Meine Bestellungen

Ihr aktueller Status:

Sie sind Gast auf dieser Seite.

Registrieren Sie sich, um Ihren Status zu ändern.
Bestellen Sie einen Tageszugang oder ein Abonnement, um alle Funktionen freizuschalten und alle Texte lesen zu können.

Willkommen im Kulturportal vom Kulturbüro Göttingen. 

Hier finden Sie Termine und Nachrichten aus dem Kulturleben der Region. 
Ihre Möglichkeiten als Benutzer:in auf dieser Seite sehen Sie, wenn Sie auf das Menü rechts klicken. (Die drei kleinen schwarzen Balken)

Passend zu diesem Text

Information
PLUS-Artikel für Abonnent:innen
19. Nacht der Kultur in der Göttinger Innenstadt

Ganz gelöst im Sonnenschein

Information
Reportage von Kerstin Kratzsch - Erschienen am 13.Juni 2022

Alljährlich  zur Nacht der Kultur verwandelt sich die Göttinger Innenstadt in einen Wandelparcours voller Musik, Tanz, Malerei und Theater. Auch dieses Jahr hat der Verein ProCity ein facettenreiches Kulturprogramm voller Abwechslung zusammengestellt, das für alle Altersgruppen und jeden Geschmack etwas zu bieten hatte. Nach zweijähriger Pause konnte das große Kulturevent an diesem Wochenende zum 19. Mal stattfinden.

Am Samstagnachmittag verraten nur wenige Besonderheiten, dass die Göttinger Innenstadt sich zum Abend hin und die Nacht hinein zu einem von tausenden Menschen durchwogten Ort des Theaters, der Musik und des Tanzes verwandeln wird.

Wie an jedem gewöhnlichen Samstag flanieren und bummeln zahlreiche Menschen durch die Innenstadt, betrachten Schaufenster und erledigen Besorgungen. Die Sonne scheint, die Masken sind fast zur Gänze verschwunden – was schön ist, da viele Menschen lächeln. Es fällt auf, dass die Tische der Straßencafés alle fast  bis auf den letzten Platz besetzt sind.  Auch auf den Bänken der Fußgängerzone, den Stufen und dem Brunnenrand des Gänseliesel-Brunnens tummeln sich zahlreiche Personen. Anders als an gewöhnlichen Samstagen sind auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus, wo um 20 Uhr das Konzert des Göttinger Symphonieorchesters beginnen wird, Reihen aus weißen Plastikstühlen und eine große Bühne aufgebaut, umzäunt von Metallgittern.

Schlendert man weiter zum Wilhelmsplatz dringen schon aus einiger Entfernung asiatisch anmutende Klänge ins Ohr. Auf dem lichtdurchfluteten Platz spielen Kinder und entspannen sich wie immer bei Sonne viele Menschen jeden Alters auf den Bänken und Wiesen des kleinen Parks. Auf der dort aufgebauten Bühne tanzen junge Damen der Göttinger Kathak-Gruppe in bunten indischen Gewändern voller Anmut diesen indischen Tanz, der den ganzen Körper ergreift und in schwungvolle Pirouetten übergeht. Diese Performance endet und überlässt der Trommlergruppe des KAZ die Bühne. Die Trommelklänge folgen Flanierenden hinein in die Burgstraße, wo Kunsthandwerker ihre Waren feilbieten : Bunte afrikanische Gewänder, Tücher, Fächer, aus Olivenholz gefertigte Schalen, Bretter und  Küchenutensilien, handgeschöpfte Seifen für Körper, Haar und Hände, Taschen, Lesezeichen und Mappen, dekorative Pflastersteine und Keramik.

Die Straßen der Innenstadt beleben sich nun zusehends und angesichts der  Fülle des facettenreichen Angebots an Musik, Performance, Tanz, Ausstellung, Bücher- und Straßenmarkt fällt es schwer, sich zu entscheiden. Ich lasse mich also ein wenig treiben und gehe zur Paulinerkirche, an deren linker Seite »The original Beatniks« ein von Oldies geprägtes Konzert geben. Neben Titeln von Creedence Clearwater Revival, Steppenwolf und The Who finden sich auch Swingstücke wie „The Hippy, Hippy Shake“. Bei diesem Titel bleibt es nun nicht mehr beim bloßen Wippen, sondern einige Paare beginnen nun auch auf der „Tanzfläche“ vor der Bühne eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen.

Ausgelassen getanzt wird den ganzen frühen und späten Abend  überall in der  Innenstadt.  Besonders wild im Börnerviertel zum swingenden Groove von »Front Porch Picking«, auf und vor der Bühne des »African- Culture-Clubs« und den ganzen Tag auf dem Waagplatz, wo zum Abschluss des Abends die »Bazuto  All Stars« aus Kolumbien das gesamte Publikum zum Tanzen auffordern. Weitergefeiert wird nun noch auf dem Platz vor dem Audimax, wo DJs die jungen Partygäste zum Schwitzen bringen.

Die größten Anziehungspunkte sind jedoch das Konzert des Göttinger Symphonieorchesters und alternativ die Konzerte auf dem Wilhelmsplatz. Die Veranstalter verzichten dieses Jahr auf die blickdichte Abschottung des Symphonieorchesters. Und war die Jahre zuvor der Marktplatz bereits voller Menschen, die lauschten, ohne zu sehen, so ist der Platz nun übervoll mit Schaulustigen. Sämtliche Caféstühle, Bänke, Stufen, Mauervorsprünge, alle Sofas, die die Göttinger Entsorgungsbetriebe alljährlich auf dem Kornmarkt bereitstellen sind besetzt, die Menschen drängen sich dicht an dicht.

Auch um und auf dem Wilhelmsplatz wird das Gedränge immer dichter. Man sieht manchen Gästen nun auch schon die Erschöpfung des langen, heißen Tages an.

Bei den Fans der Göttinger Lokalmatadoren »Flooot« überwiegt die Freude und alle Erschöpfung scheint weggeblasen, als die jungen Männer mit Rap, Bläsersatz, Groove, Melodie und geballter Energie auch hier die Menge zum Tanzen bringen.

Nicht zu vergessen bei alledem sind auch leisere Klänge und ruhigere Programmpunkte. Es gibt Bilder und Installationen zu bestaunen, man kann den »Stillen Hunden«, diesmal in Schlafanzüge gekleidet vor dem Bettenhaus Heller lauschen, wo sie Auszüge aus kurzen Geschichten und Gedichten zum Thema des Bettes und des Schlafengehens zu einem humorvollen Kurzprogramm zusammengestellt haben. Und wird einem das Gedränge und Getöse der belebteren Innenstadtstraßen zu viel, empfiehlt es sich stets in Seitenstraßen auszuweichen, die seltsam entvölkert erscheinen.

Trotz all dem Trubel ist es schön, die Göttinger Stadtbewohner und Besucher ganz gelöst im Sonnenschein tanzen, sich vergnügt in Straßencafés und auf Grünflächen  entspannen zu sehen, auf den Brücken an der Leine zu verweilen und durch die Innenstadt zu schlendern.

Die Kulturnacht endet gegen 22 Uhr und  die Besucher machen sich langsam auf den Nachhauseweg nach einem Abend, der  auch in diesem Jahr für die Veranstalter von ProCity wohl ein voller Erfolg war.