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    Junges Theater
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Junges Theater

Komödiantisches Chaos

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Die Krimikomödie »Achtsam morden« 
Rezension von Tina Fibiger - Erschienen am 27.November 2022

Ein ebenso mörderisches wie komödiantisches Chaos nimmt in »Achtsam morden« in der Inszenierung von Sascha Mey seinen Lauf. Tina Fibiger hat die Premiere im Jungen Theater besucht.

Das Wochenende mit Tochter Emily hatte sich Björn Diemel anders vorgestellt. Aber wer als Rechtsbeistand für die Geschäftserfolge eines Mafia-Clans zuständig ist, hat dann auch mal eine Leiche im Kofferraum. Auf der Bühne des Theaters gerät Jens Tramsen zunächst noch ein bisschen in Panik über die möglichen Folgen, wenn er Clan-Oberhaupt Dragan in kleine Stücke zersägt. Aber mit den Empfehlungen von Michael Johannes Mayer, der ihm als Achtsamkeits-Coach Joschka Breitner in heiklen Momenten zur Seite steht, ist der zentrale Spielmacher in der Bühnenfassung von Karsen Dusses Krimikomödie »Achtsam morden« offenbar ganz gut gerüstet. 

Er kann noch vieles mehr, wenn die Ereignisse außer Kontrolle geraten zu scheinen und sich die Bandenrivalitäten zuspitzen. Achtsam lässt sich schließlich nicht nur morden, sondern auch verhandeln, intrigieren, Druck machen und vor allem täuschen.

In der Inszenierung von Sascha Mey nimmt das ebenso mörderische wie komödiantische Chaos seinen Lauf und das auch als unterhaltsames Verwirrspiel. Es geht schließlich nicht nur um Drogengeschäfte, Waffenhandel und die Eröffnung eines weiteren Edelbordells, sondern auch um störrische Ehefrauen, dringend benötigte Kita-Plätze und wachsame Kriminalkommissarinnen. Neben Jens Tramsens Björn Diemel nennt der Programmzettel 18 weitere Figuren, die in den Krimiplot verwickelt sind. Neben  den Schergen der beiden Mafia-Clans und einem weiteren nicht zerstückelten Oberhaupt kommen auch quengelige Töchter und besorgte Mütter ins Spiel. Hipster Geschäftsführer, russische Serviererinnen und Kanzeleichefs, bis wieder mal der Achtsamkeits-Coach zu Rate gezogen wird. Sie alle werden von Michael Johannes Mayer und Fabienne Elisabeth Baumann gespielt und mit viel komödiantischen Zubehör versehen. Mit fiesen Grimmassen etwa, wenn mal wieder eine mörderische Drohgebärde fällig ist oder ein Ultimatum, damit die Geschäfte weiter florieren. Zum nächsten Achtsamkeitsgebot für optimale Selbstoptimierung gibt es dann statt grünem Tee ein beseeltes Grinsen oder eine Übung für Yoga-Aspiranten. 

Und damit das Publikum zwischen Sascha, Möller, Malte, Katharina, Emiliy, Breitner, Boris, Carla und all den anderen den Überblick nicht ganz verliert, werden ihre Namen an einer Kreidetafel vermerkt und mit Pfeilen versehen, wer gerade für oder gegen wen argumentiert und auf den nächsten Schachzug lauert.  Es hat auch seinen Spaß an den Klischees, die an den Figuren haften und in den Dialogen oft noch verstärkt werden. 

An einer Garderobenleiste hängen ausreichend Leerjacken, gepflegtes Business Outfit und Kindermode, während die Schauspieler in der Bühnenmitte das Gestell mit den vielen Klappen drehen, dass ihnen Bühnenbildner Jörg Brombacher für kurze Auftritte und die unmittelbare Verwandlung in eine andere Figur und auch für die wechselnden Schauplätze gebaut hat. Konspirativ verhandelt wird nun mal ebenso gern an abgelegenen Treffunkten, Parkplätzen und Parkbänken und Büroenklaven wie mit einem Happy Meal bei McDonald oder russischen Spezialitäten. 

Sogar in einem Kindergarten lernt der achtsam mordende Jurist seine Achtsamkeitspotentiale optimieren. Dort lauern bereits die Puppen, mit denen sich ebenfalls erfolgreich um Seilschaften und Netzwerken schachern lässt. Wo sich die Ereignisse in Karsten Dusses komödiantischem Krimiplot auf so turbulente und manchmal auch absurde Weise zuspitzen, lässt Sascha Meys Inszenierung auch Raum für Klamauk und pures Spielvergnügen. Die Zuschauer begeistert das komödiantische Chaos mit all den Gags, den Albernheiten und den frechen Pointen auf das Krimi-Genre im B-Movie Format. 

Was an diesem Theaterabend untergeht, ist der ironische Unterton, der sich aus der komödiantischen Variante zur aktuellen Resilienz-Debatte nicht ohne weiteres wegblenden lässt. Wie der vollmundige Rat zu mehr Achtsamkeit in die Selbstoptimierungsfalle führt und sich als Erfolgsrezept für die Wettbewerbsgesellschaft rentabel bewährt.