Meine Bestellungen

Ihr aktueller Status:

Sie sind Gast auf dieser Seite.

Registrieren Sie sich, um Ihren Status zu ändern.
Bestellen Sie einen Tageszugang oder ein Abonnement, um alle Funktionen freizuschalten und alle Texte lesen zu können.

Willkommen im Kulturportal vom Kulturbüro Göttingen. 

Hier finden Sie Termine und Nachrichten aus dem Kulturleben der Region. 
Ihre Möglichkeiten als Benutzer:in auf dieser Seite sehen Sie, wenn Sie auf das Menü rechts klicken. (Die drei kleinen schwarzen Balken)

Passend zu diesem Text

Very British!

Information
Rezension - Erschienen am 2.Juni 2014

Das Göttinger Symphonie-Orchester bei den Händel-Festspielen

Einmal bei der legendären „Last Night of the Proms“ in der Londoner Royal Albert Hall dabei sein, das wäre doch etwas ganz Besonderes. Diesem Traum konnte man gestern Abend im Rahmen der diesjährigen Händelfestspiele zumindest ein wenig näher kommen. Unter dem Motto „Rule, Britannia“ trumpfte das Göttinger Symphonie Orchester mit einem für das alljährliche Abschlusskonzert der Londoner Sommerkonzertreihe typischen Programm auf und brachte wenigstens ein bisschen Londoner Flair in die zugegeben nicht ganz so prunkvolle und festliche Göttinger Stadthalle.

Der Besucher wurde mit Ralph Vaughan Williams Sinfonie Nr. 2 „A London Symphony“ musikalisch nach London entführt. Das abwechslungsreiche Stück stellt musikalisch das Leben und bunte Treiben der Großstadt dar. Mit kontrastreichen und genauen dynamischen Wechseln und einer sauberen Intonation, die der Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller des Göttinger Symphonieorchesters gewohnt enthusiastisch vorgegeben hat, wurden die verschiedenen Seiten der Stadt London aufgezeigt. Der kaum vernehmbare und beinah zerbrechliche Klang in Streichern, Horn und Klarinette am Anfang der Symphonie schwebte klar durch die Stadthalle und erzeugte eine Spannung, die sich erst im Allegro risoluto entlud. Auch der Anfang des zweiten Satzes war sehr leise. Sehr überzeugend war der warme Klang des Bratschensolos, das sich mit Oboe, Klarinette und Englischhorn abwechselte. Im vierten Satz konnte man die Glocken des Big Ben deutlich heraus hören. In der Pause wurde man dann wieder in die Realität zurück geworfen, als man merkt, dass man sich immer noch in Göttingen befindet.

Der Fackeltanz hat eine lange Tradition und wurde im Mittelalter sogar in das Hofzeremoniell aufgenommen. Giacomo Meyerbeer komponierte den Fackeltanz Nr. 4 C-Dur für die Hochzeit von Victoria und Kronprinz Friedrich von Preußen. Am Ende des Stücks hat Meyerbeer die Melodie von „God save the King“ sehr elegant über die Tanzmelodie in den Bläsern eingebaut. Das sehr euphorisch vorgetragene Stück löste begeisterte Bravo-Rufe im Publikum aus.

Nach Mueller ist Großbritannien durch die Nähe zum Wasser davon sehr stark inspiriert. Dies mag auch der Grund für Edward Elgars Komposition der „Sea Pictures“ sein. Das Orchester trat in diesem Werk sehr stark in den Hintergrund und nahm die begleitende Rolle der Solistin an, wodurch die zarten und schillernden Orchesterfarben, die Elgar in diesem Werk besonders differenziert eingesetzt hat, ein wenig verloren gingen. Die Altistin Ingeborg Danz trat dafür mit ihrer warmen Stimme, die sowohl in den höheren als auch in den tieferen Lagen überzeugte, umso mehr in den Vordergrund. Der Text zu den Stücken war zwar im Programmheft abgedruckt, aber durch ihre präzise Artikulation auch so sehr gut verständlich. Im letzten Stück dieser Komposition, in dem es recht turbulent zuging, kam das Orchester wieder mehr zum Vorschein und zeigte die unterschiedlichen Klangfarben auf. Erneute Bravo-Rufe im Publikum.

Danach kam Elgars allen bekannter March No. 1 aus Pomp and Circumstance, der bereits 156 Mal bei der „Last Night of the Proms“ gespielt wurde, die dieses Jahr zum 120. Mal stattfindet! Nun waren nicht mehr nur die Musiker auf der Bühne gefordert, sondern auch das Publikum. Wie in der Einführung schon angekündigt und geprobt, wurden nun die Besucher gebeten den Text, der ebenfalls im Programmheft abgedruckt war, zu singen. Aber nicht nur das, dazu sollten dann auch noch Fähnchen, die man vor dem Konzert und in der Pause erwerben konnte geschwungen werden. Multitasking also. Nach einer erneuten kurzen Probe ging es dann auch schon los. Und das Göttinger Publikum erwies sich als begabt und enthusiastisch, denn ein voller und schöner Gesang erfüllte den Saal und die Fähnchen wurden fleißig geschwungen. Somit war es auch kein Problem bei dem folgenden Stück von Thomas Augustine Arne „Rule, Britannia“ nochmal mitzusingen. Als die Altistin Danz erneut die Bühne betrat ging ein freudiges Flüstern durch die Reihen. Wieder wurde kurz geprobt und Mueller gab den Hinweis, dass die Sprache bei einem Chor sehr wichtig sei und wir auf eine gute Artikulation achten sollen.

Nach nicht enden wollendem Applaus spielte das Orchester noch „Auld Lang Syne“ als Zugabe, etwas ruhiges, um ein wenig runter zu kommen. So verließen die Besucher nach dem Konzert zufrieden und glücklich summend oder pfeifend die Göttinger Stadthalle. Die Generalprobe des Göttinger Publikums für den Besuch der „Last Night of the Proms“ ist geglückt.