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Störsignale, die keiner hören will

Information
Rezension von Tina Fibiger - Erschienen am 26.Mai 2014

Edward Albees Zoogeschichte am Jungen Theater

An dieser Parkbank fehlt nur noch das Hinweisschild. Bitte nicht stören! Aber auch so vertraut Peter darauf, dass ihn hier niemand bei seinem Sonntagnachmittagsritual im Central Park belästigt. Zeitung lesen, schweigen, für sich sein. Jerry sieht das ganz anders. Nur jetzt und nur diesem Peter will er von seinem Zooabenteuer erzählen. Und es bricht ja bald auch noch viel mehr aus ihm heraus, was der Mann auf der Parkbank sich mal zu Gemüte führen sollte. Wie er sich da in seiner höflichen Verweigerungspose in beifälligen Zwischenbemerkungen einrichtet und ansonsten wenig Interesse oder Anteilnahme signalisiert.

Mit dem aufdringlichen Looser und seinem skurrilen Katastrophenalltag weiß der Verlagsangestellte aus Erfolgsverhältnissen wenig anzufangen. Aber nicht diese gesellschaftliche Kluft markiert Edward Albees Szenario über ein ungleiches Paar, dem er mit seiner „Zoogeschichte“ die oberflächliche Leichtigkeit einer Zufallsbekanntschaft verweigert.

Schon mit der Besetzung demonstriert die Inszenierung von Thorben Matthies am Jungen Theater, dass hier kein soziales Statusgerangel stattfindet. Elisabeth-Marie Leistikow spielt diesen Jerry ohne die Klischees vom müden, abgerockten Hänger wenn Philip Leenders nun um seinen Peter eine Mauer kultiviert, die auch nicht mehr als Vermutungen über seine Ansichten und seinen Status zulässt. Beide sprechen und schweigen nur für sich. Die Rolle des Zuhörers hat der Dramatiker für sie nicht vergeben, weil genau die nicht mehr funktioniert: Das sich aufeinander einlassen und das nachempfinden des Gehörten. Die Momente von Empathie und Anteilnahme  die sinnstiftend und belebend auf jede kommunikative Begegnung einwirken.

Diese wachsame Beobachterin von surrealen Alltagsepisoden weiß um die Aussichtslosigkeit ihrer provokanten Sätze, die so gar nichts bewirken. Auch dass ihre getarnte Verzweiflung diese stoische Gestalt auf der Parkbank nicht erreicht. Und wo manche Episoden  über zudringliche Hauswirte und schräge Nachbarn an das tägliche voyeuristische Nachrichtengebräu über Schicksale und  Absurditäten erinnern, staunt man über die Verwahrlosung des Gesprächsklimas, die Albee bereits 1958 beschrieb, als die Massengesellschaft sich noch nicht medial zugerüstet hatte und so ihre Gleichgültigkeit zur Schau stellte.

Der Versuch Jerrys, mit einer tierischen Freundschaft seine aussichtlose Einsamkeit zu bezwingen, kann noch so schaurig klingen. Aber wirksam mitteilbar machen lässt er lässt sich nur gewaltsam, mit der Vertreibung des Parkbesuchers von seinem hölzernen Reservat. „Die Wunde versteht immer das Messer“ heißt es in einer dieser weisen Diagnosen des Theatermannes George Tabori über die menschlichen Berührungsängste- und Nöte, die sich mörderisch zu einer existenziellen Berührung zuspitzen müssen, wenn die Worte versagen. Aber bis in diese Dimensionen des Versagens von Miteinander dringt der Abend nicht vor. Diese scheinbar absurde Konstellation auf die Bühne steuert auf ihr erwartungsgemäß absurdes Finale zu, aber das eher wie ein spielerisches Duell um die Abgründe, in denen sich Albees Figuren eingerichtet haben. Vermutlich sieht es darin noch ganz anders aus, als sie ihr Publikum wissen lassen. Ob nun mit einem Lächeln, einem genervten Blick oder einer weiteren Episode, die so schön irritiert und nun sichtbar belauert werden kann.