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Anzeige der Artikel nach Schlagwörtern: Stadtkantorei

Mittwoch, 28 Februar 2018 12:03

Fühlbar packende Dramatik

Die Göttinger Stadtkantorei konzertierte mit der Messe in C-Dur und dem Oratorium Christus am Ölberg in der Göttinger Johanniskirche

Donnerstag, 23 November 2017 20:38

Hermann Amlung gestorben

Am 19. November 2017 ist der Kirchenmusiker Hermann Amlung im Alter von 83 Jahren gestorben.

Das Kulturbüro Göttingen veröffentlicht noch einmal das Interview mit dem langjährigen Leiter der Göttinger Stadtkantorei und der Corvinuskantorei anlässlich seines 80. Geburtstages im Jahr 2014.

Am Samstag, den 5. November 2016 um 19 Uhr in der Göttinger St. Johanniskirche

Das Deutsche Requiem gehört zu den bedeutendsten Werken der romantischen Kirchenmusik. Immer wieder stand es auf dem Programm der Göttinger Stadtkantorei. Und doch fordert es den Chor jedes Mal neu. Musikalisch-interpretatorisch, theologisch und gesangstechnisch stellt es höchste Anforderungen. Zugleich aber fasziniert es durch seine schier unendliche melodisch-lyrische Qualität, aber auch seine Dramatik und durch seine Instrumentation. „Ein Deutsches Requiem“ ist keine Übertragung des traditionellen Requiem-Textes ins Deutsche, sondern die Vertonung einer von Brahms selbst getroffenen Auswahl an Bibeltexten, die weniger das Heil der Verstorbenen in den Blick nimmt als den Trost der Hinterbliebenen.

Zur Eröffnung des Konzerts erklingt die Tragische Ouvertüre von Johannes Brahms. Sie steht in der bei Brahms immer ausgesprochen düsteren, strengen Tonart d-Moll. Die Musik ist von einer tragisch-düsteren Stimmung bestimmt, unterstrichen durch die Besetzung mit Posaunen und Tuba – eine überaus stimmige Vorbereitung auf das nachfolgende Requiem.

Die Göttinger Stadtkantorei musiziert zusammen mit dem Göttinger Symphonie Orchester. Die Leitung hat Bernd Eberhardt. Für die Solopartien konnten die renommierte Sopranistin Claudia Barainsky, die mit Opernpartien an der Semperoper Dresden und der Deutschen Oper Berlin auf sich aufmerksam gemacht hat, und der Bassbariton Andreas Scheibner, der schon oft bei der Göttinger Stadtkantorei engagiert war, gewonnen werden.

Karten gibt es zum Preis von 7 bis 29 Euro bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen, an der Abendkasse und hier im Kulturbüro Göttingen.

Giuseppe Verdis Messa da Requiem in der St. Johanniskirche

Am Wochenende führten die Göttinger Stadtkantorei und das Göttinger Symphonie Orchester zusammen mit Tänzerinnen von Göttinger Schulen und des TanzZentrums Göttingen die Messa da Requiem von Guiseppe Verdi in der Johanniskirche auf.

Die Bühne der Tänzerinnen stand direkt vor dem Chor, dem Orchester und den Solisten und wurde vor Beginn mit kritischen Blicken betrachtet: Wie sehr wird der Fokus hierauf liegen, wird die Musik zu sehr in den Hintergrund geraten?

Schon nach den ersten Minuten war allerdings klar: es wird ein wunderbares Zusammenspiel. Die Tänzerinnen bildeten mit ihrer weiß-beigen Kleidung einen Kontrast zu Chor, Orchester und Solisten (unter der Leitung von Bernd Eberhardt) in schwarz. Mit trauernden, tröstenden Gesten und Bewegungen zu den sanften Anfangsklängen des Requiems führten sie gemeinsam in die Totenmesse ein.

Niemand stach heraus und stand durchgehend im Fokus. Der Blick und das Gehör konnten von einem Element der Aufführung zum Anderen wandern; sie schienen sich gegenseitig zu unterstützen. Es wirkte wie ein rundes Ganzes.

Die Göttinger Stadtkantorei beeindruckte durch einen vollen und harmonischen Gesamtklang. Zwei Stellen des Werkes seien beispielhaft hervorgehoben: das kraftvolle und mächtige Dies irae, das bis zum Schluss immer wieder aufgegriffen wurde, und die sehr bewegte und leicht wirkende acapella-Stelle zu Beginn des Libera me. Bernd Eberhardt gestaltete den Klang im Chor und Orchester sehr differenziert - von den feinen leisen Stellen, über die tragend bedrohlichen bis zu den lauten und mächtigen Stellen des Requiems.

Das Göttinger Symphonie Orchester folgte der Interpretation Eberhardts auch in den kleinen Details und trug so wesentlich zum Gelingen des Abends bei. Vor allem die Blechbläser beeindruckten durch ihr sehr exaktes und in der Dynamik variables Spiel, besonders im Dies irae, beim Tuba mirum auch mit den Ferntrompeten von der Orgelempore.

Mit Christine Wolff (Sopran), Anna Bineta Diouf (Mezzosopran), Johannes An (Tenor) und Jürgen Orelly (Bass) wirkten außerdem vier wunderbare Solisten mit. Christine Wolff überzeugte mit ihrem weichen und leichten Klang. Besonders ihr Solo im Libera me war beeindruckend: von Sprechgesang bis in die hohen Oktaven saßen die Töne perfekt und der gesprochene Schlussvers sorgte für Gänsehaut.
Anna Bineta Diouf glänzte mit ihrer warmen und vollen Stimme. Und im Duett ergänzten sich Wolff und Diouf sehr harmonisch. Das gilt auch für die Passagen, in denen die Solisten als Terzett oder Quartett sangen: hier passten sie ihre Klangfarbe einander an und verschmolzen so zu einer Einheit.

Nun braucht die Musik an sich nicht unbedingt den Tanz. Sie funktioniert auch ohne ihn. Allerdings sorgten die jungen Tänzerinnen (unter der Choreographin Ulrike Grell und der Unterstützung von Finja Knaak und Jan Hartling) für eine Vertiefung der Gefühle und Stimmungen, welche die Totenmesse nur umso beeindruckender machte. Das Ensemble, das aus erfahrenen und unerfahrenen Tänzerinnen bestand, wechselte zwischen kleinen Gruppen, Solo und Duett-Teilen, so dass die Darstellungen stets lebendig und abwechslungsreich blieben. Dies unterstützte auch die Lichtregie von Peter-Paul König.

So ganz schloss sich der Kreis jedoch nicht, das aber lag an Verdis Komposition. Die Erlösung und die ewige Ruhe, wie man sie im Requiem erbittet und erbetet, scheint noch nicht gewährt zu sein. Als Zuhörer befindet man sich am Ende weiterhin auf der Suche, als der Chor ein letztes „Libera me“ singt und die ganze Kirche für gefühlt mehrere Minuten in ein tiefes, fast andächtiges, aber doch erwartendes Schweigen hüllt. Erst langsam erwacht das Publikum aus dem Bann des Werkes, kehrt mit den Gedanken in die Welt der Lebenden zurück und spendet den erlösenden Applaus.

Dienstag, 24 März 2015 19:16

Karfreitagszauber

‚Johannes in Johannis’ -  Stadtkantorei und Göttinger Barockorchester mit J.S. Bach

Zum Klären des eigenen Standpunktes ist der Blick von außen oft eine hilfreiche Sache.

Im Anschluss an die Aufführung der Bach’schen Johannespassion durch Stadtkantorei, Göttinger Barockorchester und Solisten unter der Leitung Bernd Eberhardts erging es mir so. Es fiel mir schwer, diese unzweifelhaft gelungene Darbietung in St. Johannis auf einen Nenner zu bringen. Im Gespräch mit einer Nichtkonzerthörerin konnte meine Antwort auf die Frage ‚Hat es sich gelohnt, die Aufführung zu besuchen?’ jedoch nur „Ja!“ lauten.

Kurz nach 18 Uhr hebt der imposante Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ an, rechtzeitig zum Tatort-Beginn haben wir - das Publikum füllt beinahe die gesamte Kirche - die Passion des Jesus von Nazareth hinter uns gebracht. Bach vertont die Worte des Evangeliums nach Johannes, ergänzt um Choralstrophen sowie freie Dichtung.

Die Bemerkung zur Konzertdauer soll natürlich kein Spott, sondern Hinweis auf die Lesart des Kantors Eberhardt sein. Die durchweg raschen, doch nicht überhetzten, Tempi passen gut zum „Fließen“ der Evangelistenerzählung - vorgetragen vom großartigen Tenor Clemens C. Löschmann. Choräle und Chorsätzen sowie die Arien unterbrechen dieses Fließen nicht; sie bieten nur kurze Einhalte im dramatischen Verlauf der Geschichte

Und doch hinterlässt der Abend in diesem Punkte bei mir einen Eindruck, den ich nicht besser fassen kann als: Leichte Unruhe, ohne dabei hastig zu sein. Traumhaft gelungene, innige, zutiefst ruhige einzelne Momente fügen sich zu einem großen Bogen, dem nur die allerallerletzte Spannung fehlt.

Die Stadtkantorei steuert gekonnt das Ihre bei. Der Eingangschor so mächtig, wie die Einwürfe in den Massenszenen punktgenau. (Beinahe zumindest: das „Wohin“ in Nummer 24, so schwer es ist, hätte besser sein können…) Der Damen“überschuß“ hat keinerlei Auswirkung auf die Stimmbalance. Textverständlichkeit wie die Lautstärkeverteilung  Orchester/Chor sind stets gut!

Über den Basso Continuo (B.c.) fällt ein zwiespältiges Urteil: Fagott, Orgelpositiv bewähren sich mit Glanz; der Gruppe insgesamt, trotz zweier Celli (bzw. Gambe) und Kontrabass, gelingt es leider nicht, dem Gesamtklang die nötige Schwere zu unterlegen. Akustik oder Instrumente sind nicht schuld, dies ist an Einzelstellen zu hören, wenn nämlich einmal dieses ‚Gewicht’ plötzlich da ist. Ein Lob den Geigen, die viel pausieren müssen, doch, falls gefordert, überzeugen können: Endlich einmal hört man das „Der Held aus Juda siegt mit Macht“ rhythmisch scharf und präzise.

Den Tenor haben wir schon gelobt, zumal er die Arien ebenfalls übernimmt, doch zum Detail: Die Rezitative im Zusammenwirken mit dem aufmerksamen B.c. sind derart lebendig gestaltet, als ob die Geschichte  j e t z t  gerade passiert. Selbst die auf Effekt interpretierten Stellen – z.B. „weinete bitterlich“ - wirken nicht überzeichnet, so gelungen sind sie ins Sonstige gewebt. (Ganz zum Ende hin muss Herr Löschmann seinem stimmlichen Einsatz vielleicht ein wenig Tribut zollen.)

Die Damen – Franziska Kimme (Alt), Olivia Stahn (Sopran) - haben deutlich weniger Gelegenheit zum Glänzen- und taten es auch nicht. „Es ist vollbracht“ als der(?) dramatische Tief- und Ruhepunkt gelingt Franziska Kimme in den Rahmenteilen sehr gut, dem ‚Held aus Juda’ jedoch fehlen Glanz und Größe.

Ebenso so schwankend der große Moment bei Olivia Stahn - der ersten starken Arie folgt gegen Passionsende das verteufelt schwierige „Zerfließe, mein Herze“ und dortselbst findet sich berückend Gelungenes, neben intonatorischen Schwierigkeiten beim Zusammenspiel mit den großartigen Holzbläsern.

Bleiben die Bässe: Konstantin Heintel singt Arien und Pilatusworte derart überzeugend, dass ich es dabei belassen will. Zuletzt zum Dreh- und Angelpunkt dieser alten Geschichte, den Worten Jesu. Sie trägt Jonathan de la Paz Zaens mit warmen, sattem Klang vor; doch ohne die Parodie von Erhabenheit, wie es ab und an gesungen wird. Wir hören ihn hoffentlich bald wieder.

Vielleicht ist es ein sehr großes Lob dieser Aufführung, wenn die Vielzahl gelungener Momente nicht nur zum stummen Bewundern (ver)führt, sondern die Deutung als Ganzes dazu auffordert, sich mit den Details dieser zwei Stunden Musik zu beschäftigen?

Zum Abschluss – vor dem reichlichen Applaus - Glockengeläut und Stille. So ganz entkleidet aller liturgischen Funktion ist das Musik-Kunstwerk also noch nicht. Gott sei Dank.

Montag, 24 November 2014 14:17

Feierlich. Nachdenklich. Großartig!

Beethovens Missa solemnis mit der Göttinger Stadtkantorei

Die Stadtkantorei singt in der Jacobikirche. Die Renovierung des Altarraums in der Johanniskirche bringt diese ungewohnte Konstellation zustande. Am Mittwoch beim Aufbau des Chorpodestes fällt anlässlich einer nicht in vorgesehene Loch wollende Schraube noch der flapsige Spruch "Es ist ja nur für die Stadtkantorei!" Und so mache ich mich auf den Weg in die Aufführung von Beethovens Missa solemnis und überlege mir, wie hart und kritisch ich die künstlerische Leistung des Konkurrenzchores beurteilen werde. Als ich die Kirche betrete, die mir von vielen Konzerten als Jacobisänger wohl bekannt ist, fühle ich mich zuhause - auf dem Programmheft lese ich "Göttinger Stadtkantorei zu Gast in der St. Jacobikirche". Der Raum ist voll, die Plätze ausverkauft, die Kantorei betritt bereits das Podest. Eine gespannte, feierliche Atmosphäre ist spürbar - und sie passt nicht zu meinen distanzierten Kritikerblick, ich werde mit hineingenommen in das Erlebnis dieses Konzerts. Geht es heute Abend wirklich um falsche Töne, schlechte Intonation und unsaubere t-Absprachen?

Das Kyrie reißt mich aus den Gedanken und beantwortet sogleich meine Frage: Imposant und pathetisch beginnt Beethoven diese Messvertonung und markiert schon mit den ersten Tönen den Anspruch des Werks. Hier klingt keine Gebrauchsmusik der Wiener Klassik, sondern eine der größten Kirchenmusiken überhaupt. Bis in absurde Höhen jagt Beethoven die Chorsänger, denen das aber fast leicht zu fallen scheint. Aufmerksam folgen sie dem lebendigen Dirigat Bernd Eberhardts, der den Chor am Ende des Gloria in den übersteigerten Schluss mitreißt. Unterbrochen und ergänzt wird die Kantorei durch das erstklassige Solistenquartett, bestehend aus Stephanie Henke (Sopran), Klaudia Zeiner (Mezzosopran), Clemens C. Löschmann (Tenor) und Andreas Scheibner (Bass). Das Göttinger Symphonieorchester erweist sich als zuverlässiger Begleiter, einzelne rhythmische und intonatorische Unsauberkeiten in den Holzbläsern trüben das Bild nicht.

"Credo in unum deum" - nach einer Stimmpause beginnt das große Glaubensbekenntnis, das Beethoven sehr expressiv und mit direkter Textausdeutung vertont. Ich denke an unser Konzert des Kammerchores St. Jacobi vor einer Woche mit Bachs h-Moll-Messe. Wir sangen den gleichen Text, das gleiche Bekenntnis. Warum gibt es eine Konkurrenz zwischen Chören, die die gleiche Kirchenmusik machen? Sollte nicht gerade die Kirchenmusik gemeinsam einem übergeordneten Ziel dienen?

Sanctus und Benedictus bringen ein wenig Ruhe in die bis hierhin oft sehr überhöhte Musik. Wojtek Bolimowski spielt das große Violinsolo gekonnt mit ein wenig Kitsch, der nach all dem Pathos aber wohl tut. Am Ende steht mit dem Agnus Dei der beeindruckendste Satz, der sich von einem tief traurigen Anfang zum positiven, aber doch sehr offenen Ende entwickelt. Dona nobis pacem - die am ausführlichsten behandelte Textzeile bringt mich wieder ins Grübeln. "Bitte um inneren und äußeren Frieden" schrieb Beethoven über diesen Abschnitt. Die Aktualität dieser Bitte ist beim Blick in die Tagesnachrichten nicht abzustreiten. Während Chor und Solisten in eindringlichen Ausrufen den Satz immer wieder bringen, frage ich mich, wieso es in Göttingen zwischen den Kantoreien eigentlich nur "wir" und "ihr" gibt, und kein "wir alle"?

Nach langem verdienten Applaus fahre ich beglückt, aber auch nachdenklich nach Hause. Ob es wohl möglich ist die alten tradierten Konkurrenzen zu überwinden und endlich gemeinsam Göttingen zu einer Stadt der Kirchenmusik zu machen? Ist nicht beispielsweise die Tatsache, dass man hier an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden die beiden vielleicht größten Werke der lateinischen Kirchenmusik hören kann, ein Ereignis, dass viel eindrücklicher wird, wenn man sich dabei nicht voneinander abgrenzt, sondern es gemeinsam erlebt? Die "Konkurrenz zur Ehre Gottes" scheint mir jedenfalls reichlich unsinnig und nicht würdig weiter kultiviert zu werden. Deswegen sage ich als Jacobisänger der Stadtkantorei heute Abend mit voller Überzeugung: Großartig!

Dona nobis pacem!

Mittwoch, 09 Juli 2014 12:27

Auswärtsspiel!

Göttinger Stadtkantorei zu Gast in St. Martin, Geismar

Metaphern aus der Welt des Sports werden derzeit inflationär gebraucht, doch das Gastspiel – unter dem Titel ‚Motette on tour’- der Göttinger Stadtkantorei verlockt einfach zur Titelwahl.
Derzeit wird der Innenraum der Markt- und Ratskirche Johannis renoviert, daher sucht die Stadtkantorei in der Zwischenzeit Zuflucht in verschiedenen Kirchen des Kirchenkreises - eine gelungene Idee. Diese Begründung der Kantoreitour verknüpft Bernd Eberhardt (Leitung und Orgel) mit einer kurzen Erläuterung zum dramaturgischen Aufbau des Motettenprogramms. Vom Dunkel ins Helle soll es, folgt man den Affekten der vorgetragenen Musik, gehen. Im Einzelnen sind dies:
J.S. Bach, Präludium & Fuge h-Moll (BWV 544) – Leevi Madetoja, „De profundis“, op.56, nach Psalm 130 – F. Mendelssohn Bartholdy, „Richte mich Gott“, op. 78/2, nach Ps. 43 – H. Schütz, „Herr, wenn ich nur dich habe“, SWV 280/Teil II der ‚Musikalischen Exequien’ – Otto Olsson, „Jesu corona celsior“ – zuletzt: J.G. Rheinberger, „Abendlied“, op.69/3.

Zusammenfassung für Eilige: Es gab ein musikalisches Unentschieden.

Ein Einstieg mit dem „fünften“ Evangelisten Bach führt kaum je zu Schlechtem; das übrige Programm verspricht mit Madetoja und Olsson vielleicht die eine oder andere Entdeckung? Alles Übrige bietet für fleißige Kirchenmusikgänger schwerlich Neues.

Und tatsächlich: Madetojas Komposition besitzt einige gelungene Momente. Die Vertonung der Verse 1, 3, 5 und 7 des Psalms 130 beginnt mit gregorianisch anmutender Einstimmigkeit, die sich rasch ins Vielstimmige erweitert. Vers 3 wird vom Baritonsolo vorgetragen (Solist: Gerd Neumann), dass sich – so sieht es die Komposition vor - nur unter Mühen dem Tutti erwehren kann, scheinbar untergeht; um am Ende das „…wer könnte bestehen?“ alleine flehend vortragen zu können.

Olssons „Jesu corona celsior“ birgt die ein oder andere harmonisch überraschende Wendung, jedoch bleibt die schlichte Liedhaftigkeit nicht weiter im Gedächtnis.

Das alleine aber führt nicht zum oben beschriebenen Unentschieden:

Die allezeit lobenswerte Textverständlichkeit der Stadtkantorei spricht eindeutig für sie; allein mit dem Raum kommen sie nicht zurecht. Sicherlich ist der Chor durch St. Johannis andere Nachhallzeiten gewöhnt, doch eine sorgfältigere Durchlaufprobe hätte unter Umständen geholfen - wobei geholfen?

Zuerst einmal sind die Damen im Vergleich zu den Herren zu dominant. Der Sopran wiederum gegenüber dem Alt viel(!) zu stark. An den fortissimo-Stellen wird es in der kleinen St. Martin-Kirche unangenehm laut, wie bei einer im Hochtonbereich übersteuernde Stereoanlage. Die leisen und leisesten Stellen dagegen – man hat doch so viele Sänger/-innen zur Verfügung! - sind allesamt zu kräftig; mag der Chor wohl den Eindruck haben, man sänge schon sehr leise…

Das ist einraum-akustisches Problem, doch gibt es auch ein künstlerisches beim Schütz’schen „Herr, wenn ich nur dich habe“. Sieht man darüber hinweg, dass aufgrund der gewählten Aufstellung der Doppelchoreffekt kaum zum Tragen kommt, so enttäuscht die Gestaltung, Phrasierung, das Klangbild der Motette völlig. Sie klingt wie eine von Mendelssohn. Leider. Die völlig andere Harmoniesprache Schütz’ wird – Verzeihung - vom romantischen (Chor-)Klangideal untergebuttert. Die Gemeinde darf im vorletzten Stück mit „Geh aus mein Herz und suche Freud“ ihr Scherflein beitragen. Das unvermeidliche „Abendlied“ beendet die Motette.

Das, ob der Sommerhitze, erfreulich zahlreiche Publikum hatte vor dem Motettenbesuch die Qual der Wahl. Gleichzeitig wurde auch in St. Jacobi musiziert (Kritik: hier). Leider wurde diese Motette versehentlich auf das zeitgleich stattfindende Konzert von St. Jacobi terminiert.

Dienstag, 25 März 2014 10:34

Bestens aufgelegte Stadtkantorei

Rossinis Stabat mater in der Johanniskirche

Der Schmerz der Mutter um den Gekreuzigten steht im Mittelpunkt der Katholischen Sequenz „Stabat mater“. Ein Text, mit dem viele Protestanten eher fremdeln. Bernd Eberhardt hat ihn in der Passionszeit in die Göttinger Johanniskirche geholt und wählte die Vertonung von Gioacchino Rossini aus. Hier nun versieht der Opernkomponist mit südländischer Sinnlichkeit den so innigen Text mit Arien, Fugen und Belcanto, dass es bisweilen nicht nur für evangelische Ohren befremdlich wirkt.

Aber diese Musik! Ein Feuerwerk, an dem man sich nur freuen kann. Vor allem dann, wenn es so kongenial wiedergegeben wird, wie mit den Solisten Christine Wolff, Gabriele-Betty Klein, Clemens Löschmann, Jürgen Orelly, der Göttinger Stadtkantorei und dem Göttinger Symphonie Orchester.

Das GSO wirkte nach dem anspruchsvollen und probenintensiven Programm vom Freitag (siehe hier) überhaupt nicht müde sondern folgte dem inspirierenden, frischen Dirigat von Bernd Eberhardt konzentriert und begeisternd. Das war auch schon in der „Großen“ g-Moll-Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. Auch wenn solch eine Musik eher nicht in den Kirchenraum gehörte, passt Mozarts Musik gut zum Rossini. Den Abend eröffnet hat die Stadtkantorei mit dem 22. Psalm von Felix Mendelssohn Bartholdy „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Schon hier war deutlich zu hören, dass der Chor sehr gut auf das Programm vorbereitet war: Aufmerksam und intonationssicher folgten sie Bernd Eberhardt und konnten so auch kleinste Details vom Dirigenten übernehmen. Clemens Löschmann übernahm den Solopart in dieser a cappella-Vertonung. Man kann sich keinen besseren Tenor für diesen Part wünschen!

Im „Stabat mater“ nach der Pause waren dann Chor, Solisten und Orchester vereint. Rossini hat jedem seine besondere Rolle zugewiesen. Insbesondere begeisterte Christine Wolff in ihrer Arie „Inflammatus et accensus“. Aber auch der flexible Mezzosopran Gabriele Betty-Kleins, der strahlende Tenor von Clemens Löschmann und der warme Bass von Jürgen Orelly wussten zu begeistern.

Die Göttinger Stadtkantorei war an diesem Abend allerbestens aufgelegt. Vielleicht war sie noch nie so gut wie hier: akkurat in den Tempi und Absprachen (Staccato-Singen im Chor – parallel zum Staccato des Orchesters!), ein wunderbarer Klang (besonders schön: die Bässe!), und vor allem eine perfekte Intonation: nach längeren Passagen ohne Orchesterbegleitung landete der Chor exakt in dem richtigen Akkord – das hört man selten.

Entsprechend fiel der Jubel nach dem Konzert aus. Die „Bravi“ kamen vollkommen zurecht!

Dienstag, 28 Januar 2014 13:18

Viel Applaus zum Geburtstag

Konzert der Corvinuskantorei mit Hermann Amlung

Den ersten Applaus gab es, bevor es überhaupt losging: der frühere Pastor der Corvinus-Gemeinde Marc Wischnowsky begrüßte die Besucher des Geburtstags-Konzertes mit der Bemerkung: „Am heutigen Tag haben zwei große Musiker Geburtstag“.
Wenn Hermann Amlung mit der Corvinuskantorei zum Konzert einlädt, ist die Kirche immer gut gefüllt. Doch dieses mal reichten die Stühle nicht: zu seinem 80. und Mozarts 258. Geburtstag kamen deutlich mehr Gäste.

Zu hören gab es Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn Bartholdy. Gerade bei den beiden Mendelssohn-Psalmen „Richte mich Gott“ und „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ war zu spüren, wo Amlungs Leidenschaft liegt: auswendig dirigiert, forderte er vom Chor Präzision, viel Gestaltung und vor allem Klang. Hier war er wieder zu hören: der „Stadtkantorei-Sound“, den er geprägt hat und den nunmehr Bernd Eberhardt an der Göttinger Stadtkantorei weiter entwickelt hat.

Umrahmt wurden diese beiden A-capella-Stücke von zwei Werken Mozarts: zu Beginn war das Oratorium „Litanieae de venerabili altaris sacramento“ zu hören. Diese anspruchsvolle Litanei komponierte Mozart im Jahr 1776, in ihr wird die Eucharistie besonders verehrt. Musikalisch ist sie durch die sehr unterschiedlichen neun Sätze interessant: besonders klangvolle Nummern wechseln sich mit eher schlichten Momenten, in denen gregorianische Melodien zu Grunde liegen. Dies ist sicher auch der Grund, warum Amlung das Werk ausgewählt hat, denn die Gregorianik ist eines seiner besonderen Anliegen. (Siehe Interview mit Hermann Amlung.)

Mozart komponierte in dieser Litanei auch eine groß angelegte Doppelfuge ("Pignus futurae gloriae"). Hier waren die technischen Schwierigkeiten an den Chor nicht zu überhören. Insgesamt folgten Chor, Orchester und Solisten dem Jubilar aufmerksam.

Den Abschluss des Abends bildete Mozarts „Spatzenmesse“, die Missa in C-Dur. Das ist nicht nur eine „Missa brevis“, also eine kurze Messe, die für den Gottesdienst geschrieben wurde, sondern auch eine „Missa solemnis“, also eine besonders festliche Messe. Entsprechend kommen Pauken und Trompeten zum Einsatz. Für den Chor ist dieses Werk vermeintlich weniger anspruchsvoll, verzichtet Mozart hier komplett auf einen Kontrapunkt. Dennoch gibt es viele kleine Klippen – es ist halt Mozart. Hier war noch einmal Konzentration bei allen Beteiligten gefordert.

Das Kammerorchester um Konzertmeisterin Ina Schmelzus ließ die Spatzen zwitschern und bot überhaupt viel Erfreuliches: an den Hörnen spielten Felix Klieser und Keiji Takao quasi als „alte Bekannte“, Aylin Balikavlayan und Veronika Schmidtke-Sieben an den Flöten, Michael Brömse an der Oboe, Marten Bock an der Trompete, Ulrike Haase am Cello – es ist immer wieder ein Treffen alter Bekannter. Und das ist gut so. Das Ensemble reagierte meist gut auf Amlungs Vorgaben.
Bei den Solisten fiel vor allem Nicola Krause-Glandorf mit ihrem schlanken, schönen Sopran angenehm auf. Das schmälert nicht die Leistung der übrigen Solisen: hätte Mozart den warmen, satten Ton der kurzfristig eingesprungenen Altistin Anna Bineta Diouf gekannt, hätte er seiner Constanze vielleicht weniger Töne zugesprochen. Goetz Philipp Körner (Tenor) und Jesko Baensch (Bass) ergänzten das Solistenquartett.

Am Ende wurde viel Beifall gespendet. Und viel gratuliert: Moderator Wischnowsky konnte zahlreiche Gäste begrüßen, die ihren ganz persönlichen Glückwunsch an Hermann Amlung aussprechen konnten. Großen Beifall erntete Bernd Eberhardt, der Anne Amlung bei Notabene beim Kauf von Noten getroffen hatte. Er zitierte die Frau des Kantors: „Das hier niemand auf dumme Gedanken kommt: natürlich leitet Hermann auch nach diesem Konzert die Corvinuskantorei weiter.“

Was für eine erfreuliche Nachricht an die Gemeinde, die Konzertbesucher und die Kirchenmusik in Göttingen.

Montag, 20 Januar 2014 18:15

Drei mal Stabat mater in Göttingen

Unichor am 1.2., Jacobikantorei am 9.2. und Stadtkantorei am 23.3.

Drei evangelische Kirchenmusiker führen in den nächsten Wochen ein „Stabat mater“ auf. Dieser mittelalterliche, katholische Hymnus wurde von zahlreichen Komponisten vertont, allein bei Wikipedia sind 53 Vertonungen aufgeführt, in der Petrucci-Musikbibliothek (http://imslp.org) sind es sogar 458 Treffer.

Dennoch ist die Häufung in Göttingen auffällig. Warum haben sich die Göttinger Chorleiter für dieses katholische Werk entschieden? Das mag Zufall sein. Oder ist es kurz vor dem Luther-Jubiläum 2017 eine Sehnsucht nach katholischen Inhalten? Das vielleicht dann doch nicht.

Mittwoch, 11 Dezember 2013 12:49

Hermann Amlung wird 80 Jahre alt

Am Montag, den 27. Januar 2014 feiert der Kirchenmusiker Hermann Amlung seinen 80. Geburtstag. Weil auch Wolfgang Amadeus Mozart am 27. Januar Geburtstag hat, ist an diesem Abend ein Konzert der Corvinuskantorei zu hören. Auf dem Programm stehen Werke von Mozart und Mendelssohn.

Anlässlich dieses runden Geburtstages und des Konzertes führte Jens Wortmann ein Gespräch mit Hermann Amlung.

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