Meine Bestellungen

Ihr aktueller Status:

Sie sind Gast auf dieser Seite.

Registrieren Sie sich, um Ihren Status zu ändern.
Bestellen Sie einen Tageszugang oder ein Abonnement, um alle Funktionen freizuschalten und alle Texte lesen zu können.

Willkommen im Kulturportal vom Kulturbüro Göttingen. 

Hier finden Sie Termine und Nachrichten aus dem Kulturleben der Region. 
Ihre Möglichkeiten als Benutzer:in auf dieser Seite sehen Sie, wenn Sie auf das Menü rechts klicken. (Die drei kleinen schwarzen Balken)

Crash-Kids auf der Überholspur

Information
Rezension von Tina Fibiger - Erschienen am 11.Dezember 2014

Premiere am Jungen Theater

Wenn der Motor bei Vollgas aufjault, vibrieren die Sinne auf der Überholspur. Colly liebt dieses berauschende Gefühl und kommt damit auch bei Viper gut an. Cool ist das, wie er spontan eine dieser Bonzenschleudern kurzschließt, eine Kreditkarte abgreift und auch noch schnell ihre Lieblingspizza bestellt, um erneut mit ihr durchzustarten. Wen stören schon die paar Blechschäden, wenn der Kies beim nächsten Powerslide nur so spritzt und es dabei fast zum Crash kommt. Grenzen sind schließlich dazu da, dass sie ausgereizt werden. Das sind die berauschenden Momente, wie sie die „Crash Kids“ in der Inszenierung von Sebastian Stolz auf der Bühne des Jungen Theaters genießen, Freiräume, in die sich gefälligst niemand einzumischen hat.

Für seine Fassung des Stückes von Marcus Romer hat Stolz auf alle Etikettierungen verzichtet, die an den Motiven für den dramatischen Roadtrip eines jungen Paares sozialpädagogisch laborieren. Eva Schröer und Ali Berber spielen keine jugendliche Looser, für die sich fiese Eltern haftbar machen ließen oder fehlende Zukunftsperspektiven. Sie nehmen sich ihrer Geschichte an. Eine Schülerin und ein vermeintlicher Aussteiger verlieben sich ineinander. Sie  müssen dann halt dem ganzen Programm an Ängsten und Unsicherheiten klar kommen, Möglichst attraktiv und selbstbewusst wirken, genug Sprüche auf Lager zu haben und immer die richtige Taktik, um die eigene Verletzlichkeit zu tarnen. Stundenlang über das passende Outfit für das erste Date zu grübeln gehört dazu oder den anderen warten lassen, um sich lieber heimlich ganz unbändig über eine rote Rose zu freuen. Lässig in sich hinein zu strahlen, bedeutet auch Lebenslust und Hunger nach mehr. Und was irgendwie nach Zukunft klingt oder nach Angst, dass dieses Glücksgefühl irgendwann aufhört, verflüchtigt sich bei den nächtlichen Abenteuerfahrten. Zumindest eine Zeit lang, bis sich die Alarmzeichen nicht mehr wegblenden lassen. Vipers Schwangerschaft und Collys Panik, doch nicht alles unter Kontrolle zu haben, führen auf eine Beschleunigungsspur, die keinen Spaß mehr macht und auch nicht mehr berauscht.  Bei der letzten gemeinsamen Crashfahrt stirbt ein Kind. Nun lassen sich die Blaulichtverfolger auch nicht mehr abhängen.

Erzählt wird die Geschichte der beiden Crash-Kids quasi im Rückwärtsgang, so als ob rückblickend noch irgendeine Korrektur der Ereignisse hätte stattfinden können. Der Gestalt, die an der Bühnenkante vor dem kleinen schwarzen Kreuz innehält und an dem Rosenstrauß nestelt, fehlen noch die Worte. Aber dann wird sie sich in ein Abenteuer stürzen, dass sie am Ende wieder an diesen traurigen Ort zurückführt. Für das, was Viper und Colly durch den Sinn geht, wenn sie nicht gerade auf der mobilen Sitzbank den nächsten Lebenstemporausch genießen, greifen Eva Schröer und Ali Berber zum Mikrofon. Sie lassen die vielen stürmischen und leidenschaftlichen Short Cuts wie zwei staunende Chronisten Revue passieren. Videos werden eingeblendet von nachdenklichen Müttern und von Freunden, die auch nicht so recht wissen, worauf das Pärchen noch zusteuern will. Hinzu kommen die Bilder  von rasanten Fahrmanövern, wie sie auch am PC verführen, einfach noch mal einen Gang zuzulegen während auf der Bühne die jugendlichen Sehnsüchte kollidieren und das Publikum auch ein bisschen berauschen.