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Beim Barte des Johannes

Information
»Der Klaus zum Sonntag« von Klaus Pawlowski - Erschienen am 30.Juni 2022

Zu den ClavierTagen 2022 mit dem Schwerpunkt Johannes Brahms gibt es ein neues Gedicht von Klaus Pawlowski.

Johannes war ein Mann so schön
mit herrlich blonden Locken.
Als Clara Schumann ihn geseh‘n,
war sie voll von den Socken.   

Da komponierte er noch wild,
fast ohne nachzudenken.
Doch Clara wusste sanft und mild
in Bahnen ihn zu lenken.

Doch halt? Die erste Sinfonie
klang wie Beethovens zehnte.   
So brav in Stil und Harmonie,
dass Richard Wagner gähnte.

Und motzte. So auf Wagner-Art,
selbstherrlich, wie kaum einer:
„Was Du da machst, hat so ‘nen Bart
wie Palestrina seiner.“

Und Brahms? Der konterte knallhart
den arroganten Sachsen:  
„Na klar, Du Depp. Dann eben Bart!“
Und… ließ sich einen wachsen.

Sah nicht so schick wie Verdis aus,
wie Dvoraks, flott verwirbelt.
Kein Schnäuzer wie bei Grieg und Strauß, 
kunstvoll emporgezwirbelt.

Nein, Brahmsens Vollbart gräulich braun
hing struppig bis zur Brust ihm.
War er auch scheußlich anzuschau‘n,
half er bei manchem Frust ihm.

Einst kam die Clara Schumann nicht,
da schrieb ihr der Betrübte:
„Der Mond verhüllt sein Angesicht,
genau wie ich, Geliebte.“    

War Clara bei ihm, trieb sie gleich
ihm aus jedwede Flausen.
„Kein Kuss in dieses Kinn-Gesträuch
Dafür kannst Du’s ja zausen.“

Na, und das tat der Brahms denn auch
in vielen Lebenslagen.
Er hatte häufig Wut im Bauch
und der – wie soll ich sagen – 

sein Bauch, der schwoll auf XXL,
bis ihn kein Bart mehr deckte.
Denn Essen war Brahms‘ Freudenquell.
Man sah, dass es ihm schmeckte.

Man sah es so, dass Wagner sich
mokierte unverfroren: 
„Der Verdi hat als Vorbild dich
für‘n Falstaff sich erkoren.

Und dann:  Dein Kopf- und Bartgestrüpp
ist schrecklich anzusehen.
Du könntest auf den Gammeltripp
glaubhaft als Hippie gehen.“

Brahm schrie: „Ein Hippie? Warum nicht?
Dann will ich mal probieren,
ab jetzt so wild und struppelicht
mein Zeug zu komponieren.

Ich pfeif auf jede Konvention.
Und weil ich euch zu fett bin,
hau ich jetzt als Versuchsversion
ein fettes Streichquartett hin.

Nein, besser: eine Rhapsodie,
‘nen dicken krausen Batzen.
Und dann probier ich irgendwie,
das wilde Teil zu jazzen!“  

Johannes machte halt sein Krams.
War eben Brahms.