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Schubert authentisch zu Gehör gebracht

Information
Rezension - Erschienen am 11.Oktober 2014

Eine Schubertiade im Clavier-Salon

Eine originale Schubertiade in Göttingen? Was ist vorhanden? Ein Flügel, wie ihn Schubert zumindest bei seinem Bruder zu Verfügung hatte. Einige Gäste und zwei Werke von Schubert. Was fehlt? Schubert höchstpersönlich.

Obwohl... eine Schubertiade hat man sich zu Schuberts Lebzeiten wohl ein wenig anders vorzustellen. Die Gäste saßen wohl kaum in Reih und Glied vor dem Pianisten Gerrit Zitterbart und hörten ganz Aufmerksam zu. Vermutlich sammelten sich die geladenen Gäste um das Klavier herum und tauschten sich während dessen ein wenig über Kunst und Kultur aus. Und vermutlich gönnte sich der ein oder andere auch das ein oder andere Gläschen Wein dazu.

Die Vier Impromptus op. 142 D 935 aus dem Jahr 1827, die am Freitagabend im Clavier-Salon vorgetragen wurden, sind sehr abwechslungsreich gestaltet. Schumann beschrieb sie später als eine Sonate, was allerdings nicht ganz stimmt. Eine Zusammengehörigkeit wird zwar durch das erste und letzte Stück mit der Tonart f-Moll gegeben. Die formale Anlage der einzelnen Sätze stimmt aber nicht mit dem Aufbau bei einer Sonate überein. Das erste Stück ist fünfteilig und eher wie ein Rondo aufgebaut (ABABA) mit kleinen Veränderungen in den Abschnitten. In den B-Abschnitten spielt die rechte Hand eine sich wiederholende fließende Figur. Die linke Hand gestaltet darum herum kurze fragmentarische Motive. Der Anfang des zweiten Stücks erinnert stark an Beethovens Klaviersonate A-Dur. Formal ist sie wie ein Menuett gestaltet, mit einem kontrastierenden Mittelteil. Das dritte Stück ist eine Art Variationssatz, bei dem sich die Begleitung der linken Hand ständig wiederholt. Dies wird von Zitterbart mit einer außerordentlichen Gleichmäßigkeit gespielt. Es wirkt wie eine Art Collage. Jede neue Variation klingt ein wenig anders und fügt sich dennoch in das gesamte Stück ein. Das letzte Stück ist mit Allegro scherzando überschrieben, also fröhlich und scherzhaft. Die Melodie zeichnet sich durch Sprünge und Triller aus. Ein Abschnitt darin klingt wie ein Dialog zwischen der linken und der rechten Hand, wobei die linke Hand auf hämische Weise antwortet.

Die Schubertiaden sollten dazu dienen, Schuberts Werke in Wien bekannt zu machen, was leider während seiner Lebzeiten nicht von Erfolg gekrönt war. Schumann hat einige Werke von Schubert erst ein paar Jahre später bekannt gemacht. Die Sonate A-Dur op.posth. D 959 entstand zusammen mit zwei weiteren Sonaten in Schuberst letztem Lebensjahr (1828). Zitterbart bezeichnete diese als „die hellste der drei Sonate“ aber es gäbe darin auch einen „absoluten Abgrund“. Dieser erklingt im zweiten Satz in Form von Akkordballungen, wilden auf- und abwärts Läufen, extremen Lagen und im sforzando eingeworfenen Akkorden. Die für ein Rondo typische Themenwiederholung des letzten Satzes wird von Zitterbart durch unterschiedliche Tempi und Dynamik abwechslungsreich gestaltet. Besonders interessant ist der Schluss dieses letzten Satzes. Man hat das Gefühl, das Stückt ist jeden Moment zu Ende und dann kommt wieder ein neuer Themenfetzen.

Der Klang des Flügels aus dem Jahre 1825 könnte als hell, eher dünn und vielleicht gläsern beschrieben werden – im Vergleich zu modernen Flügeln. Für den einen oder anderen Besucher mag dies gewöhnungsbedürftig sein. Aber dadurch werden Schuberts Werke authentisch zu Gehör gebracht. Außerdem kommt man nur so in den Genuss des Moderato Pedals, das bei heutigen Flügeln nicht mehr vorhanden ist und den Klang leiser und irgendwie verschwommen gestaltet. Und genau das zeichnet den Clavier-Salon aus.