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Dienstag, 20 März 2018 19:27

Innovative Klänge im Deutschen Theater

Eine interessante und auf den ersten Blick ungewöhnliche Mischung erwartete das Auditorium im Deutschen Theater unter dem Titel „Perspektive Schweiz“ unter der Leitung des aus der Schweiz stammenden Christoph-Mathias Mueller: Orchester trifft Schwyzerörgeli, ein traditionelles Schweizer Instrument, verwandt mit dem Akkordeon, jedoch anders in der Bauweise, das in Kombination mit dem Orchester zur innovativen Klangkunst wurde. Den Abend prägte eine hervorragende Mischung aus „Schweizer Melancholie“ (Mueller), aber auch frischen wie humorvollen Klängen, die zur Faszination und Begeisterung des Publikums beitrugen.

Donnerstag, 29 Oktober 2015 11:26

Saitensprünge mit Vivaldi

Konzert im Parthenonsaal

Für die Gipsabdrücke wird es manchmal ein bisschen eng im Parthenonsaal des Archäologischen Institutes. Wenn Lautenist Andreas Düker mit Antoni Vivaldi „Saitensprünge“ unternimmt macht das eben nicht nur die Liebhaber alter Musik für seine Konzertreihe hellhörig. Jede Menge zusätzlicher Klappstühle mussten für die vielen Vivaldifans bereit gestellt werden und so kann der Musiker  diesen Besucherrekord auch mit einer erfreulichen Nachricht verbinden. Die Konzertreihe in der Nachbarschaft von antiken Göttern, Musen und Helden wird im nächsten Jahr fortgesetzt. Und an einem Sonntagnachmittag vielleicht sogar erneut in der Besetzung für Laute, zwei Violinen und Kontrabass.

Düker hatte sich mit drei Musikerkollegen des Göttinger Symphonie Orchesters auf Triosonaten und Konzerte Vivaldis eingestimmt und das mit vielen zauberhaft sanft anmutenden Arrangements. In denen vermochten nicht nur Laute und Barockgitarre in ihrem filigranen Glanz zu strahlen sondern auch die Violinen von Thomas Scholz und Dmitri Feinschmidt und der Kontrabass von Takanari Koyama. 

Düker hat für seine Arrangements moderate Tempi gewählt. Auch wenn Vivaldi Melodielinien of virtuos veredelte und so die Musiker immer wieder zu virtuosen Höheflügen verführen mag, entwickeln sich im Parthenon Saal keine Sturm und Drang Tableaus. Die G-Moll Triosonate bezaubert in ihrer tänzerischen Anmut, wenn die Violinen die Laute umspielen und der Kontrabass mit seinem dunklen Plus rhythmisch beschwingt. Wie ein filigranes Klangemälde mutet auch Vivaldis C-Dur Konzert an, in dem Düker die ursprüngliche Solostimme der Mandoline auf die Laute übertragen hat. Die Musiker verstehen sich auch auf einen kontemplativen Vivaldi und auf diese Momente von Andacht. Wie Samt schimmert das Largo des zweiten Satzes und man möchte ganz im Sinne Goethes im Augenblick verweilen.

Nicht anders geht es den Zuhörern, wenn sich nun Barockgitarre und Kontrabass im unmittelbaren Dialog begegnen und der Lautenist die beiden Instrumente mit David und Goliath vergleicht und die Barockgitarre dabei keineswegs den Kürzeren zieht. Damit wurde zu Vivaldis Zeiten auch kräftig geschrammelt, meint Düker und lässt die Saiten mal eben kraftvoll erzittern. Umso faszinierender gestaltet sich nun das Zusammenspiel mit Takanari Koyama, der seinem Kontrabass in dieser Bearbeitung einer Cellosonate so feinsinnig berührende Seiten entlockt.

Takanari Koyama (und sein Baß) zusammen mit Matthias Gerstner (Klavier) im Clavier-Salon

Diese Sentenz aus P. Süskinds Einakter „Der Kontrabass“ hat ohne Zweifel ihre Berechtigung. Beim Transport.

Vorab: Der Rezensent übt sich selbst am Bass, von daher dürfen Sie eine unvoreingenommen, ausgewogene Beurteilung dieses Abends mit dem SCHÖNSTEN aller Instrumente erwarten.

Rauhe Schönheit und große Namen

Einer etwas rauhen Schönheit vielleicht, doch hält dies eine stattliche Zahl von Besuchern, trotz der Schwüle vor dem großen Gewitter, nicht davon ab diesen Abend für Kontrabaß und Klavier zu besuchen. Darunter etliche Kollegen aus dem GSO, dessen Solobassist Herr Koyama seit Ende 2013 ist.

Sperger, Bottesini, Gajdoš- die Namen sagen Ihnen nichts?
Dies dürfte wohl das größte Problem aller Kontrabaßsoloabende sein. Berühmte Komponisten für das Instrument kennen nur Eingeweihte; alle übrigen Stücke - wie Elgars „Salut d’Amour“, das Entrée - sind Bearbeitungen von ursprünglich anders besetzten Werken. Leider hat früher kein Komponist von Rang Solowerke für dieses Instrument hinterlassen; selbst Brahms nicht - und dessen Vater war immerhin Kontrabassist. Dies ändert sich erst nach 1945, ab dann lassen sich zahlreiche Beispiele finden.

Die „berühmten Komponisten“ (waren und) sind zumeist selbst Bassisten - der Mangel an Literatur… So auch Adolf Mišek mit seiner Sonate e-Moll für Kontrabass und Klavier op.6 (1911), deren ersten beiden Sätze, das dramatische „con fuoco“ mit dem anschließenden Andante cantabile, den Herren Koyama und Gerstner sehr überzeugend gelingt. Nach dem lyrischen Einstieg mit Elgar, hierbei überzeugt besonders das runde, unaufdringliche Vibrato des Solisten, bietet Mišek reichlich Gelegenheit, die Wendigkeit und Geläufigkeit zu demonstrieren, welche auf dem Bass – wenn man’s wie der Solist vermag - durchaus möglich ist.

Das folgende Intermezzo und Tarantella op.9 (1902?) von Reinhold Glière ist nach dem verhaltenen Beginn kaum weniger virtuos. In schnellen Läufen, Akkordbrechungen, mit Daumenaufsatz in den höchsten Lagen und reichlichem Einsatz des Flageoletts geht es das Griffbrett des Instrumentes hinauf und hinunter. Das selbst einem sehr guten Spieler dabei einmal ein Ton ganz ein wenig verrutscht, erwähne ich nur für alle, die sich nicht vorstellen können, wie schwierig es ist, den richtigen Millimeter bei einer Griffbrettlänge von fast einem Meter immer exakt zu treffen.

Das Zusammenspiel der beiden Musiker klappt reibungslos. Sehr aufmerksam passt Matthias Gerstner am Ehrbar-Flügel die Lautstärke jederzeit dem Soloinstrument an, welches sonst leicht zugedeckt werden könnte. Schwer zu glauben bei einem so großen Instrument, doch ist der obertonarme Klang des Kontrabass’ zwar voll und wuchtig, doch wenig glanzvoll, eher etwas dumpf.

Nach der kurzen Polonaise Elegie (e-Moll) von Zygmunt Noskowski zu Beginn der zweiten Hälfte, bietet anschließend ‚Invocation’ (Bittgebet) von Miloslav Gajdoš für Kontrabass solo die Gelegenheit den Bassklang ganz alleine zu genießen. Merkwürdigerweise findet in (fast) allen Solostücke die tiefste Lage des Instruments kaum Verwendung, obgleich sie im Alltag doch das Typische des Bassklangs ist, auf dessen Gerüst die ganze Orchesterherrlichkeit errichtet wird. Dies ist hier ein wenig anders; nebenbei verwendet Gajdoš, geboren 1948 und ebenfalls Bassist, auch diverse pizzicato-Varianten (d.h. gezupfte Töne) inklusive des schweren Greifhandpizzicatos. Der leicht verhangene, gepresste, raue Ton des Instruments passt zu diesem Werk wie angegossen. Das oft geforderte Wettbewerbsstück ist hörbar eines der Lieblingsstücke von Takanari Koyama.

Als gelungenste Komposition des Abend hat es außerdem ein Problem nicht, das sonst viele Werke für Kontrabass teilen: Bei allen schönen Ideen, allen feinen Details waren es oft Komponisten der zweiten Reihe, die sie schrieben. Kein Brahms eben.

Ein Satz aus J. M. Spergers Sonate D-Dur sowie G. Bottesinis ‚Capriccio di Bravura’ verlangen im Folgenden einen anderen Zugriff als das bisher Gehörte. Das leicht-perlende der Spergersonate gelingt den beiden gut, doch hätte sie vielleicht noch ein wenig frischer dargeboten werden können.

Bottesinis Werk, mit seinem Melodieeinfallsreichtum à la Bellini oder Donizetti, stellt auch heute noch das Maß an Virtuosität dar, was dem Instrument abverlangt werden kann. Vielleicht ist es der tropischen Hitze geschuldet, dass Herrn Koyama die gesanglichen Partien nicht alle so überzeugend wie im ersten Teil des Abends gelingen - mit den virtuos-bewegten überzeugt er allemal.

Zwei Zugaben als Dank für den zu Recht begeisterten Applaus. Als Ausklang noch einmal Bottesini (Elegie in D-Dur), davor aber als Bravourabschluss Rimskij-Korsakows „Der Hummelflug“. Dem Gebrumme des Instruments folgt das Gedröhn am Himmel.

Eine Bitte an den Solisten: Möge er, neben aller Orchesterarbeit, wieder einmal Muße für einen Soloabend finden.

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