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Der Handel mit Bedürfnissen und Projektionen

„In der Fremde“  von Rebekka Kricheldorf auf der DT-2 Bühne

Wie lang die Bar geöffnet hat? Ist doch egal. Der neue Gast ist noch nicht reif für einen Urlaubsdeal; anders als die Stammkunden, die auf einen Vorrat an minderjährigen Lovern vertrauen oder auf prosperierende Geschäfte und sich die Zeit mit einer weiteren Wasserpfeife vertreiben.

„In der Fremde“ hat Rebekka Kricheldorf ihr neues Stück genannt, das in der Inszenierung von Erich Sidler auf der DT-2 Bühne uraufgeführt wurde. Vordergründig geht es dabei um die Glücksversprechen, die in Reiseführern und Hochglanzprospekten sorgfältig vermieden werden. Die Hoffnung auf ein paar Wochen Sex und Drugs und Rock’n Roll, weil daheim die Libido streikt, das Single Dasein mit zunehmendem Alter nur noch frustriert oder das Beziehungsleben zum Zweckbündnis verkümmert ist. Damit begibt sich die Szenenfolge „In der Fremde“ auf heikles Terrain, wenn es um Sexarbeiter im Kindesalter geht, das Geschäft mit der Prostitution von jungen Frauen und Mädchen  und das mit attraktiven Beachboys. Dennoch findet an diesem Abend keine dramatische Abrechnung mit den sexuellen Nöten frustrierter Wohlstandsbürger statt, die ihre Bedürfnisse in Armutsregionen mit exotischem Flair ziemlich preiswert ausleben. Die Szenen umkreisen den Alltag von Glücksspekulanten und was sie dabei an Selbsttäuschungsmanöver betreiben. Sexuelle Kinderarbeit trägt schließlich zum Unterhalt von Großfamilien bei, argumentiert der Päderast. Und dass die Käuflichkeit attraktiver junger Mexikaner Touristinnen zu mehr als nur sexuellem Marktwert verhilft, möchte die reisende Feministin gern bestätigt sehen.
Mit der Theke, der Musikbox und einem Bambusvorhang über die ganze Breite der Spielfläche hat Bühnenbildner Gregor Müller die DT-2 Bühne sparsam möbliert. Die Barkeeper wechseln mit den Gästen, die hier ihre spekulativen Bedürfnislagen ausbreiten. Das Schauspielteam mit Gabriel von Berlepsch, Elisabeth Hoppe, Rebecca Klingenberg und Gerd Zinck flaniert zwischen den Typen und ihren Bekenntnissen. Sie lassen sich als Päderasten, schlichte Profiteure und Junkies outen, als kämpferische Feministin oder als störrisches Akademikerpaar, das in der Fremde sein Beziehungsheil sucht. Mitunter wirken sie wie zerzauste schräge Vögel, die einfach nur ein bisschen exzessiver mit ihrem Frustgepäck spekulieren und dabei immer wieder stranden. Mehr als ihre touristische Zahlungskraft ist schließlich nicht gefragt, egal ob es um sexuelle Phantasien geht, romantische Liebesträume, den Export von Sinnkrisen in tropische Gefilde.

Kricheldorf lässt ihre Figuren auch über moralische Attitüden und Geschlechterkonventionen herziehen, denen sie nicht einmal in der Fremde entkommen. Über befremdende Kulturen und ihre Traditionen ablästern gehört dazu, wenn der touristische Fleischmarkt nicht den Erwartungen entspricht. Und da unterscheiden sich Bildungsreisende, Backpacker und Aussteiger nicht allzu sehr voneinander, wenn die Autorin sie in eine Genderdebatte verwickelt, männliche und weibliche Rollenmuster auflaufen lässt und sich über einen Globaltourismus mokiert, der wie die Fortsetzung des historischen Kolonialismus mit anderen Mitteln anmutet. Viel Stoff für einen Theaterabend, der sich jetzt für eine soziologische oder kulturkritische Lesart entscheiden könnte, um mit dem Thema Sextourismus Ursachenforschung zu betreiben. Erich Sidler hat das Stück wie einen Episodenreigen inszeniert, in der all diese Themen und Motive bruchstückhaft aufblitzen. So sehr sie auch vom Lamenti der Barbesucher und ihren akuten Befindlichkeiten überlagert werden. Sie halten sich an diesem Abend hartnäckig im Hintergrund, auch wenn die Glücksspekulanten auf diese Art von Warnhinweisen gern verzichten.

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