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Die Suche nach MUT und Sinn

Information
Rezension - Erschienen am 13.März 2015

Zur Premiere am Jungen Theater - in Kooperation mit dem Deutschen Theater (Uraufführung)

Der Geheimbund MUT der drei Jungs Max, Uwe und Timo wird auf eine harte Probe gestellt: Krabbe, Uwes Schwester, möchte der Gruppe angehören. Dies löst emotionale Streitereien zwischen den drei Jungs aus, die nicht zuletzt dadurch befeuert wird, dass Max und Timo insgeheim doch mehr Sympathie für Krabbe übrig haben, als es jugendliche Coolness erlaubt: Max gibt zu, sie eigentlich okay zu finden. Was übersetzt wohl heißt: Er mag sie, kann es aber nicht außerhalb der entsprechenden jugendlich-habituellen Verhaltensweisen aussprechen.

Schon bei dem Unbehagen, Worte offen auszusprechen, wird das eigentliche Thema des Stückes mit gleichnamigem Titel offensichtlich: Es soll an diesem Abend um Mut gehen. Nicht nur den Mut eines heranwachsenden Teenagers, Mut zu haben und zu seiner Neigung einem Mädchen gegenüber zu stehen, sondern auch um Mut, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, Mut, für seine Freunde einzustehen und nicht zuletzt die nötige Portion Mut, um als heranwachsender Mensch durchs Leben zu gehen.

Es geht um die vielen kleinen Herausforderungen junger Menschen, denen sie mutig, aber in anderen Momenten auch weniger mutig, gar ängstlich und unsicher begegnen. Dass es letztlich um eine Mutprobe geht, dürfte ein Stück mit dem Titel Mut, welches explizit für Jugendliche erdacht wurde, erahnen lassen. Denn Krabbe darf nur Mitglied des Geheimbundes werden, wenn sie zu einer Mutprobe gegen Max antritt. Dieser darf sich die Aufgaben dieser Prüfung ausdenken. Dass er keine leichte Aufgabe wählen wird, passt zu seinem eher gemeinen Gewand gegenüber Krabbe. Aber das ist ja nur die jugendliche Verschleierung der eigentlichen Gefühle gegenüber einem Mädchen.

Zu einem solchen Stück gehört auch, dass das tragische Moment in Form eines Unfalls bei eben jener Mutprobe eingeführt wird und die Jungs vor eine große – wiederum Mut erfordernde – Herausforderung stellt.

So weit so gut. Ein Jugendstück, mit einem für Jugendliche dramatisierten Thema. Verfasst wurde das Stück von Theo Fransz, der schon für andere deutsche wie niederländische Theater Stücke erdacht hat.

Nun zur eigentlichen Frage nach der Premiere eines Stückes, welches sich gezielt an Jugendliche wendet: Wie erreiche ich diese Jugendlichen mit meiner Geschichte und ihrer Message? Wie kann ich die so Adressierten zum Nachdenken anregen? Der Autor dieser Rezension wird die Frage aufgrund seines Alters nicht beantworten können und es sei den jugendlichen Besuchern vorbehalten, ein eigenes mutiges Urteil zu fällen. Jeder dieser Jugendlichen dürfte die eigentliche Geschichte um den Geheimbund und die Mutprobe verstanden haben. Doch muss sich das Stück und die Inszenierung die Frage gefallen lassen, was eigentlich die beiden bisher nicht erwähnten ominösen Gestalten Boss und Igor für eine Funktion innehaben und welche Botschaft sie im Kontext der eigentlichen Handlung erfüllen sollen. Gibt es eine? Ist es eine Art provokatives Muss gewesen, die Geschichte mit einem in Frauenkleidern steckenden Boss und einem buckeligen, dümmlich daherkommenden Igor zu rahmen? Geht es um Unterhaltung, indem beide ihre Texte in witzigen und Lacher erhaschenden Akzenten vortragen? Steckt im Akzent Igors, der sofort bestimmte Assoziationen und tagespolitische Debatten in Erinnerung ruft, gar eine versteckte Kritik? Dann ist Boss wahrscheinlich auch ein mutiger Aufruf zu mehr Toleranz gegenüber Männern in Frauenkleidung – klar, viele Kinder amüsieren sich über sowas. Was meint die Inszenierung, wenn jugendliche Raufereien gleich in imaginierte, wilde wie überzeichnete Actionszenen mit wildem Geballere übergehen?

Vielleicht sind all diese Fragen aus den Augen eines erwachsenen Menschen auch viel zu ernst genommen. Vielleicht wurde viel zu viel interpretiert, gedacht und assoziiert. Vielleicht sehen Jugendliche das Stück mit ganz anderen Augen.
Vielleicht muss aber auch danach gefragt werden, welche Geschichten ein an Jugendliche adressiertes Theater erzählen möchte und vor allem: Wie sie erzählt werden. Dass ein Thema wie Mut relevant ist, steht außer Frage. Erwähnt sei zivilgesellschaftliche Teilhabe oder den Mut, für seine Meinung einzustehen. Doch dem widmete sich diese hektische und teilweise leere Inszenierung kaum, außer mithilfe einer recht banalen Geschichte à la Kinderfernsehen.

Demgegenüber stand eine brillante und sehr beeindruckende schauspielerische Leistung der vier Schauspieler Ali Berber (Timo), Benedikt Kauff (Max), Nikolaus Kühn (Uwe) und Eva Schöer (Krabbe), die mit ihrer Leistung großen Eindruck hinterließen und bei all den Nachfragen nicht unerwähnt bleiben darf. Besonders das schnelle Changieren zwischen stürmisch-kindlichem Gemüt, exzentrischen Ausbrüchen und einem gedankenverlorenen Sinnieren über Mut und auch Liebe wobei noch immer ein Charakter der Rolle durchschien, sei hervorgehoben.

Über ihre Eindrücke, wie diese Umsetzung des Themas Mut gelungen ist, mögen die Jugendlichen jedoch selbst diskutieren und vielleicht zu ganz anderen Anregungen kommen, denn jede Diskussion nach einem solchen Stück ist wünschenswert und eigentlich verpflichtend.