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Kunstverein

Neue Künstlerische Leitung im Kunstverein Göttingen

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Sarah Crowe und Alke Heykes
Meldung von Lara Siegers - Erschienen am 17.Januar 2023

Der Kunstverein Göttingen freut sich, in seiner 55-jährigen Geschichte zum ersten Mal für zwei Jahre die Künstlerische Leitung an ein Kurator:innenduo zu vergeben. Ab dem 1. Januar 2023 übernehmen die Kuratorin Sarah Crowe und der Kurator Alke Heykes diese umfangreiche Rolle.

Nach einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren hat sich der Vorstand des Kunstvereins für das Duo entschieden und sie vorerst für das Jahr 2023 mit der Aufgabe betraut, eine Gruppenausstellung und vier Einzelausstellungen im Künstlerhaus sowie im Alten Rathaus in Göttingen mit jungen internationalen Positionen zu kuratieren, für die diese Ausstellung die erste institutionelle Einzelausstellung sein soll.

Sarah Crowe (*1990) und Alke Heykes (*1988) haben sich während ihres Masterstudiums der Curatorial Studies an der Goethe-Universität und an der Städelschule in Frankfurt am Main kennengelernt. Dieser interdisziplinär angelegte Studiengang und die Nähe zur jungen internationalen Kunstproduktion haben dort bereits zu gemeinsamen Projekten der beiden geführt. Für das erste Jahr als neue Kurator:innen am Kunstverein Göttingen haben die beiden das Jahresprogramm "the body is a material mind" vorgelegt. Dafür bringen sie künstlerische Prozesse zusammen, die die Wahrnehmungsfähigkeit des Körpers in Verbindung mit - und nicht getrennt - vom Geist erforschen. Die eingeladenen Künstler:innen zeigen materielle Reflexionen über den Körper als mehr als nur ein Gefäß für Gefühle und Intellekt, sondern vielmehr als deren Ursprung.

Die Trennung von Körper und Geist mit ihren jeweiligen Wahrnehmungswelten bleibt in westlichen Kulturkreisen nach wie vor hartnäckig. Dieser Dualismus aus Körper und Geist trennt unsere Wahrnehmungswelt klassischerweise in körperlich-taktile und kognitive Erfahrung. In der westlichen Ideen- und Philosophiegeschichte gab es verschiedene Positionen zu diesem Komplex, die die Natur und die Beziehung von Körper und Seele-Materie und Geist befragt haben. Sind Geist und Körper zwei verschiedene Substanzen? Wenn ja, wie sind sie miteinander verbunden? Wenn nein, ist der Geist etwas Körperliches, oder ist der Körper eine Form des Geistes? Oder sind Körper und Geist verschiedene Manifestationen einer einzigen neutralen Substanz?

Genau in diesem Spannungsverhältnis zwischen beiden genannten Vorstellungen bewegen sich auch die ausgewählten Künstler*innen mit ihren Werken. Ohne dabei die Antwort auf diese komplexen Fragen zu kennen, betrachten sie aktuelle gesellschaftliche Aspekte, die heutige Identitätsentwürfe beeinflussen und unser Leben bestimmen. Identität wird dabei immer als ganzheitliches Phänomen in Symbiose aus menschlicher und nicht-menschlicher Welt verstanden. Die künstlerischen Positionen materialisieren Gefühle und geistige Erkenntnis durch und mit dem Körper. Wahrnehmung ist heute ein vielfältiges Spektrum, das sich körperlich manifestiert. Ausgehend von der jüngeren Ausstellungsgeschichte des Kunstvereins Göttingen und der historischen Bedeutung Göttingens als renommierte geisteswissenschaftliche Universitätsstadt zeigen die künstlerischen Positionen aktiv, dass der Körper nicht nur Rezeptor von Gefühlen oder Empfänger von Übertragungen des Geistes ist. Körperliche Intelligenz wird durch eine materiell verkörperte Erfahrung wahrgenommen: Gefühl und Intelligenz werden durch eine körperliche Form nicht nur reflektiert, sondern existieren auch als solche.

So überbrücken die ausgewählten Künstler:innen die immer noch vorherrschende Kluft zwischen Geist und Körper durch materielle und handwerkliche Praktiken. Sie verwenden Materialien, die von Natur aus greifbare Gefühle ansprechen, und setzen physische Techniken ein, die in der Praxis selbst eine materiell-handwerkliche Geisteserfahrung schaffen. Die Künstler:innen arbeiten mit Materialien und Werkzeugen als Erweiterung ihres materiellen Geistes, als Erweiterung der Art und Weise, die Erfahrung ihres Körpers mit der Welt zu entwickeln. Die Künstler*innen zeigen, wie die physische Technik Gefühl und Wahrnehmung verkörpert. Die Materialien, mit denen sie arbeiten, werden oft wiederverwendet, recycelt oder umfunktioniert, was sowohl für nachhaltige Kunstpraktiken als auch für die inhärente Fähigkeit von Materialien spricht, Träger von Geschichte und Erinnerung zu sein. Für die Künstler:innen, mit denen das Kurator:innenduo zusammenarbeiten will, gehen diese beiden Ideen Hand in Hand. Wie kann man versuchen, die Erfahrung unseres Körpers in der Welt zu verstehen, ohne die Auswirkungen unseres Körpers auf diese Welt anzuerkennen?

Die Künstler:innen aus »the body is a material mind« stellen dabei die Frage nach dem gemeinsamen Miteinander von menschlichen wie auch nicht-menschlichen Agent:innen in unserer Welt. Sie alle fordern direkt oder indirekt die Entwicklung eines inklusiven, nachhaltigen und auf Fürsorge bedachten Miteinanders. Für das Jahresprogramm 2023 soll der Kunstverein Göttingen unter der neuen künstlerischen Leitung von Sarah Crowe und Alke Heykes zum sozialen Erfahrungsraum statt zum steifen und sterilen Ausstellungsraum werden. Die Künstler:innen aktivieren die Besucher:innen im Ausstellungsraum alle in der einen oder anderen Form, da ihre Arbeiten aktiv körperlich sind und damit
uns alle gleichermaßen betreffen.