Meine Bestellungen

Ihr aktueller Status:

Sie sind Gast auf dieser Seite.

Registrieren Sie sich, um Ihren Status zu ändern.
Bestellen Sie einen Tageszugang oder ein Abonnement, um alle Funktionen freizuschalten und alle Texte lesen zu können.

Willkommen im Kulturportal vom Kulturbüro Göttingen. 

Hier finden Sie Termine und Nachrichten aus dem Kulturleben der Region. 
Ihre Möglichkeiten als Benutzer:in auf dieser Seite sehen Sie, wenn Sie auf das Menü rechts klicken. (Die drei kleinen schwarzen Balken)

Passend zu diesem Text

Information
PLUS-Artikel für Abonnent:innen
Jazzfestival

Das Göttinger Jazzfestival mit einem stürmischen Finale

Information
Bericht von Tina Fibiger - Erschienen am 16.November 2022

Gegen 4 Uhr am Sonntagmorgen winkte das Bistro-Team ab. Sonst hätte die Jazz Party im DT-Keller vermutlich noch bis in den hellen Tag hinein gedauert. Mit dem Dancefloor zum Finale des musikalischen Wochenendes wollte das Festival-Team vor allem ein jüngeres Publikum für die Jazzszene begeistern, das sich auch gerne überreden ließ.

Schnell ausverkauft waren die Karten für die Party ab O.3O Uhr, so dass viele Festivalnewcomer vertröstet werden mussten.

Allerdings hatte die »Jazzrausch Bigband« auf der großen Bühne bereits zuvor für Dancefloor Stimmung gesorgt und dabei auch das angestammte Festivalpublikum mobilisiert. Kaum jemand hielt es auf seinem Platz. Die Stühle in den ersten Reihen konnten zusammengeklappt werden. Getanzt und geswingt wurde vor der Bühne und in den Gängen, wie selten zuvor ihr Publikum bestürmten und berauschten.

Aus einer Fülle intimer Dialoge zwischen den Musikerinnen schöpft Tijn Wybenga mit seinem »Amsterdam Modern Orkest«, wenn er die Motive wie einzelne Splitter zu einer gemeinsamen Komposition verdichtet. Dann sprudeln sie in dynamischen Schwingungen und in poetischen Farben und fluten den Zuschauerraum am Freitagabend mit purer Lebensenergie, Spielfreude und Begeisterung. Bei der israelischen Sängerin und Komponistin Efrat Alony sind es die perfekten Arrangements auf die sich ihre Stimme mit Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug verständigt. Mit ihrer Band faszinierte sie ihr Publikum  vor allem in der filigranen Feinabstimmung.

Im Programmheft wird der indische Drummer und Percussionist Trilo Gurty mit seinem Quartett als lebende Legende angekündigt. Doch schon mit den ersten Tönen und Tonwirbeln durchdringt Trompeter Frederik Köster die perkussiven Kraftfelder. Subtile Akzente setzen Jesse Milliner mit Piano, Keyboard und Syntheziser und Jonathan Ihlenfeld Cunado am Bass, um später auch in expressive Soli auszuschwärmen oder auch in romantische Klangfantasien, während Frederik Köster und Trilo Gurty bereits das nächste perkussive Klangkraftfeld erkunden.

Nach dem stürmischen Auftakt am Freitagabend ist die Atmosphäre auf der  großen DT-Bühne am Samstag zunächst fast symphonisch grundiert. Alle Zeit der Welt scheint in die lang gestreckten Töne zu fließen, die Theo Croker mit seiner Trompete moduliert. Mit Mike King (Keyboard), Erik Wheeler (Bass) Shekwoaga Ode (Drums) und D’Leau (art &sound) schöpft er auch aus den Quellen von Pop und Funk und wie sie den Jazz beflügelten und sich immer wieder impulsiv entladen, verwebt mit einem fein durchdringenden Puls.

Leidenschaftlich exzessiv und aufbrausend kontrastiert das „Dejan Terzic Axiom“ die symphonische Atmosphäre. Der Musiker am Schlagzeug-Pult lässt  seine Musiker oft  gewaltig rocken, wenn sie aus Tönen, Silben und Tonsplittern ihre Klangfiguren antreiben und mit ihnen eine Klanglandschaft erkunden, die an eine abenteuerliche Odyssee denen lässt. In dieser Klanglandschaft haben die tonalen Verwerfungen eine ebenso faszinierende Wirkung wie die melodischen Fantasien, vom Bass zupft und vom Saxofon besungen, um dann am Klavier wie mit Klangglocken umspielt zu werden. Erneut bestürmen und berauschen ließ sich das Publikum schließlich von der »Jazzrausch Bigband« zum Festivalfinale, das auch die Bühne gelegentlich in einen Dancefloor verwandelte.

Zwischen den Bühnen und den Konzerten flaniert wurde natürlich trotzdem an beiden Abenden im Deutschen Theater und das vielleicht sogar mehr als in den vergangenen Jahren und unter Coronabedingungen. Zum 45. Göttinger Jazz-Festival waren zwar immer noch weniger ZuschauerInnen zugelassen als 2019 vor der Pandemie, aber dadurch blieb nicht nur das vertraute Gedränge um einmal ergatterte Plätze oder an den Eingängen zur Hauptbühne aus. Es gab endlich wieder Raum zum Flanieren und zu Abstechern in die lokale Jazz-Szene. Göttinger Bands und Bigbands waren erstmals wieder mit am Start, so dass vor allem vor dt-2 Bühne und dem dt-keller immer wieder Schlangen gab. Die Swing-, Dixie- und Oldtime-Formationen wurden bei ihrem Festival-Revival ebenso gefeiert, wie die Jugendbigbands der Göttinger Schulen und die Bands, die mit dem Jazz immer wieder musikalisches Neuland erkunden und ihr Publikum bei diesem stürmischen Festivalfinale beflügelten.

5 TOTAL SCORE

meine Meinung

großartig

PROS

  • Sound

CONS

  • Licht