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Agnes Giese

  • „Zwei Frauen, eine leere Bühne, ein paar alte Requisiten und eine leichte, nebensächliche und unwahrscheinliche Handlung“, so beschreibt José Sanchis Sinisterra sein Theaterstück „Vor dem Abriss“, das jetzt am Jungen Theater in Göttingen seine Premiere feierte. Die Auswahl dieses Stückes ist natürlich nicht zufällig, denn es geht um ein Theater, dessen Bau in die Jahre gekommen ist. Versatzstücke besserer Zeiten sind zu sehen und es bröckelt Putz von den Wänden. Im Gegensatz zum spanischen „Gespenster-Theater“ wird das JT allerdings nicht abgerissen, sondern saniert.

  • Jetzt darf es auch mal richtig laut krachen. Alle Sicherungen sind diesmal in Rekordzeit durchgeknallt. Noch freut sich Natalie Nowak, die alle Elektrogeräte angeschaltet hat und ihre Jennifer auf der Bühne des Jungen Theaters mit dem Rührmixer stolz und stark posieren lässt. Die hat schon eine ganze Menge von ihrer heimlichen Liste abgearbeitet. Da steht alles drauf, was sie eigentlich nicht darf und jetzt ausprobiert, weil ihre Mutter nicht zu Hause ist. Mit Schuhen auf dem Sofa turnen, die dickste Pizza bestellen und ganz spät noch durch gruselige Filme zappen,soll auch die Angst vor dem Alleinsein vertreiben. Doch wenn es dann im Schrank so merkwürdig poltert, helfen auch keine Mutproben mehr und es kracht noch viel lauter, weil jetzt eine merkwürdige Gestalt in das Wohnzimmer stürzt.

  • Hinweis: exklusiv für Sie

    Über einen roten Teppich schritten die Gäste, die nach dem bewegenden Tag, an dem etwa 1,4 Millionen Menschen weltweit mit Fridays for Future für den Klimaschutz auf die Straßen gegangen waren, ihren Weg in die neue Spielstätte des Jungen Theater gefunden hatten – ein würdiger Empfang für einen solch historischen Abend. Denn nicht nur von einer doppelten, sondern gar von einer dreifachen Premiere konnte man am Abend des 20. September sprechen: Mit einem Klassiker der Commedia dell’arte eröffnete das Junge Theater seine erste Spielzeit in der neuen Spielstätte, der ehemaligen Voigt-Schule: die Premiere von „Ein Diener zweier Herren“. Es war zugleich Premiere des neuen Ensemblemitglieds Jens Tramsen und überhaupt die erste Premiere, die der frisch verlegte Bühnenboden erleben durfte, der ab jetzt „massenhaft Tränen, Blut und Schweiß aufsaugen wird“, so Nico Dietrich, der die Begrüßung des bis auf den letzten Platz gefüllten Saals wie gewohnt sympathisch-unterhaltsam gestaltete.

  • Monster lauern ja gern nachts unter dem Bett. Aber „Angstmän“ versteckt sich viel lieber im Schrank und erschreckt jetzt Jennifer, die natürlich noch mehr Angst bekommt, weil sie allein zu Hause ist. Allerdings schiebt dieser nächtliche Poltergeist noch viel mehr Panik in Hartmut El Kurdis Stück „Angstmän“. Der größte Schisshase des Universums ist nämlich auf der Flucht vor „Pöbelmän“, dem gemeinsten Superheldenschwein des Universums, der dann auch prompt in Erscheinung tritt.

    Angst haben eigentlich alle drei Figuren in diesem Theaterabenteuer für Kinder, das Agnes Giese am Jungen Theater inszeniert. Sie erzählt von einer nächtlichen Begegnung, die eine Freundschaft keineswegs ausschließt, nur dass dafür halt auch ein paar Mutproben fällig sind.

    Hören Sie Agnes Giese im Gespräch mit Tina Fibiger:

    Hören Sie eine "Kostprobe" aus dem Stück:

     

  • Es raschelt und rumpelt, zwitschert und klappert auf der Bühne des Jungen Theaters. Überall lagern Requisiten, mit denen das Schauspielteam Geräusche kreiert. Da quietschen rostige Gartentüren und bei hohem Seegang blubbert es dramatisch aus einer Wasserflasche während der Wind rauscht. Regisseur Eike Hannemann hat auch ein schönes Bild für seine Ausstattung des Bühnenraumes gefunden, um mit dem Ensemble die dramatisierte Fassung des Romans von Joachim Meyerhoff zu erzählen. Lautsprecher rahmen die Ereignislandschaft in der Sammlung von Episoden einer Familiengeschichte, in die der Autor hinein gelauscht hat: „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“. Dazu gehören neben den erinnerten Bildern und Gesprächen eben auch die Geräusche, die eine Stimmung vertiefen oder verfremden oder einfach nur damit spielen.

  • „Und übrigens: ich will die Scheidung!“ – drei historisch gekleidete Frauen sitzen an zwei Tischen. Es wird getratscht – es wird zickig. Dabei sind sich die drei Frauen so ähnlich: es handelt sich um drei der Göttinger Universitätsmamsellen, die sich gegenseitig ihre Lebenswege und Lebensentscheidungen vorwerfen. Welches Kind ist von welchem Vater? Wer ist mit wem fremdgegangen? Es sind die Wirrungen, die bis heute in Klatschzeitungen besprochen werden. Zum Glück handelt es sich bei diesen Frauen um intelligente und vielseitige Charaktere, die der Reflexion mächtig sind. So stehen sie auf und stellen fest, dass es nicht sie selbst sind, die sich wahrhaftig über diese banalen Themen echauffieren. Es ist die moralisierende Gesellschaft und die Zeit, in der sie leben – und die Zeit, in der wir heute leben. Es ist das Publikum als Teil der Gesellschaft. Es ist jeder für sich und alle gegeneinander. „Aloha!“, lautet die Absage an den Sexismus, an die Rolle der Frau, an die erwartbare Absage der Gesellschaft an die Emanzipation.

  • Dieser Junge will einfach nicht unter die Räder kommen. Dabei tut seine Umgebung ihr Bestes, ihn klein zu kriegen. Sie arbeitet mit allen Tricks, leeren Versprechungen und Verleumdungen. So verlangt es nun mal der tägliche Überlebenskampf, deren Brutalität Karl Rossmann in Franz Kafkas unvollendetem Roman „Amerika“ schmerzhaft erschöpfend zu spüren bekommt. Nun irrt er auf der Bühne des Jungen Theaters in der dramatisierten Romanfassung von Regisseur Christian von Treskow wie durch ein Labyrinth, das ihn ständig mit neuen Hindernissen und Zumutungen konfrontiert. Im Blick von Katharina Brehl spiegeln sich immer wieder Angst und Verzweiflung aber auch Trotz. Selbst wenn sie ihren Körper duckt und krümmt oder wieder einer Order hinterher hastet, gibt sie dieser Gestalt etwas Unbeugsames, das von innen zu strahlen vermag. Dort wo sich Anstand, Mitgefühl und Verständnis für die Not der anderen ebenfalls wieder zusammenrotten.

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