Arisierung« in Göttingen“ am Deutschen Theater

Die Lausprecherwand auf der Bühne rückt allmählich näher. Aber das so unauffällig langsam, dass die Schauspieler zunächst den Eindruck machen, als fühlen sie sich inzwischen bedrängt von all den Mappen und Ordnern und einem bürokratischen Labyrinth aus Vermerken, Anordnungen, Listen und Protokollen, wie sie in den Jahren 1933 bis 38 nicht nur in Göttingen alltäglich war. Aber genau hier hat Autorin Gesine Schmidt ihre dokumentarischen Recherchen über die Phase der Arisierung angesiedelt: Über die systematische Diskriminierung, Ausgrenzung und Enteignung der jüdischen Göttinger Bevölkerung und die allmähliche Vernichtung der Menschenwürde.

„Die Nutznießer“ in der Inszenierung von Marcus Lobbes ist kein Theaterabend, der sich an der dramatischen Zuschaustellung von historischem Alltag mit realistischem Personal und fiktiven Dialogen versucht. Er lässt, wie es Schmidts Text auch fordert, die Akten sprechen: Auch die Briefe und die Augenzeugenberichte, wie sie im Stadtarchiv lagern und im Hauptstaatsarchiv lagern und nun eine Stimme bekommen. Benedikt Kauff, Benjamin Kempf, Frederik Schmid, Moritz Schulte und Katharina Uhland bilden eine Gruppe von Archivaren, die betont sachlich auftreten, während sie sich in die protokollierten und bekundeten Vorgänge vertiefen, wenn sie jetzt aus den Erinnerungen der Familie Hahn lesen, über die Reichspogromnacht, den Briefwechsel mit der Glasversicherung und die nachfolgende Hausdurchsuchung.

Wenig später wird die Beschwerde vom Kaufmann Max Rotenberg abgelehnt, man möge das Schild „Juden unerwünscht“ vor seinem Grundstück Reinhäuser Landstraße 55 entfernen. Da planen Ludwig und Greta Löwenstein bereits ihre Emigration und müssen ihre Habe bis auf den letzten Silberlöffel peinlich genau auflisten, Noch sind die Gesetze nicht in Kraft, die ihnen bei der Ausreise eine Schändung des Volksvermögens vorwerfen. Göttingens damaliger Bürgermeister Albert Gnade positioniert sich selbstbewusst als fanatisch hassender Antisemit und SS Standartenführer - auch wenn die ein oder andere Hausfrau ja doch ganz gern in jüdischen Geschäften einkaufte. Es fehlt auch nicht an bekräftigenden Kommentaren, als die jüdischen Nachbarn mehr und mehr vom wirtschaftlichen und sozialen Leben ausgeschlossen und ihr Besitz enteignet wurde. Viel schriftlichen und presseöffentlichen Beifall gab es auch für die Arisierung von Häusern und Wohnungen, deren jüdische Mieter sich vergeblich mit Klageschriften zur Wehr setzten: Zum Nutzen derer, die mit jeder Reichsmark zu ihren Gunsten um jüdische Geschäfte und Besitztümer von Wert schacherten.

Es will einfach kein Ende nehmen mit den Zumutungen und den behördlichen Diktaten, die schließlich in die Deportationslisten münden. Manchmal peinigt der sachliche Tonfall, wenn die Schauspieler nach einem weiteren Ordner greifen und nach dem einzelnen Blatt. Etwa um nun zu Bekunden, dass das 2. Polizeirevier keine Verstöße gegen das Ausgehverbot zu vermerken hatte und dass gemäß der Aufstellung des Göttinger Finanzamtes 81 Juden aus Göttingen und vier aus Bovenden mit dem zweiten Transport „abzuwandern“ hätten. Aber diese peinigende Wirkung ist auch ein Element dieses Theaterabends, der den Zuschauern enorm viel Aufmerksamkeit für ein Horrorkabinett abverlangt, das immer noch aktenkundig ist. Dazu gehört auch das abschließende Dossier aus den Nachkriegsjahren, als das Thema Widergutmachung auch die Juristen beschäftigte.

Ebenso erschreckend wie peinigend mutet der juristische Jargon an, bereinigt von jedem Hinweis auf den politischen Kontext. Da wird beim Thema Wiedergutmachung mit dem Begriff freiwillige Zwangsenteignung argumentiert, als ob der menschenvernichtende NS Staat nicht verhandelbar sei. Von der Bühne poltern inzwischen mehr und mehr Lautsprecher, und die Wand, in der in sich jetzt unzählige Blätter und Mappen befinden, drängt auch die Schauspieler über die Kante. Jetzt verstummt das Stimmengewirr mit diesem monotonen Rauschen aus den Lautsprechern, für das aktuelle rassistische Kommentare collagiert wurden. Vermutlich klingen sie hörbar genauso wie die Stimmen derer, mit denen die Inszenierung dieser Chronologie über die Arisierung in Göttingen hellhörig macht und warnt.

Seit 1992 ist Schauspieler Lutz Gebhardt in Göttingen, nun feiert er 25-jähriges Dienstjubiläum. Der ausgebildete Schlosser hat an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig Schauspiel studiert und arbeitete zunächst am Theater Plauen-Zwickau sowie am Staatstheater Kassel. Am Theater Plauern erhielt er eine erste Rolle in »Einer flog über das Kuckucksnest«.

In Göttingen spielte er beispielsweise den Hauptmann von Köpenick, Torquato Tasso, die Palme in »Dschungelbuch« oder Thispe in »Der Sommernachtstraum«.

In dieser Spielzeit ist er unter anderem in Taboris »Mein Kampf«, Theodor Fontanes »Irrungen, Wirrungen« und in der Uraufführung »Sofja« zu sehen.

Samstag, 28 Januar 2017 12:47

Am Ende gab es nur Sieger

DT Nachtbar sucht den "DT Vogel des Jahres"

Willkommen zum DT Bird Awards – gesucht wird der DT Theatervogel des Jahres. Charmant führen Katharina Uhland und Bardo Böhlefeld durch den Abend. Und damit auch nichts schiefgeht, hielt der Praktikant die passenden Schilder wie „Applaus“ oder „Lachen“, „Hilfe…“, „Ich bin unterbezahlt“ oder „Heute Abend kein Martin Luther“.

Dass ursprünglich ein Abend mit 95 Thesen und dem Motto „95 mal Luther“ angesetzt war, war nicht weiter schlimm. Luther kommt später, das Reformationsjahr hat schließlich gerade erst angefangen.

Der Theatervogel jedenfalls konnte nicht warten. Wegen der spontanen Umplanung war die Statue allerdings nicht fertig geworden. Das erledigte der Tischler Nikolaus Kühn während der Vorstellung neben der Bühne. Nicht immer geräuschlos – was den Einen oder die Andere bisweilen aus der Fassung brachte. Oder bringen sollte. Die Lacher im Publikum hatte Kühn auf seiner Seite – sogar ohne das entsprechende Schild.

Die Bewerberinnen und Bewerber um den Vogel standen Schlange. Der Feuerschlucker Andreas Jeßing konnte knapp davon abgehalten werden, das traditionsreiche Haus am Wall abzufackeln. Dafür schminkte Charlene Middendorf eine Sackgasse ins Gesicht einer Zuschauerin. Die FSJlerinnen Anne und Thea sangen zur Gitarre, Benedikt Kauff las aus seinen Memoiren, Dorothee Neff gab eine japanische Tempel-Meditation zum Besten („Hilfe“), Jan Huttanus sang einen herzerwärmenden Blues („Ich vermisse George W. Bush“), die Gardobieren Irene Bodeshinsky und Sabine Döring zogen Bardo Böhlefeld so schnell und schick um, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskam, Michael Frei experimentierte mit Klängen (die am Ende in Filmmusik mündeten) – es spannte sich ein äußerst unterhaltsamer und kurzweiliger Bogen. Den Vogel schoss Andrea Strube ab: „Ich lese für mein Leben gerne Gebrauchsanweisungen!“ Gesagt – getan. Die Gebrauchsanweisung für einen Akkuschrauber wurde von ihr so sinnlich vorgetragen, dass der Applaus nicht enden wollte. Dazu kamen noch diverse Haushaltsempfehlungen. Aus dem Abend hätte auch glatt eine Tupper-Party werden können.

Am Ende gab es nur Sieger. Zu denen gehörte auch Tobias Mertke, der gemeinsam mit Katharina Uhland und Bardo Böhlefeld diese wunderbare Late-Night auf die kleine Bühne im Rang gebracht hat.

Die nächste Nachtbar gibt es am 24. Februar um 23 Uhr im Rangfoyer des Deutschen Theaters. Der Eintritt ist frei.

Dienstag, 03 Januar 2017 12:56

Lieblingstexte des Ensembles

Bardo Böhlefeld liest am Mittwoch, den 11. Januar um 20.00 Uhr im DT — 2 des Deutschen Theater Göttingen Lieblingstexte des Ensembles. Entstanden ist bei der Materialsuche für diese Lesung eine bunte Mischung aus den verschiedensten Genres, die sowohl Unterhaltsames wie auch Nachdenkliches und Berührendes für den Zuhörer bereithält. Die Texte und Geschichten reichen von Lewis Carrolls »Alice im Wunderland« bis Tolstois »Anna Karenina«, von Bertolt Brecht bis Horst Evers, von »Momo« bis Kurt Schwitters. Es wird vieles zu entdecken sein. Wie gesagt, 26 Schauspieler legten ihre Lieblingslektüre vor.

Karten und Infos unter 0551.49 69-11 / www.dt-goettingen.de

Im Anhang finden Sie ein Motiv bezüglich der Lesung

 

Die Schauspieler des Deutschen Theater Göttingen Bardo Böhlefeld, Roman Majewski und Andreas Jeßing treffen in den kommenden Tagen Göttinger Politiker, um mit Ihnen im Rahmen der Aktion »40.000 Theatermitarbeiter treffen Ihre Abgeordneten« über die Arbeitsbedingungen des künstlerischen Personals am Theater zu reden. Im vergangenen Frühjahr wurde die erste bundesweite Ensemble-Versammlung einberufen und über die teils prekären Arbeitsbedingungen von Schauspielern gesprochen. Daraufhin wurde die Aktion »40000 Theatermitarbeiter treffen ihre Abgeordneten« vom neu gegründeten Ensemble-Netzwerk zusammen mit der Dramaturgischen Gesellschaft und des Bundes der Szenografen ins Leben gerufen, um die Politiker zu überzeugen, mehr Steuergelder auszugeben. Es werden an allen öffentlichen Theatern Arbeitszeiterfassung, Gagentabellen, Freizeitausgleich, Überstundenbezahlungen, Gleichbezahlung von Männern und Frauen gefordert.

In Göttingen stehen die Politiker Tom Wedrins von der SPD, Mehmet Tugcu von Die Grünen und Dr. Thomas Häntsch von der CDU für Gespräche zur Verfügung.

Indien - Eine Tragikomödie von Josef Hader und Alfred Dorfer: Premiere im Deutschen Theater

Mittwoch, 23 November 2016 19:45

Ein Stück Leben bleibt dran hängen

Theodor Fontanes Romanadaption „Irrungen und Wirrungen“ auf der DT-2 Bühne

Montag, 21 November 2016 15:24

Wir können auch große Bühnenbilder

Don Karlos von Schiller – ein Monolith im Repertoire der Theater. Generationen von Schülern durften dieses „dramatische Gedicht“ interpretieren – was ist dazu nicht schon alles gesagt und geschrieben worden.

Dienstag, 08 November 2016 08:17

Auch Superman ist korrumpierbar

Erich Sidler inszeniert Alan Ayckbourns Komödie „Familiengeschäfte“

Freitag, 04 November 2016 12:51

Wie schwer ein Herz werden kann und wie leicht

DT Mobil mit Peter Turrinis Schauspiel „Josef und Maria“ im Modehaus Woggon

Dienstag, 01 November 2016 08:16

Viel Zeit zum Staunen

Am Deutschen Theater träumt das Gänseliesel einen märchenhaften Theatertraum

Samstag, 29 Oktober 2016 13:35

Egal, wohin die Reise geht

"Mephisto lungert in Papua – ein dramatischer Reisebericht" - Nachtbar mit Frederik Schmid im DT

Dienstag, 25 Oktober 2016 20:57

Von Buenos Aires nach Paris

Göttinger Tango-Tänzer erzählen die Geschichte des Tangos im Deutschen Theater

Eine Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens am 17. Dezember im Deutschen Theater. Karten online hier im Kulturbüro Göttingen

Die Uraufführung von „PEAK WHITE oder Wirr sinkt das Volk“ am Deutschen Theater

Alan Ayckbourns Krimikomödie „Falsche Schlange“ auf der DT-X Bühne

„Mein Kampf“ George Taboris Farce am Deutschen Theater

Montag, 19 September 2016 08:32

Treffer aus der Tiefe des Raumes

Wer hat Angst vor Virginia Woolf -Edward Albees Klassiker inszeniert von Erich Sidler im DT-2

Das Deutsche Theater eröffnet mit der Operette "Im weißen Rössl" die neue Spielzeit

Sonntag, 19 Juni 2016 16:46

Jedem Abschied wohnt ein Zauber inne

Nachtbar zum Abschied vom Deutschen Theater

Freitag, 17 Juni 2016 17:29

Musikstadt Göttingen

Das Göttinger Symphonie Orchester, die Internationalen Händel-Festspiele und das Deutsche Theater Göttingen kooperieren miteinander und geben ab der Spielzeit 2016/17 ein gemeinsames Abo »Musikstadt Göttingen« heraus. Mit diesem Abo setzen die großen Göttinger Kulturinstitutionen ein Zeichen ihrer  Verbundenheit.

Am Sonntag erhielten die Schauspieler Felicitas Madl und Moritz Schulze den "DT Förderpreis" verliehe. Die Laudatio hielt Tina Fibiger. Der Text dieser Laudatio ist hier nachzulesen:

Dienstag, 07 Juni 2016 14:29

Schön böse und schön hinterlistig

„Die lächerliche Finsternis“ auf der DT-2 Bühne

Dienstag, 07 Juni 2016 10:17

Die Scham ist vorbei

Alpträume aus dem Deutschen Alltag in der DT Inszenierung „Die schöne Fremde“

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