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Anzeige der Artikel nach Schlagwörtern: Junges Theater

Freitag, 17 Februar 2017 13:40

Tausendmal berührt! - Freikarten zu gewinnen

Das Kulturbüro Göttingen und das Junge Theater verlosen 2 Freikarten für die Aufführung des Erfolgsstückes "Tausendmal berührt" am Dienstag 28. Februar um 19.30 Uhr in der JVA Rosdorf. 

Ausgelost werden zwei Karten unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Teilnahme erfolgt durch einen Kommentar unter diesen Artikel oder auf der Facebookseite des Kulturbüros.

Zum Auftakt der Feierlichkeiten anlässlich des 10jährigen Bestehens der JVA Rosdorf gastiert das Junge Theater Göttingen mit einer special edition der gefeierten Musikshow "Tausendmal berührt!" an einem äußerst ungewöhnlichen Ort. Erleben Sie Songs von Herbert Grönemeyer, BAP, Udo Lindenberg, Wolf Maahn, Konstantin Wecker und vielen Superstars der deutschen Rockmusik im einzigartigen Ambiente der JVA Rosdorf und erfahren darüber hinaus viele interessante Fakten zur Geschichte und Funktion der Institution.

Aus Sicherheitsgründen können nur personalisierte Eintrittskarten ausgegeben werden. Wir bitten die Gewinner deshalb, sich beim Jungen Theater sowie bim Einlass am Abend der Veranstaltung in der JVA sich mit einem gültigen Dokument (Reisepass, Personalausweis) auszuweisen.

Ferner weisen wir darauf hin, dass das Einbringen von Handys, Fotoapparaten, Schusswaffen, Pfefferspray sowie Hieb- und Stichwaffen nicht erlaubt und den Anweisungen der Mitarbeiter Folge zu leisten ist.

Stichtag ist Dienstag, der 21. Februar 2017 um 12 Uhr. Die Auslosung erfolgt unter allen Absendern der Kommentare auf dieser Seite oder der Facebookseite. Die Gewinner werden per Mail oder persönlicher Facebook-Nachricht informiert.

Dienstag, 06 Dezember 2016 21:52

Engagierte Anteilnahme

Ziemlich beste Freunde - Der Filmerfolg auf der JT Bühne

Freitag, 18 November 2016 10:32

Premiere von 'Ziemlich beste Freunde'

Am 3. Dezember um 20 Uhr hat die Tragikomödie ZIEMLICH BESTE FREUNDE nach dem gleichnamigen Film von Éric Toledano und Olivier Nakache Premiere. Inszeniert wird sie von dem erfahrenen Regisseur Axel Richter.

Der Literaturherbst zu Gast bei Betten Heller

Montag, 24 Oktober 2016 13:33

Krieg – stell dir vor, er wäre hier

Ein dramatischer Blick auf Flüchtlingsschicksale am Jungen Theater

Die Gastspielreise des Jungen Theaters geht weiter: Mit dem Theaterstück über den Strukturwandel im ländlichen Raum 2030 – ODYSSEE IM LEERRAUM ist das Ensemble beim 3. Demografiekongress in Hannover zu Gast. Danach führt die Reise nach Gelliehausen und Adelebsen.

Nico Dietrich inszeniert Shakespeare zur Saisoneröffnung im Jungen Theater

Montag, 05 September 2016 16:28

Saisonstart mit "Hamlet"

Das Junge Theater startet mit der Premiere von HAMLET von William Shakespeare in der Inszenierung des Intendanten Nico Dietrich am Freitag, den  9. September 2016 um 20 Uhr in die neue Spielzeit. Tickets für die Premiere und die weiteren Vorstellungen bekommen Sie hier online im Kulturbüro Göttingen, an der Theaterkasse und an allen Reservix-Vorverkaufsstellen.

Samstag, 11 Juni 2016 10:26

Märchen über die Menschheit

König Artus und die Ritter der Tafelrunde - Der JT Jugendclub erforscht die mittelalterliche Sagenwelt

Freitag, 10 Juni 2016 14:14

Wir sind mit uns im Reinen

Rückblick und Ausblick im Jungen Theater - Premieren und Projekte

Samstag, 04 Juni 2016 06:55

Von Träumen und anderen Ängsten


Ein faszinierendes Bühnenabenteuer mit dem JT Ausreißerclub

Große Worte rotten sich da zusammen und geben zu denken. Zunächst noch ganz vereinzelt werden sie für jeden Darsteller auf der Bühne des Jungen Theaters erst mal zum Schutzschild. Kann man sich wirklich auf solche Sätze wie die von Schiller, Mutter Teresa oder Voltaire stützen, mit all den Gefühlen des Eingesperrt seins nachts in der Schulaula? Vielleicht tröstet die Erkenntnis des Malers Henri Matisse, dass es überall Blumen gibt für den, der sie sehen will. Aber jetzt auf einen Spruch von Napoleon zu vertrauen, dass das Schlimmste in allen Dingen die Unentschlossenheit sei, ist auch nicht so einfach. Ein starker Chor vermag das, mit allen Jugendlichen, die hier das Team des JT Ausreißerclubs bilden und vorn an der Rampe ihr ganz persönliches Motto erneut zur Sprache bringen.
Von nun an geht es in ihrer Szenenfolge „Von Träumen und anderen Ängsten“ auch nicht mehr um Neid und Konkurrenz, Stärken, Schwächen und all die versteckten Gefühle, die den Schulalltag begleiten. Jetzt kommt es zu Einsichten und zu ersten Mutproben von Offenheit, die auf Anhieb klappen. Das sah zunächst noch ganz anders aus.

Zwischen unzähligen beschriebenen und bedruckten Blättern, die auf der Bühne verstreut sind, bilden sich ständig neue Fraktionen. Es ist wie an anderen Tagen auch, wo neue Klamotten bestaunt werden, wieder mal einer ins Abseits gedrängt wird und die Langweiler am besten für sich bleiben. Es braucht nicht viele Worte, wer gerade mit wem nicht klar kommt, zu den Strebertypen gehört oder nur genervt ist von seiner neuen Patchworkfamilie, mit der er auch noch im Unterricht klarkommen muss. Und weil sich daran scheinbar auch nichts ändert, spielen die Jugendlichen die Szene gleich noch mal. Aber erst nachdem sie wie für das jährliche gemeinsame Klassenfoto in Pose begeben haben. Einmal kurz lächeln ist angesagt, bis die verschiedenen Cliquen einen neuen Standort gefunden haben und Andere abblocken. Alles leichter, als sich allein gelassen und hilflos zu fühlen mit dem, was sich da gerade an Gedanken mit der Angst vor der Dunkelheit verschwört. Aber auch diesen Stimmen stellen sich die jungen Theatermacher unter der Leitung von Christoph Scholz vom JT Ensemble.

Es sind ihre Ideen und ihre Motive, mit denen sie ihre Figuren gestalten, bis hin zu den Lichtstimmungen und den musikalischen Akzenten, über die sie in den Proben mit diskutierten. Dabei muss auch ein bisschen unheimlich sein, wenn der Bühnennebel sich ausbreitet und die Gesichter von blitzartigen Leuchtspuren erfasst werden, wenn wieder einer an der verschlossenen Tür gerüttelt hat. Gedanken an den Tod und wer einen dann noch vermisst, sind dann eben nicht einfach nur gruftig sondern auch ziemlich schmerzhaft. Ebenso spannend ist es dann mitzuerleben, wie die Jugendlichen auf das befreiende Moment zuhalten. Dass es dabei vor allem um innere Türen geht, die scheinbar verriegelt waren und um all diese Unsicherheitsfaktoren, die bislang so schön getarnt hinter selbstbewussten Auftritten und schüchternen Masken lauerten.

Beim gemeinsamen Chor ist jede Figur mal bei sich angelangt. Aber auch hier braucht es eben mehrere Versuche, bis auch die Sätze von Montessori, Defoe oder van Gogh nicht mehr den Einzelkämpfer stützen sondern gemeinsam stark machen. Zunächst noch in kleinen Gesten und auch eher vorsichtig werden Wünsche und Träume ausprobiert, die auch keine Wiederholung brauchen. Am Ende dieses Bühnenabenteuers haben sich eine ganze Menge Ängste verflüchtigt, mit dem sich der Ausreißerclub einen faszinierenden Bühnentraum auch spielerisch erträumt hat.

Mittwoch, 25 Mai 2016 21:05

Bewerbung zum Kulturpreis des Landkreises

„Amateure spielen Theater“ – der Kulturpreis des Landkreises Göttingen wird am 23. Oktober im Jungen Theater verliehen. Der Countdown läuft! Theaterbegeisterte können sich noch bis zum 30. Juni 2016 bewerben.

Samstag, 23 April 2016 21:16

Wo bleibt der Widerstand?

„Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ am Jungen Theater.

Samstag, 16 April 2016 00:05

Die Freiheit im Traum und anderswo

Joseph von Eichendorffs Roman „Aus dem Leben eines Taugenichts“ als Koproduktion des Deutschen und des Jungen Theaters

Dienstag, 12 April 2016 23:49

Fear and Loathing in Göttingen

Benjamin von Stuckrad-Barre liest aus „Panikherz“ im Jungen Theater

Montag, 14 März 2016 16:05

Wer sind wir?

„Wir sind keine Barbaren!“ von Philipp Löhle

Junges Theater – Premiere des Georg Büchner-Abends in Kooperation mit der Schauspielschule Kassel

Dienstag, 02 Februar 2016 15:54

Ein grandioses Musikspektakel ohne Worte

„Money, Money, Money“ am Jungen Theater

Songtexte können viel erzählen von Stimmungen, Sehnsüchten, Hoffnungen und Katastrophen. Manchmal sogar mehr, als es gesprochene Worte vermögen. Das Junge Theater lässt es darauf ankommen. In der Inszenierung von Milena Paulovics und den musikalischen Arrangements von Fred Kerkmann spricht einfach nur die Musik, ohne Dialoge und erklärende Zwischentext. Und das über ein Thema, das besonders viel Gesprächsstoff bietet: „Money, Money, Money“. Es geht um das Thema Geld, wie es unseren Alltag diktiert, unsere Vorstellungen von Glück, Erfolg, Sicherheit und Versagen All das steckt auch in den Songs, die das Schauspielteam auf der Bühne des Jungen Theaters in berührende Erzählungen verwandelt.

Die Kneipe ist natürlich ein idealer Treffpunkt, um die Songs in Szene zu setzen und mit ihnen die Figuren, die hier mit ihren Geschichten gestrandet sind. Der Geschäftsmann, der nach einem misslungenen Deal noch ausreichend Kohle hat, um damit um sich zu werfen, trifft auf den Zocker, der vom Automatenglück träumt. Hier driften Liebespaare auseinander, wenn sie ihre Zukunftspläne nach Gefühls- und Geldwerten aufrechnen. Nach weiteren Nebenjobs wird ebenso gehungert wie nach irgendeiner Idee, aus der Misere rauszukommen und sei es als Popstar. Wünsche und Bedürfnisse kollidieren hier auch musikalisch, selbst wenn es stilistisch keine Gemeinsamkeiten zwischen einem Gitte Schlager „Ich will alles“ und der „Metallica“ Ansage „Nothing else matters“ gibt.

Bei diesem musikalischen Roulette um mehr Kohle und weniger Frust sind die Stones ebenso am Start wie die Ärzte, Tracy Chapman  und die Ohrbooten.  Natürlich wird auch gegen kapitale Zwänge und Kaufrausch gemotzt und mit Ton, Steine, Scherben ein bisschen Politromantik heraufbeschworen, dass sich das System revolutionär unterwandern lässt. Dennoch wird in Rosis Bar weiterhin gezockt gesoffen, gejammert und gewütet, weil es nicht mehr so richtig vorwärts geht und auch Brechts Solidaritätslied Staub angesetzt hat. Das aber keineswegs musikalisch.

In den Arrangements von  Fred Kerkmann erfahren die Songs eine gedankliche Erdung, und die überträgt sich auch auf das Schauspielteam. So leidenschaftlich engagiert und ausdrucksstark erlebt man dieses JT-Ensemble selten. Es sind grandiose Bilder, die Linda Elsner, Agnes Giese, Jan Reinartz, Peter Christoph Scholz,  Eva Schröer und Karsten Zinser hier gemeinsam stemmen. Mit dem großartigen Support von Rosis Palastorchester und dem musikalischen Bündnis um Gitarrist Fred Kerkmann, mit Steffen Ramswig an den Keyboards, Bassist Sebastian Strzys und Dummer Christian Villmann.

Die Stimmung auf der Bühne berührt und berauscht zwischen rockigem Aufruhr und Seufzerballaden und immer wieder auch mit kleinen ironischen Kontern. Dann wird das Ende der Welt wird besungen und das Zeitalter des Maschinenmenschen, der das klassische Humankapital ablöst, aber eben auch ein Rest von störrischem Widerstandsgeist. „Auf den Trümmern das Paradies“ heißt es im Untertitel des Musikspektakels, das der Losung „Money, Money, Money“ natürlich auch ein bisschen Aufbruchstimmung abtrotzen wollte. Auch dafür gab es am Ende standing ovations für das  JT-Team.

Freitag, 15 Januar 2016 22:48

Lehrstunde in Sachen demografischer Wandel

Nico Dietrich inszeniert 2030 - Odyssee im Leerraum im Jungen Theater

100.000. Diese Zahl ist der Aufhänger einer Lehrstunde in Demografie am Jungen Theater: 2030 – Odyssee im Leerraum. Denn im Jahr 2030 werden in Südniedersachsen 100.000 Menschen weniger leben, so prognostizieren es die für Bevölkerungsstatistik zuständigen Behörden. Welche alltäglichen Probleme dieser Rückgang mit sich bringt, soll nun den Besuchern dieses innovativen Theaterabends näher gebracht werden. Entstanden ist dieses Stück auf der Grundlage einer Recherche, die im Rahmen des Projektes Trafo – Modelle für Kultur im Wandel durchgeführt wurde und dessen erklärtes Ziel es ist, „Konzepte für eine Transformation bestehender Kultureinrichtungen“ in ländlichen Regionen zu entwickeln. Die während der Recherche gesammelten O-Töne, kommen nun auf der Bühne des Jungen Theaters als „Experten des Alltags“ zur Sprache.

Statt die Besucher einfach in den Saal strömen zu lassen, werden sie an diesem Abend im Foyer abgeholt und müssen nun die Odyssee in die Provinz, den Ort des demografischen Niedergangs, antreten. Dieser führt einmal um das Theater herum durch den Hintereingang in den Vorstellungsraum. Während dieses kleinen Spaziergangs wird das Bergmannslied Glück auf, der Steiger kommt angestimmt, worauf das Göttinger Publikum erst zaghaft, dann in romantischster Grubenromantik mit einsteigt.

Darauf folgt die große Zuwanderung in die beschaulichen Dörfer und Kleinstädte Südniedersachsens. Jeder Besucher darf seinen Platz, der einem Ort wie Seesen oder Adelebsen zugeordnet ist, frei wählen. Frei nach dem Motto: Auf in die Dörfer, dem bösen demografischen Wandel entgegenwirken!

Nun konnte die eigentliche Lehrstunde beginnen. Demografiedoktoren in weißen Kitteln mit dem Wappen Niedersachsens auf dem Rücken erklärtem dem Publikum all die Probleme, die auf die beschaulichen Ortschaften um Leine und Harz zukommen werden: Schulen, Kneipen und Läden werden geschlossen, Rollatoren bestimmen die Straßenszenerie, die von leer stehenden Häusern gesäumt ist; dargestellt anhand erzählender Eindrücke aus Jühnde, Osterode oder Seesen.

Das tragende Narrativ dieses Stückes ist der Rückgang der Bevölkerung. Jeder Theaterbesucher soll endlich die großen Probleme die auf uns in Südniedersachsen zukommen werden, wahrnehmen, zugleich aber begreifen, dass diese Probleme auch eine Chance für die Menschen in ländlichen Gebieten bieten. Somit ist das Stück ein manchmal gar zu theatralischer Appell an die Zivilgesellschaft, die demografischen Entwicklungen als Chancen zu sehen und deren innovativ kreatives Potential zu erkennen. In diesem Zusammenhang darf natürlich das Thema der Flüchtlinge nicht ausgespart bleiben, denn, wie es politisch höchst korrekt heißt: Auch die Flüchtlinge müssen unbedingt als Chance für den ländlichen Raum begriffen werden!

Obwohl das deutsche Drama des demografischen Wandels schon seit Jahren in der Öffentlichkeit diskutiert wird, gelingt es Nico Dietrich mit seiner Inszenierung, die Region Südniedersachsen in den Blick zu nehmen, in der gerade die Kultureinrichtungen, vom Kino bis zur Diskothek aussterben, sodass kulturelle Bildung kaum noch stattfinden kann (Göttingen ausgeklammert). Neben auch schon so oft bei Jauch oder Schirrmacher diskutierten Gefahren und Chancen, schafft es dieses Stück, den Finger in die Wunde zu legen: Die kulturelle Verkümmerung der Kleinstädte und Ortschaften. Dass sich die Perspektive des Stücks auf die unmittelbar betroffenen Bewohner dieser Regionen (die Experten des Alltags) und deren beeindruckendes Potential ihr eigenes Schicksal zu gestalten, richtet, hebt es vom bisherigen Jargon der Demografie ab.

Gerade für das oft bürgerlich akademische Göttingen war diese kurzweilige und oft amüsante Lehrstunde in Sachen Demografie über sein näheres regionales Umfeld wichtig.

Premiere im Jungen Theater: "Bezahlt wird nicht" von Dario Fo

Azzurro, mehr oder weniger pflichtbewusste Carabiniere, italienisch-manieriertes Hände-, nein Ganzkörpergeschlenker und ein Tempo, das nichts mit Gemütlichkeit zu tun hat, lassen die Premiere von Dario Fos Farce „Bezahlt wird nicht!“ am Abend des 10.12.2015 im Jungen Theater leider viel zu schnell verfliegen.

Die Wahrheit in allen Ehren, aber mit wahrheitsliebenderen Charakteren wäre die Geschichte um die beiden jungen Mailänder Paare bei weitem nicht so lustig. Vor allem die scheinbar nie ruhende Antonia hangelt sich von einer Notlüge in die nächste, und hält dieses Gebilde bravourös grotesk aufrecht, um immer noch eines draufzusetzen, gerade wenn der Zuschauer denkt, dass doch nun alles auffliegen muss. Dabei bedient sie sich hemmungslos des Papstes Meinung zur Pille, einer Scheinschwangerschaft ihrer Freundin Margherita mitsamt dramatisch-drohender Frühgeburt, der Verehrung suspekter Heiliger und allem, was ihr in dieser Spirale aus Absonderlichkeiten sonst noch in den Sinn kommt, und stürzt damit Margherita und die Männer der beiden Freundinnen in ein Chaos, das kaum noch auflösbar zu sein scheint. Dabei geht es ja nur darum, die Lebensmittel zu verstecken, die im Supermarkt des Viertels erbeutet wurden, nachdem die ohnehin schon nicht arbeiterfreundlichen Preise über Nacht drastisch erhöht wurden und die einkaufenden Frauen spontan entschieden, die Waren so zu bezahlen wie es ihnen gefiel. Also gar nicht. Einfacher wird dadurch rein gar nichts. Doch ungemein unterhaltsam.

Linda Elsner, die die schlagfertige, dem Anarchismus nicht abgeneigte Antonia spielt, trägt einen nicht unerheblichen Teil dazu bei. Mit weiten, comicfigurartigen und energischen Bewegungen erschafft sie einen italienischen Flair – oder das, was der Deutsche gern als solchen sieht – auf der Bühne. Eva Schröer füllt die in der Vorlage wesentlich ruhiger gezeichnete Margherita, die sich von Antonia selbst vom größten Schlamassel überzeugen lässt, trotzdem charismatisch aus. Gerrit Neuhaus und Peter Christoph Scholz zeigen enorme Wandlungsfähigkeit, um das ständige Auf und Ab der Gefühle und Meinungen, in das Giovanni und Luigi von ihren Frauen geschickt werden, zu transportieren – zusätzlich zu Giovannis Entwicklung vom rechtetreuen zum gerechtigkeitsfordernden Arbeiter. Vervollständigt wird das Provinztheater, in das nun einmal ein Schauspieler gehört, der mehrere Rollen - am besten gleichzeitig - spielt, von Jan Reinartz in vier Rollen, unter anderem als obrigkeitsmüder Polizist, der lieber den Kochlöffel schwingt als Wohnungen zu durchsuchen, und einen wunderbaren Possentanz mit den beiden Frauen bietet, die ihn als Bewusstlosen in einen Schrank zu verfrachten suchen. Alle gemeinsam legen eine immense Geschwindigkeit in Dialogen und Bewegungen sowie Klamaukfreude an den Tag, ohne allerdings je wirklich klamaukig zu werden.

Abgerundet wird die Inszenierung Christine Hofers von angenehm realistischem, unaufgeregtem Bühnenbild und Kostümen, die nicht ablenken und den Fokus dorthin lenken, wo er hingehört. Dazu die zwar nicht italienische, aber aus derselben Zeit wie das Stück stammende und thematisch wie die Faust aufs Auge passende Musik von Ton Steine Scherben, die sich wiederholend durch die gesamte Aufführung zieht.

Das Stück aus dem Jahr 1974 wurde mit nicht in den Vordergrund drängenden, doch immer wieder durchblitzenden aktuellen wirtschaftlich-politischen Themen behutsam modernisiert. Gedanken zur Relevanz derselben mag sich jeder selbst machen. Kassenpatienten, die ihr Bett Wochen im Voraus reservieren müssen, wollen sie nicht den Rest ihres Lebens im Rettungswagen durch die Stadt gondelnd verbringen und 92% Mehrwertsteuer sind verzweifelte Versionen, die zum Lachen reizen ob der grotesken Verzerrung, doch währenddessen bereits einen Realitätsvergleich anstoßen. Dabei ist das Stück, das in einem Mailänder Vorort spielt, wo auch Dario Fo in den siebziger Jahren lebte, sehr wohl aus realen Ereignissen und Zuständen heraus entstanden, wie nach Fallen des kapitalistischen Vorhanges erklärt wird. Nach der Uraufführung musste Fo sich allerdings vor Gericht verantworten bis das Verfahren eingestellt wurde. Zeit seines Lebens hat der inzwischen 89jährige, 1997 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Theatermacher den Mächtigen mit seinen Satiren lachend die Fäuste vor den Nasen geschüttelt und dafür nicht nur einmal Strafen wie Zensur, Einreise- oder Radioverbote aussitzen müssen.

Ob und wie der Vorhang mit der güldenen Schrift „Capitalism must win“, der Beginn, Requisite und Ende darstellt, denn fällt, darf nun jeder, der ein bisschen neugierig geworden ist, selbst herausfinden; weitere Vorstellungen folgen am 15., 22. und 31. Dezember, am 5., 16. Januar sowie am 6. und 26. Februar.

Freitag, 06 November 2015 12:59

Schmetterlingsfänger zum Theaterfestival im JT

Eine interkulturelle Begegnung mit der Göttinger Theaterwerkstatt

Leon kennt sich gut aus mit Schmetterlingen, ihrer Artenvielfalt und ihrer Aufzucht. Eigentlich lässt er sich nur deshalb von seiner Tante Corinna zu einer Reise nach Südostasien überreden. Die Journalistin lockt ihn mit einem berühmten Schmetterlinkspark in der Nähe historischer Tempelanlagen, über die sie recherchieren soll. Noch klingt das wie ein hilfloser Versuch, den Jungen nach dem Tod seiner Mutter ein bisschen abzulenken. Und schon gibt es auf der Bühne des Jungen Theaters den ersten Streit um das Reisegepäck.
Tropen oder nicht, der Lieblingspullover muss mit, das Insektenhotel und vor allem der Kalender, den die Umweltaktivistin ihrem Sohn geschenkt hatte. Den braucht Leon vor allem dann, wenn er der kleinen Schmetterlingsfängerin Samnang begegnet und das exotische Paradies, das sich an den Lebensbedingungen in Kambodscha orientiert, auch von seiner zerstörerischen Seite kennenlernt.

Über eine Videoleinwand werden Szenen von der Ankunft eingeblendet, die Fahrt in eine Tuk Tuk, wo sich Tante und Neffe erneut kabbeln, wie man sich als Tourist den Einheimischen gegenüber verhält. Regisseurin und Autorin Dorothea Derben hat in ihrem Stück „Schmetterlingsfänger“ Informationen über Kinderarbeit und Kinderarmut mit den Reisebildern verwebt. Dass ausländischen Investoren das Tourismusgeschäft in einer der ärmsten Regionen Südostasiens beherrschen klingt ebenfalls in ihrer Szenenfolge an und auch die zerstörerische Ausbeutung von Ressourcen, wenn der Einsatz von Pestiziden auf den Reisfeldern nun den Lebensraum der Schmetterlinge vergiftet.

In ihrer Inszenierung zum Auftakt des 2. Göttinger Festivals der freien Theater am JT verwickelt die Leiterin der Göttinger Theaterwerkstatt ihre drei Darsteller in eine Fülle von Motiven: Den Leon von Sasha Bornemann, Brit Henning als Corinna und Mona Louisa-Melinka Hempel in der Rolle der jungen Schmetterlingsfängerin Samnang. Das macht diesen interkulturellen Streifzug mit dem Untertitel „Über Kindsein in Westeuropa und Südostasien“ nicht nur für Kinder ab neun Jahren zu einem verwirrenden Bühnenabenteuer. Es wird erzählt, wie Leon und Samnang einander verstehen lernen und das nicht nur mit der Deutsch-Englischen Sprachbarriere. Der Junge lässt die Beute der kleinen Schmetterlingsfängerin einfach frei und will nicht begreifen, dass sie damit ganz entscheidend zum Unterhalt ihrer Familie beiträgt. Später begibt er sich mit ihr sogar auf die Jagd nach exotischen Faltern und erlebt eine fremde Lebenswelt, die ihm hilft, den Tod seiner Mutter anzunehmen. Überlagert werden diese berührenden Momente jedoch immer wieder von dem Gezänke zwischen Tante und Neffe und von ihren demonstrativen Klagen über den Massentourismus, die Zerstörung von Kulturschätzen oder das Abholzen von Regenwäldern. Dabei könnte diese Inszenierung sehr wohl auf die Kraft der Bilder vertrauen. Wenn aus drei Kartons und farbigen Tüchern ein Tempel entsteht und Geister imaginiert werden, die mit dem Traurigsein versöhnen oder wenn aus durchsichtigen weißen Stoffbahnen und Bambus ein Schmetterlingsrestaurant entsteht, das die tropische Hitze in dieser faszinierend fremden Umgebung atmet.

Sonntag, 01 November 2015 19:59

Das Schreien des jungen Werther(s)

Premiere im Jungen Theater

Dass Werther ein „tragischer Popstar seiner Zeit“ gewesen sei, lässt bereits die Webseite des Jungen Theaters verlauten. Und, ja, tragisch ist dann tatsächlich einiges an André Brückers quietschbunter Inszenierung, die am Donnerstag Premiere hatte.
Wenn Werther (Gerrit Neuhaus, im blauweißen Wolkenanzug mit gelbem Hemd) seine PA und eine verstimmte e-Gitarre auf einen schmalen, durch zwei sich gegenüberliegende Tribünen einsichtigen Streifen Kunstrasen schleppt, beschleichen den Zuschauer bereits wirre Vorahnungen. Wenig später trifft Werther dann auf Lotte (Linda Elsner), die des Weges läuft, unvermittelt fällt, und von Werther Alkohol zum Trost bekommt. Flirtende Hallo-Rufe, die Zuneigung auf den ersten Blick suggerieren sollen, folgen. Werther verliebt sich sofort, wird rasend – sie treffen sich wieder und wieder. Dann kommt Albert (Peter Christoph Scholz) nach Hause – Golfschläger, Smartphone etc. mit im Gepäck: Ein neureicher, angepasster Vertreter der Nichtkreativen. Merken Sie was? Ein paar genialische Einfälle und das Unheil nimmt seinen Lauf. Auf Englisch spricht man gern von sogenannten “stock characters“, wenn Figuren auf allgemein bekannte Stereotypen reduziert werden. Die gute Fee, der freundliche Hausmeister, oder aber – wie in diesem Fall – Werther, der gescheiterte Popstar, Albert, der golfende Juppie, und Lotte, die fesche Femme Fatale.

Es fragt sich, was genau die Motivation dafür war, Werther im himmelblauen Wolkenanzug durch die Geschichte tapsen zu lassen; warum Albert hier zum Schnöselkokser wird; weshalb das Stück halb als Komödie, halb als Tragödie gebracht wird; und warum sich ein possenhafter Regieeinfall an den nächsten reiht. Zugegeben: in sich sind diese Ideen oft schlüssig („Gib mir den Putter, damit ich einlochen kann“ - „viel Spaß bei deinem Lochspiel“), aber wo ist der Gesamtzusammenhang? Drei pubertierende Jungen auf einer der Publikumstribünen können sich an den Schlüsselstellen ihr Lachen nicht verkneifen. Allerdings nicht etwa, weil Goethes Text so merkwürdig klingt, sondern weil die Diskrepanzen zwischen Vorlage und Umsetzung kaum hätten größer sein können. Der verschmähte Rockstar, der sich vom Businessfutzi die Flinte zum Ehrentod ausleiht? Das Selfie und das gekonnt eingeflochtene Facebook-Like zur inneren Problematik einer verbotenen Liebe des 18. Jahrhunderts? Es fragt sich: Warum muss hier passend gemacht werden, was nicht passt? Insbesondere, weil Goethes Sprache in Astrid Kohlmeiers Bühnenfassung nahezu unverändert bleibt (...sieht man mal von der etwas verwunderlichen Hinzufügung des Genitiv-S' an den Stücktitel ab).

Die stimmigsten Momente des Abends sind eindeutig diejenigen, in denen sanfte Töne angeschlagen werden: Die, in denen Brückers Regie dem Text Goethes vertraut, ohne ihn durch Klamauk und Effekte zu verschleiern. Alle drei Darsteller zeigen hier äußerste Präzision und spielen auf höchstem Niveau. Dumm nur, dass Werther (Gerrit Neuhaus) als manisch-depressiver Trinker, der immer mehr dem Wahnsinn verfällt, in den ersten 70 Minuten meist schreiend seinen zarten Gefühlen Ausdruck verleihen muss. Die Facetten von Verzweiflung, Trauer, Wut und Missverständnis gehen so leider an vielen Stellen unter. Aber auch Lotte darf brüllen, oder zählend an den vorderen Reihen vorbeilaufen und Zuschauer ohrfeigen (sie ist eben eine femme fatale). Und, ja, dann wäre da noch die Alptraumszene: Werther wird von hüpfender-quiekender Lotte und brüllendem Albert, die mit Affenmasken um ihn herumtänzeln bös umschwirrt. Die Affenlaute durchschallen animalisch dröhnend die Trommelfelle der Zuschauer... und: Animalisch wird es auch, wenn Lotte und Albert später sogar noch wild kopulierend Werthers schmachtende, verzweifelte Abschiedsbriefe vorlesen – lautstark orgasmierend bei seiner Todesankündigung. Ja, die beiden werden richtig scharf, wenn sie den armen Werther quälen können.
Letztlich bleibt ein schales Gefühl zurück: Was hätte aus diesem Göttinger Werther werden können, wäre er nicht in einem Regen aus oft unpassendem Konfetti postmodernen Klamauks untergegangen? Schwer zu sagen: Zeit aus einem Glas Wein eine Bouteille werden zu lassen, denn dem Publikum schien's jedenfalls zu gefallen.

Beim diesjährigen II. Göttinger Festival der Freien Theater freuen wir uns auf acht Freie Gruppen und ihre spannenden Arbeiten. Ein Wiedersehen wird es u. a. mit dem boat people projekt und der Theaterwerkstatt aus Göttingen und der Theatergruppe Boing! aus Holzminden geben. Dazu kommen das Theater M21 und die Theatergruppe Schmetterlingseffekt aus Göttingen und Marja Christians und Isabel Schwenk und das Theater Fata Morgana aus Hildesheim. Unterstützt wird das diesjährige II. Göttinger Festival der Freien Theater vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und dem Landschaftsverband Südniedersachsen. Bereits zu Beginn der Spielzeit 2014/2015 wurde das I. Göttinger Festival der Freien Theater ins Leben gerufen. Das Theater bestritt dieses erfolgreiche Pilotprojekt, bei dem bereits sechs Freie Theatergruppen zu Gast am Jungen Theater waren, komplett aus eigenen Kräften. Jens Wortmann vom Kulturbüro Göttingen schrieb: „Erfolgreiche Erstauflage!“

Das Programm
04. November
18:00 Uhr Schmetterlingsfänger Theaterwerkstatt Göttingen, Premiere (10,-/7,-/5,-)
20:00 Uhr DISKURSE II Podiumsgespräch zur Eröffnung des Festivals (3,-)
05. November
11:00 Uhr Schmetterlingsfänger Theaterwerkstatt Göttingen (10,-/7,-/5,-)
20:00 Uhr Navigator Luna Nord von und mit Linda Elser, Koproduktion des JT mit der Hochschule der Künste Bern (10,-/7,- /5,-)
06. November
18:00 Uhr Das Gespenst von Canterville von Oscar Wilde, Live-Hörspiel des Theater Fata Morgana Hildesheim (10,-/7,-/5,-)
21:00 Uhr J.U.D.I.T.H. Körperperformance von Marja Christians und Isabel Schwenk, Hildesheim anschließend Publikumsgespräch im Dunkeln (10,-/7,-/5,-)
07. November
18:00 Uhr LA BEAU HÄME, Theatergruppe Schmetterlingseffekt Selbsthilfe Körperbehinderter Göttingen e.V. und DIE MUMPITZ-SHOW, Theatergruppe Boing! der Harz-Weser-Werkstätten Holzminden (5,-/3,-)
08. November
15:00 Uhr Das Blaue vom Himmel ein Stück Sport des Theater M21 in Kooperation mit der juristischen Fakultät der Universität Göttingen (10,-/7,-/5,-)
10. und 11. November
20:00 Uhr Online Ein Klassenzimmerstück des boat people projekt Göttingen, Probebühne
(10,-/7,-/5,-)

Montag, 28 September 2015 14:58

Plakatmalwettbewerb im Jungen Theater

PLAKATMALWETTBEWERB zu DIE REGENTRUDE nach Theodor Storm - Bühnenfassung von Tobias Sosinka (ab 8 Jahre)

Seit langem hat eine furchtbare Dürre das Land überzogen. Das Korn verdorrt auf den Äckern, das Vieh verdurstet auf den Weiden, die Menschen geraten in Not. Die meisten haben ihre Höfe und Felder bereits verkauft um die explodierenden Preise für Lebensmittel bezahlen zu können. Nur der schlaue Wiesenbauer freut sich. Er hat vor Jahren ein sumpfiges Wiesenland für einen Spottpreis gekauft und ist nun der einzige, der noch Wasser hat, das er nun teuer zu verkaufen weiß. Allein eine alte Frau erinnert sich, was die Vorfahren in solcher Not unternahmen: Die Regentrude, die den Regen macht, muss durch einen Zauberspruch geweckt werden. Doch dies ist leichter gesagt als getan. Denn niemand erinnert sich mehr, wo die Regentrude zu finden ist. Das junge Mädchen Maren und ihr Freund Andrees begeben sich auf eine abenteuerliche Suche zu den von den Menschen vergessenen Geistern, die die Natur beherrschen.

Die Inszenierung entsteht aus einer gemeinsamen Initiative der Stadtwerke Göttingen AG und dem Jungen Theater. Auf der Suche nach neuen Wegen im Sponsoring von Kulturprojekten, die sich mit gesellschaftspolitisch aktuellen Themen auseinandersetzen, haben die Stadtwerke die Idee angeregt, eine Inszenierung aktiv zu unterstützen, welche die Themen Klimawandel und Energiewende gerade jungen Menschen näher bringt. Über das Stück wollen wir gemeinsam mit Schülern, Pädagogen und Eltern ins Gespräch kommen, zum Nachdenken und diskutieren anregen. Patenklassen werden die Arbeit am Stück intensiv begleiten und dabei auch die Stadtwerke kennenlernen. Außerdem wird das Stück theaterpädagogisch intensiv unterstützt. Neben den Vorstellungen im Jungen Theater sind Gastspiele in städtischen Schulen und im Landkreis geplant.

Premiere 14. November 2015 Inszenierung Tobias Sosinka Mit Agnes Giehse, Kathrin Müller-Grüß, Norman Grüß

ACHTUNG: PLAKATMALWETTBEWERB!!! Schüler von 8 bis 12 Jahren dürfen an einem Plakatmalwettbewerb teilnehmen. Aus allen eingesandten Bildern wird eine Jury, bestehend aus Mitarbeitern der Stadtwerke Göttingen AG und des Jungen Theaters, das beste Bild zum Plakatmotiv für die Inszenierung von DIE REGENTRUDE küren. Zudem darf das Siegerkind mit seiner kompletten Schulklasse eine Vorstellung besuchen.

Das müsst ihr beachten: Nur A3 Hochformat, keine Schrift, am besten kräftige Farben benutzen! Abgeben oder senden an Junges Theater, Hospitalstraße 6, 37073 Göttingen, Kennwort: Regentrude, Einsendeschluss: 17. Oktober 2015

Montag, 21 September 2015 07:33

Die Suche nach dem Selbstbild in Zeiten des Krieges

JT-Premiere Katz und Maus

Der hässlich vernarbte Adamsapfel ist nicht der einzige Makel, über den seine Mitschüler herziehen. Irgendwie ist dieser Mahlke auch anders. Er möchte jemand anders sein in der Erzählung „Katz und Maus“ von Günter Grass, die Nico Dietrich am Jungen Theater in einer dramatisierten Fassung inszeniert hat.

Anders sein bedeutet, auch besser zu sein als die Gefährten, bei Flugzeug- und U-Boottypen souverän zu punkten, schneller zu Ziel zu kommen. All das, was dem eher schüchternen, wortkargen Joachim Mahlke schließlich gelingt, als er endlich Schwimmen lernt und  Tauchen und in einem Schiffswrack sein Abenteuerrefugium findet. Es ist eine sehr sportlich anmutende Welt, in der Mahlke, Pilenz, Hotten Sonntag, Winter und Esch sich gegenseitig anstacheln und hochschaukeln, bis wieder mal jemand die Puste ausgeht. Der  gepolsterten Kasten, die Bänke und die Absprungrampe, die die Turnabteilung des ASC Göttingen für das Bühnenbild von Christian Kiehl zur Verfügung stellte, sind klassische Turngeräte. Aber sie sind auch sehr vieldeutig in diesem Kräftemessen um Lebensentwürfe in  den ersten Jahren des zweiten Weltkrieges, als im völkischen Beobachter noch die Erfolgsmeldungen auf dem Vormarsch waren. Der Kasten wird zur Kanzel, wenn sich Mahlke der Jungfrau Maria wie eine Schutzpatronin zuwendet und die anderen mit seinem ewigen  mater dolorosa nervt. Doch schon bald gehen neben dem Pfarrer auch Panzergeneräle auf dem sportlichen Podest in Stellung, um sich in der Schulaula mit ihren Abschussquoten zu brüsten. 

Um Arbeitsdienst und Rekrutierungskommandos machen sie die jungen Gymnasiasten eigentlich noch keinen Kopf,  wenn der Sportlehrer den nächsten Sprung anpfeift und das JT-Team mit Linda Elsner, Jan Reinatz, Peter Christoph Scholz, Eva Schröer und Karsten  Zinser an den Turngeräten weitere Fitnesspunkte verbucht.  Mahlke ist mal wieder erfolgreich auf Tauchstation, das beschäftigt sie mehr und dass sie ihn jetzt wirklich bewundern und trotzdem nicht verstehen. Auch dann nicht, wenn als er nach dem Diebstahl eines  Ritterkreuzes von der Schule fliegt und nun Karriere auf hoher See macht. Auch so einer, der jetzt mit Abschussquoten profilieren kann, nur nicht in seiner alten Schule. Dem Dieb militärischer Auszeichnungen wird der ersehnte heldenhafte Auftritt verweigert. Mahlke desertiert.

Auch dieses Kapitel aus dem Leben eines Außenseiters wird rückblickend betrachtet - und wie ihn sein vermeintlicher Freund Pilanz gelassen hat. Jan Reinartz nimmt erneut den Blick des Chronisten an, der als alter Mann noch etwas abzuarbeiten hat, das er nicht zu bewältigen vermag und dazu immer wieder nach Erinnerungen und ihrer Bedeutung greift.  Es ist eine Sammlung von Rückblenden zwischen all den Abenteuern und den Irritationen, aus denen die Schauspieler dann ihre vielstimmigen Nahaufnahmen entwickeln. Sie bilden die Clique unbeholfener und doch so lebenshungriger Gymnasiasten, sind dann in wechselnden Rollen als Pädagogen, Panzergeneräle und Jungbahnführer zu sehen, verwandeln sich in Priester, Flieger-Asse, eine verwirrte Mutter und eine illustre Mariengestalt, bis ein erneutes Platsch ertönt. Linda Elsner ist wieder hinter dem Kasten wieder abtaucht; mit allem, was ihren Mahlke umtreibt und schmerzt und trotzdem unberührbar machen soll, bis schließlich auch der Glaube an die heilige Schutzpatronin versagt.

Diese Atmosphäre der Unberührbarkeit prägt letztlich auch die Inszenierung, in der die Szenen die Wirkung von Filmbildern entwickeln, die sich mit spannenden Schnitten und auch geschickt überblendet aneinanderreihen. Die Erwachsenen reagieren typisch, ob sie nun als autoritäre Pädagogen gezeichnet sind oder als Ikonen einer rassistischen Vernichtungspolitik oder als teilnahmslose Beobachter. Das mag zum einen daran liegen, dass die Erzählung von Günter Grass auch in ihrer dramatisierten Fassung in Rückblenden erfolgt. Die Situationen werden eben aus der Distanz der Erinnerung vorgeführt, mit viel Action und viel Elan auch mit den Beschreibungen verwebt, was sich im Einzelnen wie abgespielt hat und wer daran alles beteiligt war: Ziemlich viele Typen und ziemlich viele Klischees wie die von eitlen Fliegerhelden oder gebieterischen Seelsorgern. Aber was das zum anderen mit den Jugendlichen macht und nicht nur mit Mahlke, der sich nicht einpassen und einnorden lässt wie die anderen und daran auch zu Grunde geht, beschränkt sich an diesem Abend auf viele gelungene Vorführeffekte.

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