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Zu früh für eine tödliche Dosis

Information
Rezension von Tina Fibiger - Erschienen am 3.Februar 2015

Die Rocklegenden  des „Forever 27 Club“ im Jungen Theater

Es war immer eine explosive Mischung, ob nun bei Jimi Hendrix oder Janis Joplin, Jim Morrisson, Curt Cobain oder Amy Winehouse. Viele Motive lassen sich haftbar machen für den frühen Tod der Rock- und Popikonen, die mit 27 endgültig  abstürzten.  Drogen, Alkohol und Tabletten, Depressionen und Einsamkeit und das in Kombination mit zerstörerischen Beziehungen oder einer Vorgeschichte mit brutalen Vätern.  Geschichten, die einfach nicht gut enden konnten.

In der musikalischen Revue „Forever 27 Club“ die Jörg-Martin Wagner am Jungen Theater entwickelte und inszenierte, kollidieren all diese Geschichten. Viele sind bereits in den Songs eingelagert, die den Abend grundieren. In „Hey Joe“ und in  „I don’t live today oder in einem „Kozmic Blues“. Auch Jim Morrisons visionärer Rausch “Break on through to the other side” hält nicht lange an, wenn nun im Halbrund des Bühnenraums die Farbstimmungen wechseln und die Songs auch szenisch eingebettet werden. Jimi Hendrix verkorkste Kindheit, Janis Joplins morbide Show als Whisky Ikone, der Drogen Showdown in den sich Curt Cobain hinein steigerte, bis er schließlich zur Schrotflinte griff. 

Nicht alle biografischen Short cuts, mit denen das JT Team auf die musikalischen Stimmen der Revolte und der Provokationen zusteuert, lassen sich unmittelbar zuordnen.  Irgendwas ist bei allen Mitgliedern dieses „Forever 27 Club“ schief gelaufen,  die Linda Elsner, Agnes Giese und Eva Schröer, Ali Berber, Karsten Zinser und Jan Reinartz als  brüchigen Ikonen vorführen.

In schmuddeligen Bademänteln und als wilde Berserker, mental und körperlich ausgehungert oder auch in einer glänzender Verpackung, die dann irgendwann zum Erstickungstod führen muss. Es sind Bilder eines leidenschaftlich höllische Desasters, die mit jaulenden Gitarren und den wummernden Beats von Bass und Schlagzeug verwebt werden, während die Orgelsounds atmosphärisch vibrieren und das Cello den von Schmerz und Verletzlichkeit nachspürt.

Die Band mit Marius Prill, Sebastian Strzys, Sven von Samson und Oliver Neun bildet nicht nur das musikalische Rückrat des Abends. Ihr Sound verdeckt auch die Schwächen des Abends. Jörg-Martin Wagner hat seine Arrangements  auf die stimmlichen Ressourcen des Ensembles abgestimmt. Aber die erschöpfen sich mitunter und das auch ganz  unabhängig von den Echos, die die Originalinterpreten eben immer noch auslösen.  Dann verflüchtigt sich auch der musikalische Rausch, zu dem die 27 Club Ikonen ja weiterhin verführen, mit all den Abgründen und Abstürzen, die ihre Fans ebenso bewegten wie ihre Musik, auch nach der tödlichen Dosis, die sie viel zu erwischte.