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Montag, 20 November 2017 09:22

Ein Abend mit eigener Dynamik

Das Göttinger Symphonie Orchester mit der Pianistin Martina Filjak unter der Leitung von Svetoslav Borisov

Sonntag, 01 Mai 2016 09:03

Wenn Stradivari das gewusst hätte

Shion Minami (Violine) und Sarah Soyeon Kim (Klavier) gastierten mit dem Göttinger Symphonie Orchester in der Stadthalle

Montag, 27 April 2015 23:57

Eine Zugfahrt durch Connecticut

Zwei Raritäten - Göttinger Symphonie Orchester / Leipziger Streichquartett unter Svetoslav Borisov

Bach, Martinů, Ives.
Die Aufzählung der Namen sowie des jeweiligen Werks weckt bereits beim Lesen des Plakates Vorfreude auf selten gespieltes (den ersten in der Reihe ausgenommen, natürlich).

Erstaunlich vielen Damen und Herren muß es so ergangen sein, anders mag die leidlich gut besuchte Stadthalle nicht zu erklären sein. Abgesehen natürlich von jener "Ich bin Abonnent und höre alles"-Fraktion, welche die Freude aller Orchestergeschäftsführer sein dürfte.

Connecticut
Das Hauptwerk des Abends – Charles Ives’ (1874-1954, in Connecticut geboren) 2. Symphonie - war der Aufhänger für obigen Titel. Nach der teils sehr ansprechenden ersten Hälfte erklingen im zweiten Teil die fünf Sätze des zwischen 1897 und 1902 entstandenen Werkes. Tönend erblickte das Werk erst 1951 die Welt - die Spanne dazwischen mag andeuten, was es mit der Rezeption des Ives’schen Werkes auf sich hat, der im Brotberuf mit eigener Versicherungsfirma tätig war.

Zugfahrt - Wechsel der Landschaften und Stimmungen. Dieses Bild erschien mir beim Hören des Werkes spontan das Passende zur Beschreibung der Symphonie zu sein.
Aus den Orchestertiefen breitet sich eine weite leise vorgetragene Melodie langsam durch die Streicherstimmen aus. Kunstvoll gegeneinander gesetzt; ruhig, (scheinbar?) ziellos blüht sie auf, sinkt zusammen, erfährt erneuten Anlauf. Als ob in grandioser Stille ein Panorama durch das Zugfenster betrachtet wird.
Nach und nach mischen sich vereinzelt Bläser für Einzeltöne oder Akkorde in den Streichersatz, der immer ausladender, breiter, prächtiger wird - um schließlich ruhig zu versinken.

Soviel als Eindruck zum Andante moderato des ersten Satzes. Die Reihenfolge der Tempi des Werkes mit langsam-schnell-langsam-langsam-schnell kennt natürlich auch rasche
Passagen. Den Gestus von Entspanntheit und Ruhe verläßt sie dabei nicht.

Im zweiten wie fünften Satz finden sich Zitate aus Märschen und Chorälen, dazu einige Ragtimeelemente, die – das dürfte typisch sein - sehr hart gegeneinander gesetzt werden: ohne das das Eine ‚zwingend’ aus dem Andere folgen/sich ergeben sollte. Viele Zitate, selbst bei Unkenntnis der Vorlage, sind leicht zu erkennen; anderes ist derart versteckt, daß eher ein Blick in die Noten weiterhilft. (In der verdienstvollen Einführung zum Konzert fanden sich dankenswerterweise Tonbeispiele etlicher zitierter Melodien.) Dabei wird all dies geliehene Material so kunstvoll ins Eigene gewebt, daß der Eindruck von Fremdheit gar nicht erst aufkommt.

Obgleich sich Verbindungen (Thema des ersten Satzes im vierten wiederverwendet; Märsche im zweite und fünften) ergeben; obgleich es mit dem dritten Satz und vierten Satz neben dem gesanglich-innigen Moment eine kurze düstere Eintrübung gibt, fehlt dem Werk eine Entwicklung, eine Richtung. Das fröhlich Lärmen des Finales, mit schmissigem Marsch am Ende, der in überraschend scharfer Dissonanz endet, ist ein Ende - doch das Werk könnte auch zehn Minuten weiterlaufen… Vielleicht nicht Musik für jede Stimmung?

Das GSO präsentiert sich in durchweg solider Form, ein paar kleinere Ungenauigkeiten fallen nicht groß ins Gewicht. Im Finale jedoch scheint der Dirigent des Abends, Svetoslav Borisov zu Gast am Pult, das Orchester zu größerer Agilität antreiben zu wollen. Vergeblich, wenn man seine Schlagtechnik sich in diesen Momenten ansah.

Streichquartett und Orchester?
Merklich strenger faßte Borisov die Zügel vor der Pause beim Konzert für Streichquartett und Orchester des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů (1890-1959). Das 1931 entstandene Werk nimmt mit seiner ungewöhnlichen Besetzung Rekurs auf die barocken Gruppenkonzerte (Concerto grosso); einer leider wenig genutzten Form gegenüber dem dominierenden Model Solo/Orchester.
Das Leipziger Streichquartett übernimmt im dreisätzigen Werk den Solopart, wobei das Zusammenspiel mit dem GSO mehr als überzeugend ist. Der Schwung der kurzen Orchestereinleitung wird grandios vom Solo übernommen und durch den ganzen ersten Satz getragen. Vom Komponist wird das Streichquartett zumeist als Block gegenüber dem Orchesterklang eingesetzt. Allein im trübsinnigen zweiten Satz trägt jeder der vier einzeln die chromatische Linie vor, welche schließlich - von allen verstärkt und vergrößert - in einer erschütternden Tonexplosion mündet. In scharfem Kontrast dazu steht die lebendige Fröhlichkeit des abschließenden Rondos.

Langanhaltender Applaus des Saals für Werk und Interpreten, auf den leider keine Zugabe folgte, allein: Viele Werke in dieser Besetzung gibt es nun nicht…

Ein anderer Leipziger zum Konzertbeginn: Johann Sebastian Bachs Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068. Repertoireklassiker in gediegener Darbietung.

Leipziger Streichquartett
Stefan Arzberger – Violine I
Tilman Büning – Violine II
Ivo Bauer – Viola
Matthias Moosdorf - Violoncello

Sonntag, 16 März 2014 15:51

Der dirigierende Bär

Familienkonzert des GSO im Deutschen Theater

Nein, auf den Bögen der Streicher sind Pferdehaare gespannt, keine Bärenhaare. Mit Bärenhaaren würde das gar nicht funktionieren, versicherte Nathalie Kundirenko, Konzertmeisterin des Göttinger Symphonie Orchesters, dem Bären Paddington. Der konnte daraufhin beruhigt weiter im Programm fortfahren. Und das war ein Glück für alle Beteiligten: die Instrumente des Orchesters wurde dem Publikum im ausverkauften Deutschen Theater vorgestellt, bevor es zum eigentlichen Thema kam. Der englische Komponist Herbert Chappell (* 1934) hat viel Filmmusik komponiert. Für den Bären aus dem „finstersten Peru“ schuf er eine facettenreiche und kurzweilige Musik, die Paddington bis nach London und dort in sein erstes Konzert begleitet.

Die Konzertdramaturgin und -pädagogin Kerstin Klaholz ist schon häufiger in das Bärenkostüm geschlüpft. Gekonnt bezieht sie ihr junges Publikum mit in das Geschehen ein. Aber nicht nur die Besucher hatten Spaß an dem Konzert: auch die Musikerinnen und Musiker des GSO schmunzelten und lächelten. Das lag auch an dem frischen Dirigat von Svetoslav Borisov, der durch feine Zeichen und Mimik die Musiker mit auf diese Reise nahm. Orchester und Dirigent machten ihre Sache perfekt und reagierten gut aufeinander. Besondere Akzente setze Nathalie Kundirenko, der der Komponist zahlreiche Soli zugedacht hatte.

Zum Schluss übernahm der Bär selber das Dirigat. Auf der Suche nach Herrn Schubert, der seine Sinfonie unvollendet ließ, wo doch die Zuschauer in London den vollen Preis gezahlt hatten und damit Anspruch auf die ganze Symphonie hatten, verirrte sich Paddington auf die Bühne. Zur Überraschung der Zuschauer in der Geschichte, die aber mit einer solchen auch gerechnet hatten. Denn außer Schubert stand auch Haydns Symphonie mit dem Paukenschlag auf dem Programm. Im Englischen heißt sie die „Überraschungssymphonie“. Wunderbar waren die kleinen Zitate, die Chappell verwendet hat.

Nach genau einer Stunde war das Konzert vorüber – eine gute Zeitspanne für junge Konzertbesucher. Eine Zugabe wollten die meisten dann aber doch noch hören, die ihnen Klaholz, Borisov und Orchester auch gewährten.

Ein gelungenes Familienkonzert am Sonntagmorgen. „Mal etwas anderes“, wie aus dem Orchester zu hören war. Stimmt.

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