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    erschienen am 20 Mai 2022
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    9. Festspieltag 20. Mai 2022

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    Täglicher Podcast mit Tina Fibiger und Jens Wortmann
    erschienen am 19 Mai 2022
    HändelPodcast Internationale Händel-Festspiele Göttingen Szenenwechsel
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PLUS-Artikel - freigegeben für alle Leser:innen
Händel-Festspiele
Das Festspielprogramm wurde vorgestellt

Neue Horizonte bei Händel

Information
Interview mit dem geschäftsführenden Intendanten Jochen Schäfsmeier
Interview von Jens Wortmann - Erschienen am 16.März 2022

„Neue Horizonte“ – so lautet das Motto der Internationalen Händel-Festspiele 2022. Es sind die ersten Festspiele des neuen Duos an der Spitze der Festspiel GmbH mit Jochen Schäfsmeier als Intendanten und George Petrou als künstlerischen Leiter. 

Jens Wortmann hat sich mit Jochen Schäfsmeier über diese neuen Horizonte unterhalten.

Was ist mit „Neue Horizonte“ gemeint? Sind damit die beiden neuen Personen in der Leitung der Festspiele gemeint?

George Petrou und ich hatten uns schon sehr früh über das Festspielmotto unterhalten. Wir wollen eine eigene Handschrift zeigen und den Blick in neue Richtungen werfen. Aber ohne das Alte zu verlassen. Wir wollen die Frage beantworten „Was können wir machen, wenn in 100 Jahren bereits alles gemacht worden ist?“ Darum wurde die erste Idee Zu neuen Ufern verworfen. Neue Horizonte greift diese Gedanken viel besser auf. 

Was für neue Richtungen können damit gemeint sein?

Es gibt einige Neuerungen: neue Namen bei den Künstler:innen wie zum Beispiel die Sopranistin Julia Lezhneva , neue Veranstaltungsorte  wie zum Beispiel die Sheddach-Halle im Sartoriusquartier oder auch neue Veranstaltungsformate wie zum Beispiel die Lunchkonzerte. Und auch die Tatsache, dass wir die Festspiele nicht mit der Opernpremiere eröffnen, sondern mit einem Konzert des FestspielOrchesters Göttingen (FOG), ist eine Neuerung.

Das ist in der Tat eine Neuerung. War das von Anfang an so beabsichtigt?

Tatsächlich war es das nicht. Ursprünglich hatten wir vor, eine zweite Oper zu präsentieren. Sarrasine nach der Erzählung von Honoré Balzac. Die Musik natürlich von Händel, aber als Pasticcio aus verschiedenen Fragmenten, die nicht in eine der Opern von Händel Einzug erhielten. Aber dieses Projekt mussten wir streichen, weil wir keine Spielstätte dafür hatten. Die Lokhalle ist nicht wirklich geeignet für barocke Aufführungspraxis mit Originalinstrumenten. Und die Stadthalle steht bekannterweise nicht zur Verfügung. 

Mit dem jetzigen Eröffnungsprogramm sind wir aber sehr zufrieden.

Was gibt es zu hören?

Das FestspielOrchester Göttingen spielt unter seinem neuen Leiter George Petrou vier Concerti grossi von Händel. Dazu gibt es noch die Kantate Aminta e Fillide mit dem Newcomer-Sopranisten Bruno de Sá und und der griechischen Sopranistin Myrsini Margariti.

Zurück zur Oper: Giulio Cesare in Egitto ist eine der bekanntesten Opern Händels. Warum wurde sie für die erste Spielzeit von George Petrou ausgewählt?

Zunächst einmal: diese Oper wurde vor genau 100 Jahren in Göttingen wiederentdeckt. Aber eine der Neuerungen bei den Internationalen Händel-Festspielen ist, dass der künstlerische Leiter auch Regie bei der Oper führt. Mit der Nederlandse Reisopera hat er diese Oper bereits erfolgreich einstudiert und aufgeführt. In Göttingen steht das komplette, erstklassige Ensemble erneut zur Verfügung – hoffentlich bleiben alle gesund und können anreisen. Die Probenphase für die Solisten ist kürzer. Dennoch gibt es einige Änderungen. Kürzungen, die für die niederländische Produktion notwendig waren, können entfallen. Und als Orchester steht und natürlich das FOG hier zur Verfügung, mit dem wir ab 24. April proben werden.

Bleibt das FOG unverändert zusammen?

Ja, erfreulicherweise bleibt das Orchester zusammen. Eine erste Begegnung mit George Petrou gab es ja im vergangenen Jahr im Galakonzert – alle freuen sich auf die Zusammenarbeit. Auch mit diesem Orchester gilt es, neue Horizonte zu eröffnen: das Orchester soll auch an anderen Orten in Deutschland auftreten und stellt sich damit vermehrt der Konkurrenz mit anderen Barockorchestern. Die Qualitätssicherung und -steigerung ist eine besonders nachhaltige Aufgabe für die Festspiele. Zumal in den nächsten Jahren auch ein Generationenwechsel bei einigen Ensemblemitgliedern ansteht.

An was für Konzertorte denken Sie?

Zum Beispiel an die Elbphilharmonie in Hamburg: Wir gehen künftig eine enge Kooperation mit dem NDR Vokalensemble ein. Das könnte in Zukunft unser Festspiel-Chor werden, das Ensemble war ja in der Vergangenheit schon sehr oft in Göttingen. Und da ist es sehr naheliegend, wenn einige Konzertprogramme der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen später zum Beispiel in der Elbphilharmonie erneut aufgeführt werden.

Zurück zum Festspielprogramm: die Festspiele sind kulinarischer geworden, oder?

(lacht) Ja, das kann man so sagen. Wobei zu den neuen Formaten der Lunch-Konzerte oder dem „Café George“ auch die morgendlichen Konzerte Good Morning, George! gehören. Hier kamen zwei Ideengeber zusammen: George Petrou hat sich das Café George ausgedacht, ich wollte in Göttingen die Lunchkonzerte einführen. Beiden Ideen gemeinsam ist, dass wir Orte besuchen und bespielen wollen, wo man sonst keine Barockmusik hören kann. Zum Beispiel in der Kantine des Neuen Rathauses, ganz oben mit einem phantastischen Blick über die Stadt. Wir besuchen auch Firmen – und überraschen die Mitarbeiter:innen, die davon noch nichts wissen. Es treten bei diesen kleinen Konzerten übrigens dieselben Künstler:innen wie abends bei den großen Konzerten auf. 

Bei so viel Neuem: gibt es auch bekannte Gesichter und bekannte Konzertformate?

Aber natürlich! Zum Beispiel war Dorothee Oberlinger bereits häufiger hier zu Gast. Sie habe ich übrigens zufällig im Zug getroffen. Dort haben wir ihr Programm „Händel & Hendrix“ mit ihrem B’Rock Orchestragleich für Göttingen festgemacht.

Auch war der Cembalist Christian Rieger schon einmal zu Gast in Göttingen. In diesem Jahr gibt es mit ihm das Gesprächskonzert Partimento in Osterode.

Auch bei den diesjährigen Händel-Festspielen gibt es das Stiftungskonzert: am 15. Mai ist das mehrfach ausgezeichnete spanische Alte-Musik-Ensemble L‘Apothéose auf Einladung der Stiftung Internationale Händel-Festspiele Göttingen zu Gast in der Aula.

Die göttingen händel competition ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Festspiele. Auch in diesem Jahr starten mehrere Ensembles, das Siegerensemble präsentiert sich beim Preisträgerkonzert am 18. Mai. 

Bekannte Gesichter und langjährige Gäste sind auch das Göttinger Symphonieorchester (am 21. Mai) und natürlich Juri Tetzlaff mit der Familienfassung der Oper am 22. Mai.

Ein Höhepunkt ist auch in diesem Jahr das Galakonzert am 14. Mai: das NDR Vokalensemble und das Concerto Köln unter der Leitung von Václav Luks führen Händels Oratorium Belshazzar in der Johanniskirche auf.

Wie fühlen Sie sich denn vor Ihren ersten Festspielen?

Nun, wir alle sind angemessen aufgeregt. Aber vor allem voller Vorfreude!

Herr Schäfsmeier, wir danken für das Gespräch.